Was Friede heißt

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Über Engel, Dämonen und alles Mögliche und Unmögliche

Gelehrt sein und erfahren sind zwei ganz verschiedene Dinge, wobei das gelehrt sein das Ärmere von beiden ist. Der Friede, über den ich in Sachen Erbsünde und Innenleben ein Wort verlieren möchte, ist ein gutes Beispiel. Ein Gelehrter wird auf unsere Frage, was Friede ist und was sein Gegenteil, kluge Antworten wissen. Er wird das berühmte Zitat hervorheben, nach dem Friede viel mehr ist als nur die Abwesenheit von Krieg. Er wird den heiligen Thomas zu zitieren wissen, der sagte, der Friede sei ein Zustand bei dem alle Sehnsucht ohne Störung zur Ruhe kommen könne. Der Gelehrte wird viel Bewunderung ernten, und das wird ihm gut tun.

Ein Erfahrener dagegen muss nicht unbedingt mit Wissen aus Büchern glänzen. Er weiß was Frieden und Unfrieden sind, weil er beides erlebt hat. Ein Gelehrter zitiert die großen Meister, die die wunderbare Luft in Italien schildern, ein Erfahrener war dort.

Zwei übliche Spiele in unserer Gesellschaft gehen so: Das eine fragt, was bist du und was hast du?, das andere, mit wem gibst du dich gern ab? In der ersten Frage glänzen wir gern als Gebildete und vor allem als Menschenkenner. Hat jemand ein Buch gelesen, sehnt er die Situationen herbei, in der er das sagen kann. Wer in den Bergen geklettert hat, dem reicht es nicht, dort gewesen zu sein. Das eigentliche Ziel ist es, davon zu erzählen. Deshalb sind das Fotoschießen wichtiger als das Erleben.

In der zweiten Frage geht es um den Umgang, den wir lieben und mit dem wir uns umgeben können. Auch da geht es um den Glanz, den wir verbreiten, nun aber nicht mit den Federn, die uns selber wuchsen, es reichen fremde. Berühmte Leute zu Freunden haben ist genau so befriedigend, wie gerühmt zu werden. Hier steht allerdings weder der Gebildete, noch der Gelehrte auf Platz eins, sondern der, der beides hat, der gebildete Gelehrte. Eine Reise machen und dann ein Buch drüber schreiben ist die Kombination, die am meisten verspricht.

Der heilige Thomas kann es im Ranking der Gesellschaft nicht weit bringen. Er war wohl gelehrt, nicht aber erfahren. Er hat die dicksten Bücher über alle Belange der menschlichen Befindlichkeit gelesen, gelebt hat er in einer Klosterzelle. Er hat im Geist die höchsten Höhen und tiefsten Täler der Sünde und der Heiligkeit durchschritten. Im Leben reichte ihm der Kreuzgang seiner klösterlichen Einsamkeit. Man rief ihn als Schlichter in Erbangelegenheiten und machte ihn zum Berater an den großen Höfen. Aber wenn man ihn hätte gehen lassen, er hätte wieder das nächst beste Kloster angesteuert, weil man dort am ungestörtesten Denken konnte. Für einen so gestrickten Menschen ist das Kloster ein Ort des Friedens, weil dort ungestört die Sehnsucht nachzudenken und zu spekulieren ihre Ruhe finden kann.

Wir sind bei der Erbsünde, und je länger ich in letzter Zeit wieder über sie nachdenke, desto klarer wird mir, dass sie vor allem auch mit dem Frieden zu tun hat, und zwar mit dem Frieden, von dem der Christus spricht. Er sagt gegen Ende seines Lebens auf Erden etwas sehr geheimnisvolles. Er sagt: „Friede sei mit euch“, und „meinen Frieden gebe ich euch.“ Verwunderlich an dem Satz ist die Situation. Er spricht vom Frieden, den er seinen Jüngern mit gibt und schickt sie in eine friedlose Welt. Er gibt ihnen seinen Frieden mit und sie werden, wie er, allesamt grausam umgebracht; ausgenommen der Jüngling Johannes. Der hatte die Grausamkeit des Sterbens tags drauf vorweggenommen, als er sich das seines Meisters mit anschauen musste.

Jesus spricht vom Frieden geben und muss etwas meinen, das selbst von der Grausamkeit der Welt nicht verletzt werden kann. Ich würde meinen, es gibt gute Gründe anzunehmen, dieser Friede hat vor allem mit der Erbsünde zu tun. Er ist nämlich das Ergebnis ihrer Beseitigung, und hinweg geräumt hat Christus sie höchstpersönlich. Deshalb kann er auch nur er so sprechen, und wer so spricht, der kann es ohne Anmaßung nur in seinem Namen tun. Diesen Frieden verteilen kann nur, wer Herr über ihn ist, und da kann es nur einen geben. Dieser, das sei noch schnell gesagt, ist schon immer der Herr alle Bildung, und zu dem wurde er in der Menschwerdung auch noch der, er alles am eigenen Leib erfahren hat. Aber Schritt für Schritt.

Sth I-II, 70, 3, co: Haec autem (…) importat pax, scilicet ut neque ab exterioribus perturbemur et ut desideria nostra conquiescant in uno.

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2 Kommentare zu “Was Friede heißt

  1. Lieber Roger, wo kommt denn das Tun der Dämonen vor?
    Oder die Bestätigung der katholischen Lehre durch die Dämonen im Rahmen einer oder mehrerer Exorzismen? Wir sprachen ja vor einiger Zeit darüber.

  2. Hi Stefan, ich bitte um noch etwas Geduld. Das Thema steht auf dem Plan meines Vorhabens. Gegen Ende der Reihe wird es um das dunklere Kapitel der Angelegenheit gehen, auch um die Möglichkeiten, sich raus zu halten und zu schützen. Läuft

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