Islam und Christentum, Teil 11

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Der große Unterschied.

Ich würde meinen, lass uns das Tempo doch etwas herausnehmen und kurz bremsen. Da ist nämlich eine Sache zu besprechen, die nie besprochen wird und die doch alles ausmacht, und die vor allem unsere beiden Religionen im höchsten Grade unterscheidet.

Wenn man Christen und Muslime fragt, was den großen Unterschied zwischen Islam und Christentum ausmacht, dann werden vermutlich viele, die ein bisschen Ahnung haben, sehr richtig sagen, es sei die Dreifaltigkeit, an die die Christen glauben und die Muslime nicht. Manche werden, genau so richtig, die Menschwerdung nennen. Die Christen glauben, dass Gott in Christus Menschenfleisch annahm. Die Muslime glauben das nicht.
Ein Schüler des heiligen Thomas würde dem allem natürlich nicht widersprechen. Stimmt ja alles. Er würde vielleicht aber ganz anders ansetzen, nämlich so wie sein Lehrer ihm das immer vormacht: Er würde vom Ziel ausgehen. Unsere beiden Religionen unterscheiden sich vor allem dadurch, dass sie ganz verschiedene Ziele haben. Sie unterscheiden sich vor allem dadurch, dass sie auf ganz verschiedene Zustände hinaus laufen, die der Mensch am Ende haben wird.

Kennst Du den Unterschied zwischen beschreiben und erklären? Eine Beschreibung erklärt nichts. Wenn zwei Männer, die im gleichen Haus wohnen und wie Zwillingsbrüder aussehen zum gleichen Waffengeschäft gehen, morgen dorthin marschieren, um jeweils Gewehrkugeln zu kaufen, dann kannst Du beschreiben, wie identisch ihre Wege, ihr Tun und ihr Heimweg ist. Sie gehen beide ins Geschäft, lassen sich die Kugeln geben, bezahlen den selben Betrag und marschieren wieder nach Hause. Die Beschreibung liefert ziemlich identische Vorgänge. Wenn aber der eine seine Kugeln kauft, um damit ein Wildschwein zu jagen, der andere, um einen Mord zu begehen, dann werden die gleichen Vorgänge zu ganz verschiedenen Angelegenheiten. Das Ziel ändert schon mal alles. Und das, worauf etwas hinaus läuft, was eigentlich geplant ist und warum etwas in Gang kommt, das liefert eine äußerliche Beschreibung oft nicht. Für die Erklärung einer Sache braucht es auch einen Blick auf sein Ziel, sofern es eins hat, und die Religionen sind vor allem Zielangelegenheiten.

Thomas wusste das alles natürlich, und deshalb versucht er die Dinge immer so gut er kann, sowohl zu beschreiben, als auch zu erklären. Seine Abhandlung vom Menschen beginnt er deshalb nicht mit der Beschreibung seines Aussehens und seines Zustandes, sondern mit seinem Ziel. Für uns ist das etwas ungewöhnlich, aber der Meister beginnt seine große Abhandlung über den Menschen mit der Betrachtung der Glückseligkeit im Himmel, also mit dem Zustand, den er haben wird und dem Ort, an den er gelangen soll. Von daher marschiert der Meister erst weiter und beschreibt die Möglichkeiten des Menschen zum Handeln, seine Stärken und Schwächen und später die Hilfsmittel, die er braucht, um den Weg nach Hause zu finden.

Genau hier, lieber Freund, unterscheiden sich unsere Religionen grundlegend: Im Ziel nämlich. Um es mit einfachen Worten zu sagen. Das Paradies der Muslime ist nicht der Himmel der Christen und umgekehrt. Natürlich, der äußeren Beschreibung nach ähneln sich die Welten auch hier wieder. Bei uns wie bei Euch ist das Ziel ein Land, in dem Milch und Honig fließen. Hüben wie drüben ist das Ziel ein Ankommen auf Gottes Berg, wo Friede herrscht, wo die Trauben hängen, wo unsere Lieben sind und wo alle Sehnsüchte zur Ruhe kommen können. Aber genau hier ist der Haken! Der große Unterschied liegt auch hier nicht in der Beschreibung der äußeren Umstände. Die Frage, der nachzugehen ist, lautet nicht nur, wie sieht das Paradies aus. Die Frage lautet, wer werden wir sein, wenn wir hinein gelangen? Die Bibel hat dafür eine kurze Antwort, über die wir sprechen müssen Der heilige Johannes formuliert sie kurz und knackig in seinem ersten Brief:

„Seht, wie groß die Liebe ist,
die der Vater uns geschenkt hat:
Wir heißen Kinder Gottes und wir sind es.
Die Welt erkennt uns nicht, weil sie ihn nicht erkannt hat.

Liebe Brüder, jetzt sind wir Kinder Gottes.
Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden.
Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird;
denn wir werden ihn sehen, wie er ist.“ (1.Joh,3,1ff)

Um es abschließend kurz zu sagen: Es geht nicht nur darum, dass wir, sozusagen, nach einer kurzen, äußerlichen Verzeihung unserer Sünden in irgendeinen Himmel kommen. Es geht zunächst einmal darum, dass wir „ihm ähnlich“ werden. Dazu reicht eine äußere Waschung nicht. Dazu braucht es eine innere Verwandlung, eine regelrechte Wurzelbehandlung und eine Art Einswerdung mit Christus. Wir werden zugleich ganz die Alten und zugleich ganz andere sein, wenn wir ins Paradies einziehen. Es geht um die Verbindung mit Christus. Darüber müssen wir reden, und das unterscheidet unsere religiösen Welten.

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