Islam und Christentum, Teil 7

Bildschirmfoto 2016-01-06 um 18.03.22

Offenbaren und zeigen, Sehen und Glauben.

Lass uns hier noch einmal kurz anhalten. Auf den ersten Blick könnte nämlich widersprüchlich aussehen, was wir gesehen haben. Auf der einen Seite spricht die Summe ausführlich von Gott und seinem Innenleben, auf der anderen Seite sagt dasselbe Buch, unser vernünftiges Denken könne auf das von sich aus gar nicht kommen. Also ein Wort dazu.

Nehmen wir an, jemand marschiert durch einen wild gewucherten Wald. Plötzlich steht er an einer Lichtung, und mitten darin steht ein fein gepflegtes Haus. Der Wanderer weiß nichts über seinen Erbauer, er weiß aber, dass es einen haben wird. Wie soll mitten im Wald ein Haus entstehen, wenn niemand es geplant, gebaut hat und pflegt? Man vermutet gleich einen Menschen, der den Bauplatz gekauft hat und das Haus auf ihm in Ordnung hält. Wenn man so möchte: Man sieht dem Haus an, dass ein Mensch es dahin gesetzt hat. Aber ob es ein Mann oder eine Frau war, ein Mensch mit schwarzer oder weißer Hautfarbe, all das kann man dem Haus nicht ansehen.

So etwa verhält es sich mit dem, was die Summe sagt: Der Verstand kann mit Blick auf die Welt wohl schließen, dass sie einen Schöpfer hat. Er kann aber nicht sagen, was es für einer sein muss.

Wenn ein Lehrer kurz seine Klasse verlässt, wieder kommt und sieht, dass da jemand ein grinsendes Gesicht an die Tafel gemalt hat, dann weiß er wohl, es war einer der Schüler, um ihn zu ärgern oder zum Lachen zu bringen. Aber zum Wissen, wer genau es war, braucht es noch eine Information. Das Bild an der Tafel gibt nur her, dass es jemand war. Wer, darüber schweigt es. Klingt plötzlich Musik in der Stille, dann wissen wir, dass sie jemand spielt. Wir wissen allerdings nicht, wer.

So etwa können wir verstehen, was in der Summe steht. Im Blick auf die Welt schlossen die Philosophen, sie müsse einen Schöpfer haben. Das Sein der Dinge muss eigentlich einen Seinsgeber haben, um mit den Worten des Thomas zu sprechen. Filme haben ja auch ihre Projektoren und Lichter ihre Lichtquellen. Wenn wir wissen, da läuft ein Film, dann wissen wir, es gibt irgendeinen Projektor irgendwo. Dem Film sieht aber niemand an, wer ihn laufen lässt. Die Schöpfung hat einen Schöpfer, schlossen die Philosophen also. Sie konnten aus dieser Erkenntnis heraus aber nicht sagen, wer es des näheren sein müsste. Um da mehr zu erfahren, braucht es eine weitere Information.

Genau diese Information hat die Welt bekommen, und zwar in der sogenannten Offenbarung. Das sagen alle Gläubigen. Die Welt hätte nie Wahres vom wahren Gott gewusst, hätte dieser nicht von sich aus den Weg zu den Menschen angetreten, um von sich zu erzählen. Aber sagen wir es besser mit dem gewohnt feierlichen Wort, denn wir haben es mit etwas Großem zu tun: Gott hat sich seiner Welt offenbart.

Offenbarung ist, wie gesagt, ein feierliches Wort. Offenbaren und zeigen ist nicht dasselbe. Den Inhalt eines Koffers, den zeigt man einem Kumpel. Das Innerste eines Herzens aber, das offenbart man einem geliebten Menschen. Zeigen und offenlegen kann man viel und alles mögliche. Das Offenbaren aber ist heiligen und großen Dingen vorbehalten, obwohl es im Grunde auch ein Zeigen ist. Gott hat sich in Christus der Welt gezeigt, sagen die Christen. Sie nennen ihre Religion deshalb aber keine „Gott zeigt sich“- Religion, sie nennen sie die Religion der Offenbarung.

In diesem Sinn hat der Schöpfer nach christlichem Glauben beschlossen, seinen Kindern sein innerstes Geheimnis zu offenbaren. Das aber ist nicht in der Weise des einfachen Schauens, auch nicht durch schlaue Schlussfolgerungen zu haben, sondern nur auf die Weise des Glaubens. Es reicht nicht, mal kurz irgendwo hinzuschauen, wie wenn man sieht, ob es regnet oder nicht. Die Wahrheiten Gottes und letztlich auch die Wahrheiten über die Welt und uns selbst sind nur auf die Weise des Glaubens zu haben. Gezeigtes kann man sehen, Geoffenbartes fordert auch den, der sieht. Deshalb kann man einer Offenbarung nur auf die Weise eines vertrauenden Glaubens gerecht werden.

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