Innere Umwelt

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Über Engel, Dämonen und alles Mögliche und Unmögliche.

Mein Satz, der Engel habe keine Welt, stimmt nur halb. Er hat nämlich eine, und zwar seine eigentliche, innerliche. Als Wesen ohne Körper kann er unsre konkrete Welt nicht die seine nennen. Er mag in ihr umherfliegen, er mag sie sehen. Wenn Gott es ihm erlaubt oder wünscht, dann mag er auch hier und da etwas bewirken. Der Engel gehört aber nicht zur Erde, weil sie nicht seine Umwelt ist.
Wir haben unsere Welt und sprechen von ihr. Wenn wir den Planeten ausrauben und einigermaßen verpesten, dann kommt Furcht auf. Es könnte sein, dass wir eines Tage zurück bekommen, was wir der Schöpfung angetan haben. Diese Furcht hat mit der Tatsache zu tun, in die Welt eingebunden zu sein. Wir brauchen Luft zum Atmen, deshalb spricht sich herum, wir sollten wir dafür sorgen, dass sie einigermaßen sauber bleibt. Wir brauchen die Nahrung, die die Erde hergibt und das Wasser, was auf ihr fließt. Auch da finden sich jede Menge Gründe, es so gut es geht zu verteilen, zu erhalten und zu schützen. Unsere Umwelt ist unsere Umwelt. Wir können sie nicht verlassen, und das steckt tief in unserem Bewusstsein.

Übrigens: Im Mittelalter dachten die Leute, die Gebildeten ebenso wie die auf dem Markt und in den Dörfern, die Naturgesetze der Welt würden nur für die Zone zwischen Himmel und Erde gelten. In der Welt der Sterne, die man des Nachts von fern beobachten konnte, dachte man, würden ganz andere Gesetze gelten. Die Sterne wurden Himmelskörper genannt und alle Welt glaubte, sie seien irgendwie unveränderlich, aus ganz anderen Materialien und auf jeden Fall nicht wie wir.
Es brauchte erst Leute wie Isaak Newton zum Beispiel und das Aufkommen der neueren Physik vor vierhundert Jahren, um dem Sternenhimmel seinen fremden Zauber zu nehmen. Heute weiß jeder, die Schwerkraft hält nicht nur die Erde, sondern das ganze Universum zusammen. Die Sterne am Nachthimmel sind aus dem gleichen Zeugs, wie wir, und sollte es irgendwo außerirdische Wesen geben, dann müssen die eine Menge mit uns gemeinsam haben.
Früher mochte man gedacht haben, die schwarze Welt außerhalb des blauen Himmels sei irgendwie die Welt der Engel. Heute wissen wir, auch das gesamte Universum kann für sie keine Heimat sein. Der Engel hat keine Umwelt, auch nicht da draußen im All.

Aber dass der Engel deswegen keine Welt haben kann, das kann auf der anderen Seite nicht stimmen. Er hat nämlich mindestens eine, und das ist seine eigene Innerlichkeit. Engel können denken und empfinden, und wer solches kann, der hat eine Beziehung zu sich selbst, wenn man so möchte, eine innere Umwelt.
Wir betreten hier ein weites Feld mit tiefen, unerklärlichen Geheimnissen. Es gibt einen berühmten Aufsatz aus der Feder des Philosophen Thomas Nagel. Ich hatte ihn im Studium zu lesen und finde ihn bis heute sehr originell. Für uns hier reicht die Überschrift. Sie lautet: „Wie es ist, eine Fledermaus zu sein.“ Nagel hatte unter den Gelehrten für ziemliches Aufsehen, und wie es sich für gute Philosophen gehört, für mehr Fragen als Antworten gesorgt. In mir stieß er nur meine alte Kinderfrage an: „Wie ist es für ein Pferd zu frieren?“ Wir wissen es nicht und werden es niemals erfahren. Wir wissen nur, wenn Pferde frieren, dann haben sie etwas ähnliches wie wir, wenn uns kalt ist. Pferde haben ihr ganz eigenes Innenleben, jedes für sich, und niemand kann sagen, woher es kommt, wie es entsteht, und was damit passiert, wenn es aufhört. Das gleiche gilt für Hunde, für Katzen, und auch für Nagels Fledermäuse. Niemand weiß, wie es ist eine Fledermaus zu sein. Es ist aber irgendwie, auch Fledermäuse fühlen sich, und ist es nur wohl oder unwohl. Kein Mann der Welt kennt die Gefühle einer Schwangerschaft und keine Frau, die nie ein Kind bekam. 
Tiere, die nur fühlen können, haben auf jeden Fall ein Innenleben, aber Wesen, die zu denken verstehen, die haben eine innere Umwelt, in der sie sich finden. Wer sich kennt, der hat etwas in sich, was sieht und etwas, was gesehen wird. Das haben die Engel auch, und mindestens das ist ihre Welt.

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