Gott existiert nicht

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Über den Schöpfer und alles, was er nicht ist.
Briefe an eine Studentin, Teil 2

Gestatte mir, mit dem Schwierigsten zu beginnen: Mit der Eingrenzung von etwas, was sich nicht eingrenzen lässt. Weißt Du, was immer Streit gibt? Wenn Glaube und Unglaube das Diskutieren anfangen. Ich habe nun schon eine Menge Jahre an Gesprächen durch, hier aber gibt es immer nervöse Reaktionen. Man kann mit meinen muslimischen Freunden zum Beispiel alles mögliche anstellen, aber wenn der Unglaube mit der Ansicht auf sie zukommt, ihre komplette Religio sei Einbildung und so unwirklich wie der Weihnachtsmann, dann gehen sie innerlich an die Decke. Umgekehrt gibt es eine Form von Ungläubigkeit, die der Glaube der anderen nicht weniger nervös macht. Irgendwie kann der Mensch nicht gut schlafen, wenn der Nachbar sich einen Bart stehen lässt.

Was also dieser Art Diskussionen angeht, habe ich irgendwann beschlossen, wohl zuzuhören, aber nicht mehr mit zu debattieren. Mir tut auf Seiten der Gläubigen dann allerdings oft leid, dass ihnen ein Argument nicht einfällt, was sie dringend bräuchten. Nämlich, dass es zur Definition Gottes gehört, dass man ihn nicht definieren kann. Das müssten sie jedesmal länger erklären, und dazu ist fast nie die Zeit. Lass es uns versuchen.

Die Diskussionen gehen häufig so: Der Gläubige fragt, wenn es keinen Schöpfer gibt, woher soll dann die Schöpfung sein? Irgendwo raus muss doch alles sein. Wenn dann der Unglaube „und woher kommt Gott dann?“ fragt, ist oft das peinliche Ende der Fahnenstange erreicht und es fehlt genau hier das Argument, das man erklären müsste und auch kann, wie ich meine. Die These lautet:

Gott gibt es,
er existiert aber nicht. 

Da ist ein kleines Volk im Wald, das über viele Generationen Angst vor Drachen hat, aber so lange man sich erinnern kann, hat nie jemand einen gesehen. Die Furcht ist da, aber irgendwie beruhigt. Plötzlich kommt ein Späher aus dem Dickicht und behauptet, einem Drachen begegnet zu sein. Alles ist beunruhigt, bis er das Tier beschreibt: Es sei ganz klein gewesen, habe lieb drein geschaut und von Feuer keine Spur. Was werden die Dorfbewohner sagen? Der Kundschafter habe keinen Drachen gesehen, sondern sei einem Meerschweinchen begegnet. Drachen sind groß und Furcht einflößend. Sie haben gepanzerte Haut, können fliegen und Ihr Atem ist feurig. Wenn von Drachen überhaupt die Rede sein soll, dann muss das alles mit gemeint sein.

So ist es mit dem Schöpfer. Wenn überhaupt von ihm geredet werden soll, dann muss auch von Leuten, die nicht an ihn glauben, vor allem mit gemeint und klar sein, dass er nicht existiert. Ansonsten reden wir von einem Geschöpf, nicht aber vom Schöpfer.

Wenn nun einer sagt, es könne nichts geben, was nicht existiert, dann hat er uns entweder noch nicht verstanden, oder er ist ein Atheist. Ich mache mich jetzt an die Arbeit, das alles ein wenig zu erklären, möchte mein Projekt über die Engel aber nicht aus dem Auge verlieren. Das soll, was den Text angeht, bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.

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7 Kommentare zu “Gott existiert nicht

  1. Ähm respektvoll gesagt, und auch wenn Du Dich fein absicherst und sagst:

    >>Wenn nun einer sagt, es könne nichts geben, was nicht existiert, dann hat er uns entweder noch nicht verstanden, oder er ist ein Atheist.

    was auch immer ursprünglich mal gemeint gewesen ist, die Ausdrücke „Xy existiert“ und „es gibt xy“ (und, philosophischer angehaucht, „xy ist“) sind im heutigen Deutsch Synonyme. Auch der hl. Thomas gebraucht „an sit deus“ und „[cognitio] existendi Deum“ offensichtlich synonym (Sth. I 2).

    Wie definierst Du „existieren“? Damit man weiß, was Du meinst, Gott existiere nicht. Dem allgemeinen Sprachgebrauch folgend jedenfalls hast Du unrecht.

    Übrigens kann man Gott zwar nicht im *ganz* ursprünglichen Wortsinn definieren (eingrenzen), wohl aber kann man über Ihn wahre Aussagen (deren Gegenteil falsch ist) machen und man kann auch im ganz formellen Sinn einer Definition klarstellen, was man unter dem Begriff „Gott“ verstehen will (was ja unter anderem einer der Zwecke der fünf Gottesbeweise ist).

    Natürlich „verbirgt“ die Definition dann viel Herrliches, das man nicht sieht, wenn man einfach so die Definition liest.

    Also: Natürlich existiert Gott.

    (Mit Verlaub, bislang hielt ich Sprüche wie „ein Gott, der existiert, wäre nicht Gott“ u. dgl. mehr immer für schlecht ausgeführte Versuche von Leuten, die sich nicht Kant zu widersprechen trauen und sich daher dessen Meinung zu den Gottesbeweisen schönreden wollen, oder aber bedenklich nahe an Pascendi Nr. 7 herankommen.)

    • Dazu noch die Ergänzung:

      „A bissal a Überraschung muß schon auch sein.“ (Hl. Petrus bei Kurt Wilhelm, „Die Geschichte vom Brandner Kaspar“)

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