Größe und Weite

Heute wieder zwei Texte

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Über Engel, Dämonen und alles Mögliche und Unmögliche

Wenn Friede bedeutet, in einem Zustand könne alle Sehnsucht zur Ruhe kommen, dann kann es nur der Himmel sein. Allein schon, weil die Sehnsucht der Liebe Sachen wünscht, die auf Erden schlicht unerfüllbar bleiben müssen. Das bunte Lied der Liebe in ihren schönsten Stunden, es möge nie aufhören, so schön zu sein, weicht dem Grau der Realität: Das Altern und spätestens der Tod wird dem ein Ende bereiten. In „alle Sehnsucht“ muss auch das Verlangen nach Unvergänglichkeit mit eingeschlossen sein, und die gibt es entweder nie oder im Himmel.

Wer Frieden in der Welt ausruft, der muss also bescheidener bleiben. Christus rief den Frieden aus. Dieser Friede sollte der Generalfriede der Welt sein, und zugleich die Wurzel genau jenes Friedens, nach dem alle Welt sich sehnt und den alle Welt nicht geben kann.

Vielleicht erinnerst Du Dich? Ich habe ziemlich am Anfang unserer Überlegungen einmal gesagt, wer jemanden liebt, der liebe auch die Liebe selbst. Für Thomas ist jede Liebe ein Zeichen dafür, dass der Mensch als solcher sich nach der Liebe als solcher ausstreckt. Hinter jeder kleinen Liebe steht, unbewusst, aber klar, eine grundsätzliche Offenheit für alles Liebe. Dadurch, dass ein Mensch jemanden liebt, zeigt er, dass er grundsätzlich auf die Liebe aus ist. Wenn nun, was Thomas annimmt, hinter jeder Liebe der Liebenswürdige schlechthin steht, in dem jede Liebe irgendwie geborgen und enthalten ist, dann ist dieser Liebenswürdige schlechthin das Ziel aller Liebe, besonders wenn diese darin nicht vergehen braucht. Je größer die Liebe ist, desto weniger braucht sie eifersüchtig zu sein. Die Liebe guter Eltern wird nicht verletzt, wenn das Töchterlein sich in ihren Bräutigam verliebt hat. Gottes Liebe ist nicht gekränkt, wenn wir unsere Heiligen lieben und verehren.  Jesu Liebe ist nicht verwundbar, wenn wir uns mit seiner Mutter abgeben, im Gegenteil.

Hinter jeder Liebe steht, so der Glaube, der Liebende schlechthin, der sich schlechthin an jeder Liebe erfreut. Und der Liebende schlechthin ist der Zielpunkt allen Liebens.

Erbsünde hieß nun, genau mit diesem Zielpunkt eine unaufhebbare Schwierigkeit zu haben. Die Liebe findet irgendwie nie nach Hause. Dieses Zuhause hat nun die Welt betreten und beschlossen, in die Herzen einzuziehen, um für Frieden zu sorgen. Es ist der Friede mit Gott im Innenleben des konkreten Menschen, den Christus meinte, als er seinen Frieden versprach. Dieser Friede ist das Ergebnis der gesamten Unternehmung Gottes in der Welt, die im Kreuz und in der Auferstehung des Sohnes ihren geheimnisvollen Höhepunkt gefunden hatte. Christus hat sich die Schwierigkeiten der Menschen zum Problem gemacht und gelöst.

Es ist immer der persönliche Friede der bedeutendste. Jeder Liebende sagt, man könne das Haus unter ihm verbrennen, den Wagen stehlen und den Garten pflügen, wenn er nur seine Familie gesund bei sich behielte. Was nützt einem das Geld der Welt, wenn man keine Freunde hat, mit denen man es auf den Kopf hauen kann? Der wichtigste Friede, und der, der allem vorgezogen wird, ist immer der mit der Menschenwelt. Weil aber immer noch gilt, was Thomas erkannte, dass auch hinter dem der Große Friede steht, deshalb ist der Trick mit der Menschwerdung so vollkommen. Der Große führt die Welten zusammen und lässt die kleine in seiner aufgehen, ohne sie zu verletzen. Als Mensch versöhnte er sich mit den Menschen.

Das tut seiner unanfechtbaren Größe übrigens keinen Abbruch. Gott wird nicht kleiner, wenn er sich in den Leib eines kleinen Kindes begibt. Wie soll der Grenzenlose plötzlich eine Grenze bekommen? Gott wurde ja auch nicht weniger erhaben, als er begann, sich mit den Menschen zu beschäftigen, etwa, in dem er ihnen Gebote und Bücher gab. Ein Großer wird nicht klein, wenn er sich auf seine Knie begibt, um mit einem Kind zu spielen.

Ich weiß, es gibt große Sorgen gläubiger Leute, die der Gedanke von der Menschwerdung Gottes erschreckt und empört. Sie fürchten, die Ehre und Erhabenheit Gottes werde geschmälert, wenn behauptet wird, er habe sich als Mensch unter die Menschen begeben.  Das Problem hört aber auf ein Problem zu sein, wenn man einmal etwas anders denkt. Früher dachten die Leute, die Erhabenheit eines Königs müsse sich darin zeigen, dass er weit über dem Volke lebt und nicht in den Gassen der gewöhnlichen Menschen zu sehen ist. Erhabenheit bedeutete eine gewisse Ferne. Sobald man aber die Größe des Königs als Weite des Herzens denkt, ändert sich das. Plötzlich ist der König noch viel größer, gerade weil er sich auch mal um die Kleinen kümmert. Wirklich groß ist der König, wenn er sein Schloss nicht verliert, seine Erhabenheit nicht ablegt und doch bisweilen verkleidet durch die Straßen geht, um zu helfen und Mitleid zu haben. Wahre Größe heißt alles können. Wer sagt, Gott könne kein Mensch sein, er könne wegen seiner Übergröße das Kleine nicht erledigt haben, der macht aus seiner Erhabenheit vielleicht sogar etwas Geringes.

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