Der Freispruch Gottes

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Über Engel, Dämonen und alles Mögliche und Unmögliche.

Der Ewigkeit kann man nicht auf den Grund kommen. Sie hat nämlich keinen. Allein das können wir uns nicht vorstellen, weil alle Dinge, die wir kennen, ihre Gründe haben. So jedenfalls sehen wir alles und denken wir alles. Wenn ich gleich einkaufen gehe, dann hat das seinen guten Grund im Hunger, der mich antreibt. Wir brauchen jetzt nicht überlegen, ob das Ei oder das Huhn zuerst auf der Welt war. Aber dass sich das erste aus irgendetwas entwickelt haben muss, darüber wird nicht gestritten. Alles hat seinen Anfang und alles hat sein Ende in unserer Welt. Wenn jemand meint, die Berge halten ewig, dann hat er nur zu wenig Zeit zum Zuschauen. Irgendwann fallen auch sie und irgendwann sind sie entstanden.

Zwischen dem griechischen Philosophen Aristoteles und Thomas liegen tausendsechshundert Jahre Zeit und Denken. Aber in einer Sache sind sie wirkliche Freunde geworden: In der Meinung, dass man etwas, was keine Gründe hat, nicht erklären kann. Wer einen Unfall erklären will, der muss wissen, wie er geschah, was war, was wie zusammenkam und wer was wollte. Die Polizei versucht die Dinge zu ermitteln, damit die Richter und Anwälte später wissen und beurteilen können, wovon gesprochen wird. Beide großen Denker nun behaupten von der Welt, dass man sie erklären kann. Vielleicht kein einzelner, vielleicht nicht alle Menschen, aber grundsätzlich sind die Dinge in der Welt erklärbar, man muss ihnen nur auf die Schliche kommen, und die Wissenschaft arbeitet ja daran.

Erklären heißt die Gründe kennen. Deshalb ist Gott unerklärlich, weil er keine Gründe hat. Das meint das Wort ewig jedenfalls: Keine Gründe haben und keine Grenze. Das ist für den menschlichen Verstand unvorstellbar, er kann es aber behaupten. Er muss es behaupten, sonst kann er nicht von der Ewigkeit sprechen.
Wenn wir Gott nun von der Sünde freisprechen wollen, dann brauchen wir nur seine Ewigkeit bedenken und dann den Gegensatz zur Welt betrachten.
Was ewig ist, das hat, wie gesagt, keine Gründe und keine Grenzen. Das bedeutet aber, es kann auch in sich keine Anfänge und keine Enden haben. Es wäre ja nicht als ganzes ewig. Was ewig ist, das muss alles, was es  sein kann, immer schon ganz und gar sein, immer schon fertig, immer vollkommen. Gott kann keine Geschichte haben, wenn er denn ewig ist. Deshalb sind die Götter der Griechen, der Römer und Germanen keine wirklichen Götter gewesen. Sie sind über die Erde gelaufen oder haben sich in irgendwelchen Himmeln getummelt. Auch wenn sie nie würden sterben müssen, so wären sie nicht ewig gewesen, sondern nur ohne Tod. Man sagt, unsterbliche Götter hätten „ewig Zeit“. Das ist genau genommen aber ein Widerspruch in sich. Ewig meint, keine Zeit zu brauchen und keine Zeit zu spüren. Was wir Zeit nennen, taucht nämlich immer nur dort auf, wo die Dinge sich verändern. Wenn sich nirgendwo etwas bewegte, dann würde auch keine Uhr ticken. Zeit gibt es nur, wo die Dinge jung sein und älter werden können. Das bedeutet Veränderung. Wenn aber die Ewigkeit wirklich ewig ist, dann gibt es in ihr kein Werden und Vergehen, sondern nur das immer fertige Sein.
Ewig meint in sich ganz und gar vollkommen, und wenn man lange genug drüber nachdenkt, kommt man zu dem Schluss, dass es eigentlich nur ein Ewiges geben kann. Das ist, mit den Worten des Thomas „das, was alle Gott nennen.“

Nun kann es in der Welt nichts Ewiges geben. Der große Unterschied zwischen Gott und Welt ist nämlich, dass es in der Welt Verschiedenheiten gibt, in Gott nicht. Sobald wir Verschiedenheiten hören, fühlen wir uns wieder heimisch. Bei uns gibt es nämlich Tiere und Menschen, Geister und Gedanken, alles sehr verschiedene Dinge. Wenn wir aber jetzt an der Hand des heiligen Thomas die Welt bedenken, dann setzt die Verschiedenheit die Möglichkeit frei, dass Dinge „passieren“ können. Zwei Tiere suchen Nahrung, das eine findet weniger als das andere. So passiert es, dass das eine länger hungert. Ein vernünftiges Geschöpf kann wählen, zwischen diesem und jenem. So kann es passieren, dass es in seiner Einschätzung daneben lag und sich „falsch oder richtig“ entschied. Die Verschiedenheit der Dinge in der Welt eröffnet plötzlich das ganze Spektrum von gut und weniger gut, von richtig in bestimmten Hinsichten und von falsch in den selben. In dem aber, was alle mit Gott meinen (sollten, wenn man dem heiligen Thomas folgt), kann all das nicht sein. Wir nennen Gott lieb und gut. Wenn er das ist, dann kann in ihm nichts anderes sein als Liebe und Güte. Wenn das so ist, dann hat er auch das Weltall mit seinen vielen Verschiedenheiten aus dieser Güte heraus gemacht. Das ist nur dann wirklich denkbar, wenn am Ende alles wieder in diese vollendete Güte zurück fließt und sich dort findet.

Quelle:
ScG, 1, 15, 2: Ostensum autem est Deum esse omnino immutabilem. Est igitur aeternus, carens principio et fine.“
– „Wir haben aber besprochen, dass Gott ganz und gar unbeweglich ist. Er ist ewig, ohne Anfang und ohne Ende.“

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