Islam und Christentum, Teil 4

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Ich muss noch etwas erklären. Die Leute, die verrückt genug sind, regelmäßiger zu lesen, was ich schreibe, können das heutige Kapitel getrost überschlagen. Sie dürften schon aus vielen Wiederholungen wissen, was ich Dir erklären muss.

Mit den Religionen, oder besser gesagt, mit den religiösen Leuten aller Religionen ist es so: Für die meisten reicht es, wenn sie die ihre haben und so gut sie können, schlicht nach ihr leben. Damit ist der eigentliche Kern auch schon erfüllt. Eine gute Religion ist für jedermann und muss deshalb auch von jedermann leicht verstanden und gelebt werden können.

Als ein junger Jude Jesus fragte, was er tun müsse, um in den Himmel zu kommen, antwortete dieser schlicht: „Halte die Gebote.“ Das reicht wohl. Der junge Mann hakte aber nach, die Gebote habe er gehalten von Jugend an. Daraufhin sagte Jesus, „wenn Du vollkommen sein willst, verkaufe, was du hast, gib das Geld den Armen und folge mir nach.“ Der Mann ging traurig weg, er war wohl überfordert. Eigentlich hätte er nicht traurig werden müssen, die meisten wären froh gewesen! Er war ja schon ein Kandidat für den Himmel!
Es gibt aber Leute, die wollen mehr. Sie wollen mehr wissen, es zu mehr bringen und irgendwie mehr von allem haben. So auch in den Religionen. Manche wollen mehr von ihnen erfahren, manche wollen sie studieren, manche wollen ihre gute Nachricht mit einem stärkeren Antrieb zu den Leuten bringen, als andere ihn haben. Auch für solche Leute halten die Lehren ihre Räume frei. In allen Religionen gibt es neben den heiligen Schriften immer auch gelehrte Bücher von gelehrten Leuten, in denen, wer mehr erfahren möchte, seine Schätze heben kann.

Meine katholische Religion, hat in ihrer zweitausendjährigen Geschichte eine Menge gelehrter Leute zu bieten, die ganze Bibliotheken vollgeschrieben haben. Es sind allerdings so viele, dass man zur besseren Übersicht irgendwann Kategorien eingeführt hat. Es gibt eine Anzahl besonders lesenswerter Autoren aus der frühen Zeit, die „Kirchenväter“ genannt werden. Es gibt besonders hervorragende Schreiber aus allen Jahrhunderten, die unter dem Namen „Kirchenlehrer“ eigens hervorgehoben werden. Dann gibt es noch die Zusammenfassungen der päpstlichen Erlasse und sogenannten Dogmen. In ihnen steht, was die Nachfolger des heiligen Petrus gesagt, geschrieben und als verbindlich geäußert haben. Es gibt zum Beispiel auch die Bibliothek der Mystiker, die die Religion mehr von der Seite des Herzens, als vom logischen Verstand her erschlossen haben. Es gibt die Bibliothek der Heiligen, die eher mit ihrem Leben den Glauben bezeugt haben und vieles mehr.

Unter den Kirchenlehrern ragt nun einer besonders hervor, weil er von so ziemlich allen Päpsten und Kirchenversammlungen immer besonders behandelt und geachtet wurde. Die letzte große Kirchenversammlung aller Bischöfe hat im letzten Jahrhundert gleich mehrere Jahre getagt. In ihr wurde beraten, wie die Kirche in der modernen Welt wirken und von sich reden machen soll. Diese ganz besondere Versammlung hat ihn für alle Studenten zum verbindlichen Führer erklärt.

Dieser Gelehrte also war ein Mann namens Thomas. Er stammte aus dem gräflichen Geschlecht der Aquin in Mittelitalien. Thomas war Professor für Theologie an mehreren Universitäten. Er war Berater von Päpsten, Königen und Adeligen und gefragt in allen möglichen Angelegenheiten, bis hin zu Erbstreitigkeiten. Er lebte vor ungefähr achthundert Jahren und hat jede Menge Bücher für seine Studenten geschrieben. Seine Vorlesungen wurden notiert und in Bücher gepackt, damit sein Wissen nicht verloren ging und manche Werke, die er gar nicht selbst geschrieben hat, wurden mit seinem Namen geschmückt. Thomas ist bis heute bei seinen Lesern so beliebt, weil er es wie kaum ein anderer vermocht hat, gleich die gesamte Lehre der katholischen Geisteswelt in Worte zu fassen und zu erklären. Man muss allerdings immer ein bisschen aufpassen. Thomas gehört zu den Gelehrten, die viel zitiert und wenig wirklich gelesen werden. Nicht in allem, wo Thomas drauf steht, ist auch Thomas drin. Das ist bei allen großen Leuten so. Auch Albert Einstein hätte manchen Spruch, unter dem heute sein Name steht, selber eher wohl kaum gesagt.

Was mich angeht, ist es nun so: Ich gehöre zu der Sorte Schreiber, die wenig eigene Ideen haben, und deshalb besser die Einfälle von anderen beschreiben. Und da ich seit einem viertel Jahrhundert mit viel Liebe in den Büchern des heiligen Thomas lese, ist alles, was schwierig ist, nicht von mir, sondern eher von ihm. Das ist sicherer.

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2 Kommentare zu “Islam und Christentum, Teil 4

  1. Bei aller Liebe zum Hl. Thomas (und ich mag ihn, sic, wirklich ) – das großgeschriebene Personalpronomen ist ein Schreibfehler, oder?

  2. Habs doch glatt zweimal übersehen! Nein, nein, war ein Versehen. Es gibt genügend ander Wege, die Verehrung für den Heiligen zu dokumentieren, als große Buchstaben. Danke 😉

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