Die Herrlichkeit und die Versuchung, sie zu vergessen

bildschirmfoto-2015-03-29-um-12-44-14

Achtung, läuft gerade. Heute drei Texte.

Über Engel, Dämonen und alles Mögliche und Unmögliche.

Jetzt können wir das mit dem Verlust des Gefühls für die Herrlichkeit in unseren Kirchen auch noch einmal neu betrachten. Wenn wir Gott sagen, dann meinen wir die Ewigkeit. Das reine Wort „Ewigkeit“ ist allerdings nur eine Bezeichnung für, sagen wir, zeitlos, grenzenlos und solche Sachen. Wenn wir vom „Lieben, ewigen Gott“ sprechen, dann füllen wir das. Der grenzenlose Gott bekommt in unserem Denken und Wissen einen Geschmack und eine Richtung.

Er ist lieb, damit ist er anders lieb, als wir es gewohnt sind. Wenn auf Erden jemand lieb ist, dann ist nie nur das. Wir sagen, der Mensch hat Gutes und Böses in sich, was zweifelsohne stimmt. Wenn wir von Gott die Auskunft empfangen haben, dass er Liebe ist, dann ist er ewig lieb, verlässlich, und ganz und gar und durch und durch.
Das mit Gott als Liebe hat sich erst in Christus endgültig manifestiert und erst bei ihm noch mal seine letzte Versicherung gefunden. Im Volk der Juden war die Liebe zu Gott freilich schon immer vorhanden. Gott hatte immer schon liebevoll in seinem Volk gewirkt. Auch die Auskunft mit der Väterlichkeit haben wir nicht erst von Christus. Aber erst in ihm, in dem, was er sagte, was er tat und sich vor allem gefallen ließ, hat sich alles noch mal ganz neu bestätigt. Wenn man so möchte: Die Juden haben die Bestätigung vorbereitet und in ihren Bildern vorweggenommen, Christus hat sie sichtbar vollendet und Mohammed hat sie wieder verunsichert, indem er Christus seinen hohen Rang als Gottmensch absprach.

Die Christen hüten den Schatz der endgültigen, ewigen Liebenswürdigkeit Gottes. Aber leider verblasst er in unseren eigenen Reihen schon mal, weil wir einer Versuchung nachgehen, die wir stehen lassen sollten.

Die erste Auskunft über Gott ist weniger die Liebe, als vielmehr seine Herrlichkeit. „Was für ein furchtgebietender Ort“ hatte Abraham gesagt, nachdem er einen Blick in die Weite Herrlichkeit Gottes tun durfte. Wenn der Ewige in unser Leben bricht, dann ist das erst einmal eine Nummer zu groß für uns. Die Herrlichkeit braucht die Beruhigung der Liebe und Güte (im Islam übernimmt das die Auskunft der Barmherzigkeit), damit wir uns überhaupt beruhigen können. Das „Fürchtet euch nicht“ der Engel hat schon seinen Grund.

Wir sind nun der Versuchung der Verkürzung erlegen. Wer Gott denkt, der muss eigentlich seine Macht und seine Güte zusammen denken. Denn in der Herrlichkeit Gottes kann beides kein Widerspruch sein, und doch muss beides ganz gedacht werden. Aber jetzt, da wir so sicher wissen, wie lieb der Vater ist, machen wir es uns gern bequem in der Auskunft und seine herrliche Mächtigkeit fällt da schon mal herunter. So machen wir aus dem gewaltigen, allmächtigen Vater schon mal den Märchenonkel, der uns auf den Schoß nimmt und eigentlich nur spielen will. Wir sind geneigt, „der meint das alles gar nicht so mit seiner Macht“ zu sagen.

Es ist eine Kunst, beides zu denken. Das Kreuz Jesu war keine göttliche Ohnmacht! Freilich, es war ein sich gefallen Lassen Jesu aus seiner Liebe heraus. Aber nur auf der einen Seite. Es war zugleich der schreckliche Kampf und Sieg gegen die Folgen der gesamten Sünde der Welt, der in seine Herrlichkeit einmündete. Wenn der Meister wieder kommt, dann erscheint er in seiner Herrlichkeit und niemand, kein Mensch und kein Engel wird ihm ein Haar krümmen. Das Gericht wird hereinbrechen, und die Gerechtigkeit wird die Liebe sein, die alles wieder in Ordnung bringt. Die Barmherzigkeit wird die Liebe sein, die verzeiht, wo nach Verzeihung gehungert wird. Die Güte wird die Liebe sein, die die Kinder beschenkt, aber alles wird herrlich und herrlich wird sein, was die Welt erwartet.

Das alles ist jetzt durchaus biblisch und im Buch der Bücher nieder geschrieben. Das eine als das, was schon war, das andere als das, was noch kommen wird. Aber wenn man es als Thomist betrachtet, ist das auch eine Sache der logischen Betrachtung. Man braucht nur die Ewigkeit mit der Auskunft Liebe und Herrlichkeit bedenken, und schon ist alles da. Das Amt und die Aufgabe der Kirche ist es nun, das alles in seiner ganzen Spannung zusammen zu halten und ohne Verkürzungen zu verkünden. Nun ist es aber so, dass in den verschiedenen Ländern und Gegenden verschiedene Zustände herrschen. In Gegenden, in der der Hunger nach Gerechtigkeit brennt, ruft man nach dem starken Retter. In Regionen des Wohlstandes braucht man eher nur noch den lieben Onkel. Eins allein ist immer zu wenig. Erst in einer Kirche, die in dem Sinn katholisch ist, dass sie alles sieht und zusammen hält, wird das ganze gepredigt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s