Islam und Christentum, Teil 14

Bildschirmfoto 2016-01-26 um 06.38.12

Mahmoud und der Urhrmacher.

Unser Freund ist in eine Falle geraten, auf die er nicht vorbereitet war. Er hat sie sich aber selber gelegt. Sein Gedanke war naheliegend. Alles, was irgendwo ist, muss irgendwo her sein. Wenn irgendwo eine Musik zu hören ist, dann muss irgendwo entweder ein Orchester, eine Band oder eine Musikanlage stehen. Musik kommt aus Instrumenten, und wir gehen davon aus, dass sie von jemandem gespielt wird. Ganz und gar ungespielte Musik gibt es nicht.Auch jedes Wort ist irgendwann gesprochen worden, und jede Schrift wurde geschrieben. So etwa muss Mahmoud gedacht haben: Die Welt ist die Handschrift eines Gottes. Woher soll sie sonst kommen? Alles kommt aus irgendwas, also muss die Welt einen Gott haben.
Dann aber kam die legitime Gegenfrage: „Wenn alles einen Ursprung hat, woher kommt Gott dann? Wo hat er seinen Ursprung und sein Herkommen?“ Hier schnappte die Falle zu, auf die unser Freund nicht vorbereitet war. Er wusste keine Antwort.

Es ist nun so, dass nicht jeder für solche Fragen gerüstet sein muss. Die Religion sollte eigentlich eine Sache für jedermann sein. Jeder Mensch muss alles Wichtige leicht verstehen können. Nicht jeder, der ein Auto fährt, muss wissen, wie sein Getriebe aufgebaut ist, wer es erfunden und entwickelt hat und was die Fertigung gekostet hat. Es reicht, wenn man eine Erlaubnis zum Fahren hat, wenn man weiß, wie das geht und wo die Leute sind, die es reparieren können.
Wenn sich nun aber ein Fahrer zum Diskutieren in die Werkstatt begibt, wo die Spezialisten arbeiten, dann sollte er gerüstet sein und Bescheid wissen. Das hatte Mahmoud nicht hinreichend getan, als er mit dem Atheisten zu streiten begann, allerdings ohne sich vorzubereiten.

Unser Meister Thomas hat seine berühmte „Summe gegen die Heiden“ übrigens aus diesem Grund geschrieben: Die Leute, die sich mit andersgläubigen zu unterhalten hatten, sollten ausreichend ausgerüstet sein und möglichst allen schwieriegen Fragen in Sachen Glaube und Religion mit Argumenten begegnen können. Die Missionare sollten den Aufbau des Glaubens kennen und mit den Einwänden, die kommen könnten, hinreichend vertraut sein. Ein Blick in Gedanken des heiligen Thomas kann also von großem Wert sein, wenn man sich auf schwierige Gespräche einlässt.

Wir haben in unserer Sache die Antwort übrigens ansatzweise schon gegeben, als wir sagten, Gott sei der Erfinder der Welt und selbst nicht in ihr zu finden. Er müsse als ihr Schöpfer irgendwie ein ganz anderer sein. Unser Beispiel war der Uhrmacher, der selber auch nicht in seinen Uhren steckt.

Als Mahmoud das nicht bedachte, konnte sein Gegner es sich leicht machen und den Gott, den Mahmoud ins Spiel warf, mit in die lange Reihe stellen. Wenn „alles“ einen Ursprung haben muss, und Gott zu diesem „Alles“ gehört, dann muss er, wie alles eben, auch irgendwo her sein. Mahmoud hatte nicht bedacht, dass der Uhrmacher nicht in der Uhr ist und nicht mit zu ihren Einzelteilen gerechnet werden kann. Gott muss seiner Schöpfung so über sein, wie der Uhrmacher seinen Erfindungen über ist, als der ganz andere. Gott zählt nicht zu „allem“, er ist vielmehr allem über. Wie man das verstehen kann, dazu morgen mehr.

 

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