Islam und Christentum Teil 9

Bildschirmfoto 2016-01-06 um 18.03.22

Die Zeugung des Sohnes in Gott

Das Wichtigste ist eigentlich schon gesagt. Trotzdem müssen wir noch ein paar Begriffe in unser Bild einführen, um die christliche Vorstellung von Gott etwas genauer erklären zu können.
Ich sollte noch einmal an die Reihenfolge erinnern: Wir sagen nicht. Gott sei dreifaltig, weil wir uns das ausdenken oder weil es logisch wäre und so sein müsste. Wir sagen, Gott ist dreifaltig, weil er als erster begonnen hat davon zu reden, um es uns wissen zu lassen. Mit dem heutigen Begriff ist es genau so. Wir sagen, Gott zeugt in sich seinen Sohn und wissen das, seit dieser Sohn uns das als Information überbracht hat. Im Evangelium des Matthäus ruft Jesus einmal feierlich aus:

„Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden;
niemand kennt den Sohn, nur der Vater,
und niemand kennt den Vater,
nur der Sohn und der,
dem es der Sohn offenbaren will.“
(Mt 11,26)

Das ist wieder ein Wort, das man kaum missverstehen kann. Man kann es nur glauben oder nicht, und ich weiß sehr wohl, die Christen glauben es, die Muslime nicht. Jesus spricht von sich und behauptet in der Tat, der Sohn des göttlichen Vaters zu sein. Die Aufgabe der Gelehrten ist nun, sich zu dieser Information Gedanken zu machen und zu überlegen, wie man sie beschreiben kann. Da ist Bruder Thomas wieder der beste. Er sagt, in Gott gibt es eine Zeugung. Söhne werden gezeugt, Töchter auch, und der Meister nimmt sich die Zeit, kurz zu erklären, was eine Zeugung ist und was nicht. Eine Zeugung ist ein Geschehen, bei dem etwas zustande kommt, das in mancher Hinsicht das gleiche Wesen haben muss wie der, der zeugt.

Wenn zwei Menschen ein Kind zeugen, dann entsteht wieder ein Mensch. Das gezeugte Kind muss in allem, was ein Wesen zum Menschen macht den Eltern gleich sein. Thomas nennt zur Erklärung, was uns aus den Köpfen sprießt. Wir „erzeugen“ Haare, heißt es. Dennoch sagt niemand, er habe seine Haare gezeugt. Haare gehören wohl zum Menschen, sie sind aber keine. Zeugen können Menschen nur Menschen.
So muss es der Logik des Thomas auch in Gott sein. Wenn Gott einen Sohn hat, dann hat er ihn auch gezeugt. Und wenn Gott einen Sohn hat, dann muss dieser Sohn selbst auch Gott sein. Das Geheimnis ist aber wieder, dass es deshalb nicht zwei Götter sein müssen. Wie schon gesagt, bleibt der Gezeugte Sohn in Gott. Er ist nichts, was irgendwie außerhalb seiner selbst abgelegt würde. Unsere Gedanken bleiben auch in uns und sind in gewisser Weise auch wir. Wenn Gedanken in uns sind, dann ist mit ihnen auch nichts zweites in uns. Wir sind nur wir. So ist es auch mit Gott. Der Sohn ist das Wort Gottes, das der Vater in sich selbst spricht. Wie das später mit der Menschwerdung auf Erden verstanden werden kann, werden wir sehen. Für jetzt wäre wichtig zu verstehen, wie man sich das Geschehen in Gott vorstellen kann. Gott ist lebendig und er hat uns gestattet, in konkreten Bildern, die aus dem gewohnten Leben genommen sind, darüber nachzudenken.

Es gibt allerdings einen entscheidenden Unterschied, den wir schon kurz durchdacht haben. Wenn Menschen Menschen zeugen, dann fangen sie damit an und hören wieder damit auf, wenn die Zeugung vollzogen ist. Bei Gott muss das anders sein, weil er ewig ist. Wenn Gott sich seinen Sohn zeugt, dann tut er es immer und hat es auch immer schon getan. Die Zeugung ist ein Vorgang, der genau so ewig ist, wie er selbst: Ohne Anfang und ohne Ende. Auch hier haben wir es wieder mit dem selben Umstand zu tun. Wir können mit Worten sagen, wie es sein muss, konkret vorstellen können wir uns das nicht, weil es in unserer Lebenswelt nichts Ewiges gibt.

Ein kurzes Wort noch, an das ich mich immer erinnere, wenn ich mit Muslimen über unseren Glauben spreche. Mein sunnitischer Freund Jimmie hat mir, um mich auf die Palme zu bringen, gern mal vorgeworfen, wir Christen begingen die schwerste Sünde, die man Gott gegenüber tun könne. Die größte Sünde sei nämlich, etwas, was nicht Gott ist, für göttlich zu erklären, also zu sagen, es gebe zwei oder mehr. Jesus sei nur ein Prophet und Gott habe keinen Sohn. Er hat mir das oft gesagt und ich habe immer gewusst, was er meinte. Mir sind auch die entsprechenden Stellen im Koran bekannt. Ich muss aber sagen, was Jimmie nicht in den Schädel wollte: Dieser Vorwurf trifft auf meinen Glauben nicht zu. Vielmehr perlt er an ihm ab, wie Tropfen an einer Regenjacke. Es gibt nur einen Gott und es kann nur einen geben. Dieser Gott lebt aber, und in unserem Glauben versuchen wir nur, uns dieses Leben, so weit wir können zu erklären.

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