Die besondere Freiheit der Engel

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Über Engel, Dämonen und alles Mögliche und Unmögliche

Wir sind beim Innenleben der Lebewesen. Man wird sagen können, jedes Leben hat das seine. Leben heißt lebendig sein und leben heißt ein Innenleben haben. Ein Baum, der im Winter schläft und im Frühjahr Blätter treibt, der wächst aus seinem ganz eigenen Innersten heraus. Das Innenleben eines Baumes nimmt sich gegen das eines Buckelwals wohl etwas bescheiden aus, und ein Mensch ist noch reicher ausgestattet. Ein Baum braucht nur für das Wachstum zu sorgen, das ist nicht so viel. Er kann und braucht nicht laufen, er muss deshalb nicht aufpassen können, dass er nicht stolpert. Ein Baum muss sich keine Verhaltensmuster in der Natur merken, er braucht und hat deshalb wohl auch kein Erinnerungsvermögen. Die Tiere sind mit ihrem Innenleben schon reicher ausgestattet. Sie wachsen, wie Bäume es tun, sie rennen durch die Natur und wissen, was ihnen schmeckt und gut tut. Tiere haben Instinkte, und jedes hat seinen eigenen Apparat dazu.
Menschen haben noch ein sehr bedeutendes Stück mehr in ihrer Ausstattung, sie haben eine Anlage zur Vernunft, sie können über sich selber nachdenken. Sie können sich in ihrer Umwelt nicht nur wahrnehmen. Sie können sich auch Gedanken dazu machen. Menschen sind Personen, und die zeichnen sich dadurch aus, dass sie ein bewusstes Verhältnis zu sich selber haben können.

Hier hat unser Lehrer Thomas eine interessante Idee. Er sagt etwas geheimnisvoll, ein Lebewesen stehe je höher in der Ordnung, je innerlicher ihm sei, was bei ihm sozusagen herauskommt. Er sagt, in Sachen Vernunft gebe es zum Beispiel zweierlei, den Verstand des Engels und den des Menschen. Der Mensch habe zwar auch einen freien Verstand, der über alles Mögliche nachdenken könne. Er sei aber, damit er überhaupt loslegen könne, auf Informationen von außen angewiesen. Er braucht sozusagen einen Input von außen. Ein  Baby braucht einen lebendigen Kontakt mit der Mutter, damit überhaupt eine Beziehung zu ihr beginnen kann. Dieser Kontakt muss von außen her, bei der Mutter seinen Anfang nehmen.
Unsere Augen, die Ohren, das Riechen und Betasten sind in gewisser Weise die Ein- und Ausgangstore für all unser Begreifen und alles Verstehen geht über Beziehungen, über unser Sein in unserer Welt. Wir brauchen Kontakt mit ihr. Deshalb könnte ein ganz und gar einsames, menschliches Leben ohne Umwelt gar nicht beginnen, und menschliche Personen können schon deshalb nicht ganz allein gedacht werden. Sie könnten ihr Personsein gar nicht starten, und verkümmern würden sie auch.

Es gibt doch diese berühmte Geschichte mit dem traurigen Geschick jener Babys, die der Stauffer Friedrich mit ihnen angestellt hatte. Er wollte heraus finden, ob der Mensch eine Ursprache habe und hat einer Anzahl Ammen und Müttern das Sprechen mit den Kindern verboten. Wie es heißt, sind alle Kinder an diesem Mangel gestorben. Die Menschen leben nunmal in ihrer Welt und sie brauchen den lebendigen Kontakt mit ihr.

Bei den Engeln ist das anders, sagt der Meister. Engel haben ihre Welt in sich, sie kommen ohne Körper aus und haben schon immer alles in ihrem Inneren. Die Engel, sagt Thomas kennen sich aus sich selbst heraus. Sie bekommen zwar auch Inputs. Die kommen aber sozusagen anders von außen, als bei uns. Vielleicht können wir uns diese Inputs eher wie Lichter vorstellen, die gleich in ihrem Inneren schon brennen oder angezündet werden. Diese Lichter kommen von Gott oder von anderen Engeln. Auch dieser Kontakt ist höchst lebendig und erfreulich. Sie reichen ebenso wie die unsrigen Kontakte uns genügen. Ihre Quelle und Weise, wie sie ankommen aber ist grundverschieden. Thomas sagt nun, die Engel stehen im Rang der Geschöpfe deshalb über dem Menschen, weil das alles, was bei ihnen herauskommt, weit innerlicher ist. Man kann auch sagen, sie sind freier, was die notwendigen Bindungen angeht.

ScG 4, 11, 5: Perfectior igitur est intellectualis vita in Angelis, in quibus intellectus ad sui cognitionem non procedit ex aliquo exteriori, sed per se cognoscit seipsum.

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