Islam und Christentum, Teil 6

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Wir müssen über Gott reden, und zwar auf etwas ungewöhnliche Weise. Im Allgemeinen wird, von Gott gesagt, was er getan hat und tut, was er sich vorstellt, was er verlangt und welches Verhältnis man zu ihm haben sollte. Was er aber ist, was er sein kann und was nicht, das wird eher selten zum Thema. Genau da landen wir aber mit Deiner Frage: Wie kann Gott nur einer sein und zugleich einen Sohn haben?

Um das zu verstehen, sollten wir in der Frage nach Gott erst einmal über seine Ewigkeit nachdenken. Ewig bedeutet, dass etwas keinen Anfang und kein Ende hat. Wir können uns das nicht vorstellen, weil es in unserer Welt nichts ewiges gibt. Wir sagen zwar, im Himmel werden wir ewig leben, damit meinen wir aber nur eine Ewigkeit, die nach hinten hin nicht aufhört. Nach vorne hin haben wir alle einen Anfang. Es gab ja eine Zeit, in der wir noch nicht da waren. Wirklich ewig ist nur, was da ist, aber nie anfing und nie aufhört.

Wenn nun Gott immer war, nie anfing und nie aufhörte, dann kann auch in ihm drin, um es mal so zu sagen, nichts anfangen und nichts aufhören. Wir nennen Gott barmherzig, weil er uns das hat ausrichten lassen. Wenn wir den Begriff Gott ernst nehmen, dann war Gott nie nicht barmherzig. Wenn in ihm nichts anfangen kann, dann kann auch seine Barmherzigkeit keinen Anfang haben. Sie muss immer da sein und sie muss ganz und gar vollendet sein, insofern nichts an ihr ist, was unbarmherzig wäre.

In unserer Bibel steht, Gott ist Liebe. Wenn das so ist, dann war Gott nie nicht Liebe und zugleich kann in ihm nichts sein, was nicht liebenswert ist. Das hieße ja, es hätte in ihm irgendwo ein Ende.

Nun lesen wir im Johannesevangelium, wie Jesus sagt:
„Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt,
dass er seinen einzigen Sohn hingab,
damit jeder, der an ihn glaubt,
nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat.“

Wenn wir diesen Gedanken mit dem von oben zusammenbringen, dann müssen wir sagen, wenn Gott einen einzigen Sohn auf die Welt sandte, dann muss er ihn irgendwie immer schon gehabt haben.

Gehen wir zu Meister Thomas. Eine seiner großen Überlegungen sagt, in Gott sei Erkenntnis, und zwar immer schon. Erkenntnis bedeutet aber, dass da etwas ist, was erkennt und etwas, was erkannt wird. Wer eine Blume sieht, muss Augen haben, und die Blume muss es auch geben. Eben, etwas, was sieht und etwas, was gesehen wird. Mit der Blume und der Erkenntnis Gottes hat es nur einen entscheidenden Unterschied: Die Blume ist etwas Äußeres. Gott erkennt sich in sich selbst, und die Erkenntnis bleibt auch in ihm, sagt Thomas. In Gott gibt es ein innerliches, sich selbst erkennen und somit auch so etwas wie ein Gegenüber seiner selbst, wie bei den Menschlichen Personen auch.

Wenn ein Mensch, eine Person sich selber liebt, dann hat sie ein positives Verhältnis zu sich selbst, sagen wir. Ein Verhältnis zu sich selbst haben, heißt auch, sich selbst sehen und beurteilen. Sich selbst bedeutet aber, da ist kein zweiter in diesem Fall, nur mal selbst. Auch Personen haben eine innerliche Erkenntnis ihrer selbst. Auch sie haben etwas Sehendes und etwas, was gesehen wird in sich, ohne deshalb geteilt und zwei zu sein.

Die Überlieferung sagt, Gott spricht in sich ein Wort. Ein Wort sprechen bedeutet, ein Wort in seinem Herzen bilden und hervorbringen. Wir dürfen sagen, das Erkennen seiner selbst in Gott macht sein Leben und sein Glück aus, denn Gott ist die Liebe und Liebenswürdigkeit in sich.

Bei all dem legt der Meisterdenker Thomas allerdings auf eine Sache großen Wert. Wir wissen um dieses innerliche Leben Gottes nur, weil er uns von sich erzählt hat. Über das vernünftige Denken und ziehen von Schlüssen könnten wir nicht an dieses Wissen gelangen. Die Dreifaltigkeit Gottes ist somit ein Geheimnis, das wir nur im Glauben erfassen, indem wir ihm glauben, was er uns gesagt hat.

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