Der Neunzehnte

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Unser Adventskalender schreitet voran, und heute ist das neunzehnte Türchen an der Reihe. 
Was bietet sich da besser an, als den Meister der Scholastik einmal im Originalton sprechen zu lassen? Hier also ein paar kurze Gedanken des heiligen Thomas zur Menschwerdung aus seiner Erklärung des Glaubensbekenntnisses. 

„Ein Christ soll nicht nur an den Sohn Gottes glauben, wie dargelegt wurde, sondern auch an seine Menschwerdung.
(…)
Wir können aber hieraus manches zu unserer Belehrung entnehmen.
1. Unser Glaube wird gefestigt. Wenn nämlich jemand etwa über ein fernes Land erzählen würde und der Betreffende selbst wäre nicht dort gewesen, dann würde man ihm nicht so glauben, wie wenn er dort gewesen wäre. Bevor Christus in die Welt kam, haben zwar die Patriarchen, die Propheten und Johannes der Täufer bestimmte Aussagen über Gott gemacht; aber dennoch haben ihnen die Menschen nicht so geglaubt, wie sie Christus geglaubt haben, der mit Gott zusammen war, ja eins mit ihm. Deshalb ist unser Glaube, der uns von Christus selbst übergeben worden ist, sehr fest. Joh 1,18: „Niemand hat Gott je gesehen. Der einzige, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht, hat Kunde gebracht.“
Daher kommt es, dass uns viele Glaubensgeheimnisse nach der Ankunft Christi geoffenbart worden sind, die vorher verborgen waren.

2. Unsere Hoffnung wird gestärkt. Es steht nämlich fest, dass der Sohn Gottes nicht einer Nebensache wegen zu uns gekommen ist, als er unser Fleisch annahm, sondern zu unserem großen Nutzen. Daher ist er gewissermaßen einen Handel eingegangen, dass er nämlich einen beseelten Leib angenommen hat und sich herabließ, von einer Jungfrau geboren zu werden, um uns seine Göttlichkeit mitzuteilen. Und so ist er Mensch geworden, damit er den Menschen gleichsam zu Gott macht, Röm 5,2: „Durch ihn haben wir im Glauben auch den Zugang zu der Gnade erhalten, in der wir stehen und rühmen uns unserer Hoffnung auf die Herrlichkeit Gottes.“

3. Die Liebe wird entzündet. Kein Zeichen der göttlichen Liebe ist so einleuchtend, wie dieses, dass der Schöpfer des Alls ein Geschöpf, unser Herr unser Bruder, der Gottessohn ein Menschensohn geworden ist. Joh 3,16: Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab.“ Und deshalb müssen wir durch die Betrachtung der göttlichen Liebe unsere Liebe zu Gott entzünden und entflammen.
(…)
Unsere Sehnsucht, zu Christus zu gelangen, wird aus solcherlei Erkenntnissen heraus entflammt. Wenn jemand einen Bruder als König hätte und dieser weit weg von ihm wäre, dann hätte derjenige, dessen Bruder König wäre, große Sehnsucht, zu diesem zu kommen, bei ihm zu leben und zu bleiben. Da nun Christus unser Bruder ist, müssen wir uns danach sehnen, mit ihm zusammen und ihm verbunden zu sein. Mt 24,28: „Überall wo eine Beute ist, da sammeln sich die Adler“; und der Apostel Paulus hatte Sehnsucht zu sterben und bei Christus zu sein (Phil 1,21ff). Diese Sehnsucht wächst in uns, wenn wir die Menschwerdung betrachten.

Für Feinschmecker geht es hier zum Text im Original. 

Hier lang gehts zum ganzen Kalender.

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