Ein neues Vorhaben

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Über den Schöpfer und alles, was er nicht ist.
Briefe an eine Studentin, Teil 1

Es ist schon eine Ehre, dass Du wegen Deines Studium auf mich zugekommen bist. Aber Dein „du hast doch Ahnung davon“ lässt mich dennoch etwas schüchtern einen kleinen Schritt zurück treten. Ein Fach studiert zu haben heißt noch lange nicht das von ihm zu haben, was alle Ahnung nennen. Wenn Dir reicht, etwas mehr als keine zu haben, dann soll es mir Recht sein.
Am Beginn Deines Studiums musst Du Dich darauf einstellen, dass die Lehrer mit fremden Begriffen um sich werfen, wie Karnevalsprinzen mit Caramellbonbons. An der Universität können die Gelehrten verlangen, dass sich die Studenten auf den Weg machen und nachschauen, wovon die Rede ist. Wir sollten es anders machen und die Begriffe klären, wenn wir sie einführen.
Eine Einschränkung möchte ich machen. Du solltest für unser Unternehmen eine gewisse Freude an ungewöhnlichen Gedanken haben und eine Lust am Detektivspiel mitbringen. Philosophie betreiben, wie wir es hier tun, heißt versuchen, den Dingen auf den Grund und dem Schöpfer auf die Schliche zu kommen.

Fangen wir oben an. Unsere vorläufige Überschrift könnte etwas großspurig klingen. Eine Ankündigung, „über alles“ zu schreiben verspricht entweder etwas Unmögliches oder es muss irgendwie ungewohnt gemeint sein. Kein Pferdekenner kann über alle Pferde schreiben. Selbst wenn er sich eine halbe Ewigkeit Zeit nähme und über alle schriebe, die über die Erde laufen, es könnte am Ende immer noch eins um die Ecke biegen, das er nicht auf dem Zettel hatte. Niemand kann über alle Pferde schreiben und alle einzeln meinen. Es ist bestenfalls möglich, wenn allen Pferden etwas gemeinsam ist. Alle Pferde haben Pferdeohren. Wer über Pferdeohren schreibt, der schreibt mit einem Buch über alle Pferde zugleich.
So etwa ist es mit unserer Annahme, die Welt sei eine Schöpfung. Wenn die Welt eine Schöpfung ist, dann wird sie einen Schöpfer haben. Ist die Welt eine Schöpfung, dann alles in ihr. Wäre die Welt ein Spielfilm, dann wäre auch der Baum hinter dem Haus des Helden im Film ein Stück vom Film. Alle Gegenstände, alle Akteure, alle Diebe, Polizisten und Gegenstände im Film hätten bei aller Verschiedenheit eins gemeinsam, dass sie zum selben Film gehören.
So ist es mit der Schöpfung gemeint: Ist die Welt eine Schöpfung, dann gehört alles in der Welt dazu. Dann können sowohl der König, als auch der Bettelmann von einander sagen sie seien „auch nur“ Schöpfung. Das bedeutet, es gibt nur zwei: Den Schöpfer und die Schöpfung. Dazwischen ist nichts und es gibt kein drittes.

Mein atheistischer Freund dagegen meinte immer, das sei alles Humbug. Es gebe nicht zwei, sondern nur eins: Nur die Welt. „Alles, was es gibt, gehört zur Welt und die Welt sei alles, was es gibt“, pflegte er zu sagen. Das mit dem Schöpfer sei eine Erfindung der Gelehrten. Wir haben uns so lange darüber unterhalten, bis jeder die Meinung des anderen kannte. Dann haben wir uns anderen Themen gewidmet. Überzeugen konnten wir einander nicht. Ich glaube auch nicht an solcher Art Überzeugungen. Man kann sehr wohl von etwas überzeugt sein, man kann auch von etwas überzeugt werden. Niemand aber wird durch Überreden überzeugt. Unser all zu gewohntes „Sieh es doch endlich ein!“, führt nie zu wirklichen Einsichten. Wirkliche Einsichten haben immer eine gute Portion innere Freiwilligkeit an sich, eine gewisse Lust etwas zu glauben. Die kann man nicht herbei zwingen.

Deshalb kann es zum Beispiel auch keine wirklichen Zwangstaufen geben. Man kann einen Menschen wohl äußerlich zwingen, eine Taufe durchzuführen. Man kann einen Menschen auch äußerlich zwingen, sich den Ritus der Taufe gefallen zu lassen. Wenn es Taufe aber überhaupt gibt, dann ist immer Gott höchstpersönlich der, der tauft. Der Mensch erledigt nur das Äußere. Nur Gott kann aus einem Kind Adams ein Kind Gottes machen. Gott tauft allerdings nicht, wenn der Täufling nicht wirklich möchte. Eine Taufe im Zwang bleibt eine äußere Hülle und nie eine wirkliche Taufe.

So ist es mit dem, was wir hier angehen wollen. Wir können darlegen, was wir glauben und zeigen, dass es nicht unvernünftig ist. Wir können auch hoffen, dass es zu einer Grundlage für eine Überzeugung wird. Herbei reden können wir nichts. Mein Freund und ich blieben aufrichtig freundschaftlich verbunden, Glaubensbrüder wurden wir nie.

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