Was meinen alle, wenn sie Gott sagen?

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Über Engel, Dämonen und alles Mögliche und Unmögliche.

Ich weiß gar nicht, ob Du es schon weißt, aber sämtliche Päpste (sofern sie überhaupt auf das Thema kommen) bitten die Studenten der kirchlichen Wissenschaft innig, sie mögen um Himmels willen den heiligen Thomas als Lehrer entdecken und lieben lernen. Sogar das berühmte Zweite Vatikanische Konzil hat als erste große Kirchenversammlung den Thomas ausdrücklich und verbindlich als Führer angeordnet, und das war mehr als nur eine Empfehlung.
Nun weiß ich nicht, wie klug das für uns hier war. Die deutschen Katholiken kann man in ihrem Verhalten mit Kindern vergleichen. Wenn man will, dass sie etwas unbedingt tun, dann muss man es verbieten, wenn man will, dass sie etwas unbedingt lassen, dann muss man es anordnen. Das musste schief gehen, und man hat den Eindruck, die Studenten wehren sich mit Händen und Füßen.
Jedenfalls wäre es bei unserem Thema gut gewesen, sie hätten mal getan, was ihnen gesagt wurde. Niemand weiß in Sachen Sünde nämlich die Sache Gottes besser zu verteidigen, als Thomas. Wenn man seine Gedanken hier versteht, dann kann der Schöpfer in keiner Weise für das Elend seiner Welt verantwortlich gemacht werden, und das allein schon aus Gründen der Definition sozusagen. Das würde ich gern kurz darlegen.

Wenn von einem Menschen gesagt wird, er sei aufrichtig, dann meinen alle, er ist kein Lügner. Die Definition „Aufrichtig“ meint nämlich genau. Wenn einer sagt, sein Nachbar sei aufrichtig und ein Lügner zugleich, dann redet er Unsinn. „Aufrichtig“ sagt, dass einer nicht zur Lüge neigt. Die Definition schließt gerade die Verlogenheit aus. Alle, die mit dem Wort „Aufrichtig“ arbeiten, müssen genau das meinen, sonst können sie gar nicht mitreden.
Verlogenheit und Aufrichtigkeit zugleich behaupten ist einfach schräg, wie wenn einer sagt, er habe vier Kühe im Stall, es seien aber leider nur drei. Zur Definition „Vier“ gehört es einfach, dass da mehr als drei und weniger als fünf stehen. Wer vier sagt, der meint das, und wer vier sagt und drei meint, mit dem braucht man nicht weiter reden, weil niemand wissen kann, was er meint. Das meine ich hier jetzt mal mit einer Definition.

Thomas sagt in seiner Summe an einer Stelle mehrmals einen berühmten Satz: „Das meinen alle, wenn sie Gott sagen.“ Das bedeutet, er hat etwas aufgezählt, was alle irgendwie mit denken müssen, wenn sie das Wort in ihr Gespräch einführen.
Jetzt gibt es Begriffe, die sehr einfach sind und Begriffe von komplizierterer Natur. Das Wort „vier“ ist schlicht. Man braucht, wie gesagt, nur eins mehr als drei und eins weniger als fünf meinen, und schon kann das Gespräch los gehen. Beim Wort „Gott“ ist das schon etwas komplizierter. Deshalb nimmt Thomas sich viel Zeit von Gott zu sprechen, um die Dinge, die gemeint sind, so genau zu klären, wie es kein anderer je konnte. Damit schafft er die Voraussetzungen für ein ordentliches Gespräch. Was bringt eine Unterhaltung, wenn die einen von der Sonne und die anderen zugleich vom Mond reden?
Wer den großen Roland kennt, der weiß, dass er groß ist. Die Bezeichnung „groß“ muss man nur sagen, wenn vielleicht Leute da sind, die ihn noch nicht gesehen haben. Wer Roland kennt, der weiß, dass er groß ist und muss es nicht immer mit dazu gesagt bekommen. Wer von seinem Schimmel redet, der muss seine weiße Farbe nicht mehr nennen. Eigentlich bräuchte man unter Christen nicht mehr vom „Lieben Gott“ reden. Gott ist immer lieb, wie Schimmel weiß sind. Für Christen unter sich müsste das Wort Gott reichen, denn in der Bibel steht, Gott ist Liebe.
Ähnlich ist es mit dem Wort „Ewiger Gott“. Hier bräuchte man das „Ewig“ auch nicht mehr dazu sagen. Wir müssen aber etwas anderes tun, nämlich erklären, was das „Ewig“ erst einmal bedeutet. Wenn wir das haben, dann ist Gott in Sachen Sünde mit einem Mal freigesprochen.

Quelle:
Die berühmte Stelle, mit dem „was alles Gott nennen“, findet sich bei den klassischen Fünf Wegen: Sth, I, 2, 3, co: „Ergo necesse est devenire ad aliquod primum movens, quod a nullo movetur, et hoc omnes intelligunt Deum.“
– „Man muss also ein zuerst Bewegendes annehmen, das von niemandem bewegt wird, und das nennen alle Gott.“

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