Der Mensch in seiner Welt

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Über Engel, Dämonen und alles Mögliche und Unmögliche.

Wenn wir vom Zustand des Menschen sprechen, dann sagen wir öfter, er leide an etwas, wie wenn er etwas besitzt. In Wirklichkeit ist es aber umgekehrt, ihm fehlt etwas, was er eigentlich bräuchte. Wenn einer an einer Immunschwäche leidet, dann hat er diese Krankheit zwar. Die besteht aber in der Tatsache, dass etwas nicht da ist, was ihn normalerweise schützen sollte. Fehlt einem Menschen sein Partner, dann hat er das als Problem zwar. In Wirklichkeit hat er aber etwas nicht, was er bräuchte. Armut haben bedeutet, dass Mittel fehlen. Mit dem, was wir Sünde nennen, ist es ganz ähnlich, und das macht sie so geheimnisvoll und undurchschaubar.

Da ist jemand, der über Monate mit schlechter Laune seine Umwelt nervt. Immer hat er was zu meckern, kein Witz ist mehr lustig, die Farben sind nicht mehr bunt genug und sogar die liebsten Leute gehen ihm auf den Wecker. Alle Welt weiß, schlechte Launen sind, was der Name sagt, sie sind schlecht. Schlechte Launen machen uns zu schlechten Leuten. So auch unseren Zeitgenosse. Eigentlich hätte er einen um die Ohren verdient. Seine Leute wissen aber, er ist einigermaßen entschuldigt, weil er so unter dem Verlust seiner Familie leidet. Natürlich dürfte er nicht so nerven. Wenn er den Verlust nicht hätte, würde man ihm seine Eskapaden nicht durchgehen lassen. Seine Gründe aber fallen ins Gewicht der Beurteilung und machen seine Schuld leichter. Wenn wir jetzt noch wüssten, warum ihm seine Leute fehlen, dann würde die Beurteilung seiner Lage klarer und das Urteil noch genauer. Vielleicht war es der Krieg, oder eine Verschuldung irgendwo, vielleicht eine dumme Entscheidung; die Gründe verlaufen sich im Wurzelwerk der Geschichte. Erbsünde heißt, die Welt erleidet einen Zustand von Zusammenhängen, die sie launig macht, und wir sind schon immer darin eingewoben.

Jesus sagt mit großer Deutlichkeit, uns stehe über die Fehler unserer Nächsten kein Urteil zu. Mit größter Strenge verbietet er, dass wir einander als Richter auftreten: Wer meint, seine Mitmenschen verurteilen zu müssen, der muss damit rechnen, verurteilt zu werden! Der Meister kennt da kein Pardon.
Je länger ich über dieses Verbot nachdenke, desto klarer will mir werden, dass hier etwas verboten wird, was wir niemals könnten. Es ist wie mit dem Verbot der alten Zeit, sich ein Bild von Gott zu machen. Wir dürfen hier nicht, was wir nie konnten, und weil wir es keiner kann. Wie will man den Grenzenlosen malen, wo er doch keine Umrisse hat? Jedes gemalte Bild von Gott kann nur ganz und gar ein falsches Bild sein. Gott höchstpersönlich hat das Bilderverbot aufgehoben, als er uns in seinem Sohn und in seinem Geist sein Antlitz zeigte. Mehr gibt es bis zur großen Auflösung nicht zu sehen.
Auch jede Beurteilung des menschlichen Herzens seitens der Menschen kann nur daneben gehen. Wir können das Wesen der berühmten Mücke nicht beurteilen. Wir müssen dazu nämlich die Gedanken dessen kennen, der sie schuf. Das ist der Grund, der uns hindert, den Zustand der Welt zu beschreiben: Wir müssten den Überblick über alles auf einmal haben, und den hat nur einer. Wir wissen wohl, dass etwas ganz gewaltig fehlt, und dass die Welt in Geburtswehen liegt und leidet, wie der Apostel schreibt.

Dass die Welt unter ihrem Zustand stöhnt und leidet, das kann jeder sehen. Ein Ziegel fällt vom Gerüst und verletzt uns am Kopf. Niemand kann etwas dazu. Die Frage ist nun aber doch: War da jemand auf dem Gerüst, um dafür zu sorgen, dass der Stein genau richtig fällt? Steht hinter dem Unglück eine böse Entscheidung? Keiner wird die Erdplatten vor Gericht ziehen wollen, weil sie sich gegeneinander verschieben und Erdbeben auslösen. Es gibt aber Zusammenhänge, hinter denen Entscheidungen stehen, weil es Wesen gibt, die Entscheidungen treffen können. Das Dogma von der Erbschuld meint nun, dass unser geistiges Immunsystem einen Hieb abbekommen hat. Was uns da fehlt, sitzt wie eine Laus im Fell und reizt uns in die Launen. Der allein die Zusammenhänge kennt, hat uns ausrichten lassen, dass da irgendwo ganz am Anfang eine freie Entscheidung stand: Zuerst die eines Engels, dann die eines Menschen. Die Entscheidung eines Engels kann keine Welt durcheinander bringen, die Engel haben keine Welt. Menschliche Entscheidungen dagegen verbreiten sich, sie wirken sich aus, gut wie schlecht. Deshalb wählte der Schöpfer den Weg der Heilung des Ganzen wieder über die Entscheidung; über seine und die eines Menschen. Die Engel konnten dieses Mal nur zusehen.

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