Dumm und intelligent zugleich

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Über Engel, Dämonen und alles Mögliche und Unmögliche

Wir sollten noch einmal kurz über Vernunft und Unvernunft sprechen. Wir nennen zum Beispiel niemanden unvernünftig, der nicht eigentlich vernünftig sein könnte oder sollte. Wir würden ein Tier nicht unvernünftig nennen, das seinem Schlachter entgegen läuft. Manche Tiere sind so dumm. Wir nennen aber einen Schüler unvernünftig, wenn er nicht zur Schule geht und dadurch seinen so wichtigen Abschluss versäumt. Wir nennen ihn unvernünftig, weil er es eigentlich besser wissen müsste. Unvernünftig ist einer, der genügend Vernunft hat, die er aber nicht an den Tag legt. Hagelkörner sind nicht unvernünftig, wenn sie auf ein Autodach fallen. Aber wenn einer auf sein eigenes springt und es zerbeult, der hat den Verstand verloren. Verloren haben kann man nur, was man eigentlich haben sollte.

Wann immer der heilige Thomas über die Sünde spricht, dann meint er so etwas: Jemand ist unvernünftig, wo er seinem Können nach eigentlich leicht vernünftig sein könnte. Nebenbei gesagt habe ich in meinem Leben schon viel von Sünde und nicht Sünde gehört. Es hat aber noch nie jemand so von ihr gesprochen, wie Thomas. Er hört nicht auf zu betonen, die Sünde sei vor allem unvernünftig, und zwar im oben besprochenen Sinn: Man macht nicht, was man seinem Vermögen nach eigentlich leicht könnte und was viel klüger wäre. Man könnte durchaus sagen, die Sünde ist eigentlich immer eine ausgesprochen dumme Angelegenheit.

Nun heißt es bei Thomas über den Teufel, bei ihm sei es überhaupt nicht anders, als bei allen Geschöpfen, die etwas wollen können: Auch der Teufel liebt Gott über alle Maßen. Wir erinnern uns: Wer einen Menschen liebt, der liebt auch die Liebe als solche. Eigentlich lieben wir unsere Leute nur, weil wir überhaupt und insgesamt von vorn herein auf die Liebe aus sind und die Liebe immer schon lieben. Nur wer überhaupt gern läuft, der läuft gern einen bestimmten Berg herunter. Das bedeutet, hinter jeder konkreten Liebe steht ein allgemeines Lieben der Liebe. Wenn Gott die Liebe schlechthin und ihr Maßstab ist, was der Glaube behauptet, dann steht hinter jeder konkreten Liebe eine sozusagen Grundliebe zu Gott. Dazu muss man ihn nicht einmal kennen.

Das alles ist auch beim Teufel so. Auch er liebt seinen Schöpfer über alle Maßen und möchte vor allem immer eins: Mit ihm in der vollendeten Liebe zu Hause und geborgen sein. Das ist das eine. Auf der anderen Seite heißt es aus der selben Feder des selben Gelehrten, alles, absolut alles, was der Teufel tue, sei absolute Todsünde. Er ist vollendet böse, das heißt, er ist so böse, wie er überhaupt sein kann. Nichts Gutes ist in seinem Sinnen und Wirken. Das wiederum hängt mit dem Verlust der Güte zusammen, die der Schöpfer persönlich ist.
Was mir nun diese großen Schwierigkeiten macht, ist, die Dinge zusammen zu denken und unverletzt stehen zu lassen. Die absolute Liebe zu Gott und das absolute Gegenteil in allem, was er will und tut. Aber so steht es da. Thomas behauptet beides und ist nicht bereit, auch nur einen Handbreit Platz zu machen für Kompromisse, die das eine oder andere kleiner machen würden. Und wenn wir „das geht doch nicht!“ sagen wollen, antwortet er „doch, das geht“ in größter Gelassenheit.

Je länger ich über diese Dinge nachdenke, desto mehr wird mir klar, dass es keinen Sinn macht, einen Sinn zu suchen, wo man prinzipiell keinen finden kann. Wenn sich ein schon erkälteter Kerl beim Eisregen im dünnen Hemd vor die Tür stellt, dann mag er seine Gründe haben. Wenn er sie lange und plausibel genug darlegt, dann mag man einen Sinn darin sehen. Wenn es aber pure Dummheit ist, dann ist es pure Dummheit, und Dummheit hat keinen Sinn. Sie ist leider wirksam, sie hat aber keinen Sinn, und es macht auch keinen, einen in ihr zu suchen.

Nach allem, was der heilige Thomas sagt, hatte der Teufel es mit einer Sache zu tun, die uns allen bestens bekannt ist: Wer etwas will, der sollte die Bedingungen akzeptieren, unter denen man sie bekommen kann. Der Teufel will die Liebe Gottes. Er akzeptiert aber nicht, sie geschenkt zu bekommen. Weil er das verweigert, bekommt er sie nicht, und zwar überhaupt nicht. Das macht ihn so wütend und führt ihn dazu, alles verkehrt zu machen, was überhaupt verkehrt gemacht werden kann. Bei aller überragenden Intelligenz, die er hat, merkt er nicht einmal, dass er sündigt. Man kann sagen, der Neid macht ihn so blind, wie uns die Wut, wenn wir toben. Im Moment, wo wir es tun, merken wir nicht, auf welchem Holzweg wir uns befinden. Wir finden richtig, was wir machen, auch wenn es himmelschreiend falsch ist. Ein sicheres Zeichen, dass Intelligenz sehr dumm sein kann und der Teufel ist dumm, sehr dumm sogar.

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