Islam und Christentum, Teil 8

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Erkenntnis und Liebe
Bisher habe ich versucht zu erklären, dass in Gott ein Erkennen ist und ein Erkanntes. Gott erkennt und kennt sich selbst. Er erkennt sich und weiß um sich. Wir hatten das mit der menschlichen Person verglichen. Auch sie ist nur eine. Du bist Ali, ich bin Johannes. Dennoch können wir, wenn wir uns selbst erkennen, kritisieren und beurteilen, ohne zwei zu sein. Wir haben ein schlechtes Gewissen, wenn wir etwas getan haben, was wir falsch finden. Wir finden uns eher gut, wenn wir getan haben, was richtig war.

Die Bibel sagt, Gott hat ein Wort in sich, das „der Sohn“ wurde, als er auf die Welt kam. Das sind zwei Komponenten in Gott. Unsere Offenbarung spricht aber von drei Personen.

Um es gleich vorweg zu sagen: Neben dem Sohn spricht die Bibel auch vom Heiligen Geist, der ebenfalls Gott ist. Jesus ist da sehr deutlich. Für ihn als das Wort, das gekommen ist, war vorgesehen, dass er ein Menschenleben lang auf der Erde sein und bleiben würde. Sein Tod war vorgesehen und vorgesehen war auch, dass er in diesem Tod die Welt wieder verlassen würde. Vorgesehen war also, dass der Sohn kommen und wieder gehen sollte. Weil das aber für die, die ihn kennen- und lieben gelernt hatten, eine eher traurige Angelegenheit sein musste, sprach er von „einem anderen Beistand“, den der himmlische Vater an seiner statt senden würde. Dieser sei der Tröster, der Heilige Geist, der in ihre Herzen sich ergießen wolle. Der heilige Paulus hat später in seinem Römerbrief diesen Trost für alle beschrieben, nicht nur für seine Jünger. Der heilige Geist ist „ausgegossen in unsere Herzen“, schreibt er. An anderer Stelle schreibt er, der Geist Gottes bezeuge unserem Geist in unseren Herzen, dass wir Kinder Gottes sind. Dem Zeugnis der Bibel nach wollte Gott also nicht nur kommen und wieder gehen, um unser Verhältnis mit ihm zu reparieren. Er wollte mit seinem Trost auch bleiben, und das geht nur im Geist. Der führt seine Kinder und die Kirche. Aber wie sich das alles beschreiben lässt, darauf können wir noch des näheren kommen, wenn Du möchtest.

Unsere Bibel spricht in dieser Sache also von drei Komponenten in Gott, und Jesus gibt kurz vor seiner Himmelfahrt seinen Jüngern die Anweisung, die Menschen „im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ zu taufen, um aus den Kindern Adams Kinder Gottes zu machen.

Wir müssen also die dritte Person, die Gott uns geoffenbart hat, in Gott denken können, und jetzt beginnt wieder die Arbeit des heiligen Professors Thomas zur Erklärung. Für ihn ist die Sache klar: Erkennen allein reicht nicht! Erkennen allein macht noch kein wirkliches Verhältnis. Wenn Du erkennst, dass falsch und schlecht war, was Du getan hast, dann reicht das noch nicht für ein schlechtes Gewissen. Wirklich schlecht ist ein Gewissen erst, wenn einem auch schlecht dabei zu Mute ist. Wenn Du erkennst, dass Du mutig warst und etwas gut gemacht hast, dann reicht auch da die reine Erkenntnis nicht. Du musst Dich auch gut finden können und dürfen. Was wir ein gutes oder schlechtes Gewissen nennen, das hat nämlich auch eine emotionale Seite. Ein Mensch, der weiß, dass mies war, was er  Dir angetan hat und Dir dabei ins Gesicht lacht, der hat kein schlechtes Gewissen, sondern ist ein schlechter Kerl. Erkennen reicht nicht. Man erkennt nicht nur, wer man ist oder was man tut und will. Man findet es auch gut oder schlecht, traurig oder klasse. Das ist viel mehr als reines Erkennen, es ist Lieben.

Ein Mensch, der nicht lieben kann, ist kein Mensch. Er wäre eher ein Roboter. Es gibt keine Menschen, die nur erkennen. Menschen leiden auch unter ihrer Erkenntnis und freuen sich drüber. Thomas sagt nun, so etwas muss man auch in Gott annehmen. Er erkennt sich nicht nur. Er hat auch Lust an dieser Erkenntnis. In der Sprache des heiligen Thomas bedeutet das, er will auch etwas. Gott wollte die Menschwerdung, er wollte uns den Tröster senden und er will, dass es mit uns gut ausgeht. Erst in dieser Kombination können wir die Liebe behaupten. Lieben bedeutet nämlich immer, dass man, erstens, gut findet, dass es das Geliebte gibt, und zweitens, dass das Geliebte immer irgendwie im Liebenden ist. Wenn Du einen Menschen liebst, dann hast Du ihn immer irgendwie im Herzen. Du hast ihn immer im Herzen und das im Willen, dass es ihm gut ergehe.

In diesem Sinn beschreibt unser Professor auch die Liebe in Gott, die wir annehmen müssen.

Zweimal hat zu Jesu Zeiten eine Stimme vom Himmel gesprochen. Das eine Mal, zur Taufe bei Lukas sagt sie: „Du bist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe.“ Ein zweite Mal ruft sie zur sogenannten Verklärung Jesu den Jüngern zu: „Das ist mein geliebter Sohn, auf ihn sollt ihr hören.“ Das ist mehr als die Sprache reiner Erkenntnis. Es ist die Sprache des Vaters, der seinen Sohn auf Erden liebt, und der schon immer voller Liebe war, weil er ganz Liebe ist.

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