Der Verdacht gegen den Schöpfer

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Über Engel, Dämonen und alles Mögliche und Unmögliche.

Die zweite Sache, die uns den Glauben verhagelt ist das fehlende Wissen und Ahnen von der Größe und Schönheit des Schöpfers. Er bekommt nicht nur schlechte Noten, weil er das Elend nicht abschaltet, sondern auch, weil er dafür verantwortlich gemacht wird. Das führt zu dem immer leise über ihm schwebenden Verdacht, so groß, erhaben und gut könne er eigentlich gar nicht sein. Wer will schon in das Haus eines Schurken einziehen? Die Logik der Anklage ist schlicht: Gott hat die Welt gemacht, in der Welt gibt es Elend, also hat Gott auch das zu verantworten. Zumindest hat er eine Welt geschaffen, die nicht richtig funktioniert. Also ist die Herrlichkeit des Herrn der Heere gar nicht so herrlich. Damit verliert der Himmel seine Anziehungskraft und die Menschen bleiben lieber in ihrer Herberge. Die ist wenigstens bekannt.

Ich bin vor Zeiten aus Versehen in einen Gottesdienst für Jugendliche geraten. Die Predigt war ein Dialog. Das hieß, der Priester stieg von der Altarinsel herunter zwischen die Bänke, reichte das Mikrofon herum, und wer von den jungen Leuten wollte, der konnte zur Predigt etwas beitragen. Ich glaube, nach ein paar Sätzen war ich der einzige, der in einer Mischung aus Zorn und Trauer auf der Bank hin und her rutschte und die Kirche nur deshalb nicht brüllend die Kirche verließ, weil der Anstand es verbot. Es muss um Allerheiligen gewesen sein, jedenfalls ging es um die Heiligkeit. Der Prediger fragte nach ihr, und ein Jugendlicher meinte, er hätte gar keine Lust auf die Heiligkeit des Himmels und die der irgendwie abgehobenen Heiligen dort oben.
Was dann kam, regte mich auf. Der geweihte Mann schwenkte ein, der Junge hätte durchaus Recht, bei der Heiligkeit gehe es auch nicht um etwas Abgehobenes, sondern um die Güte unter uns, um das Heilsein dessen, was wir sind und tun und so weiter. Jetzt hatte der Kerl einmal zehn Minuten Zeit, jungen Leuten von der Herrlichkeit dessen zu reden, worauf hin sie geschaffen waren, und er tat es nicht! Er hatte Zeit, zehn Minuten lang von Gottes Güte und Größe zu schwärmen, und er ließ es bleiben! Statt dessen ging es um die Erhaltung der Umwelt, um das lebendige Miteinander und um die sozialen Probleme, die wir mit der Hilfe Gottes in den Griff bekommen würden, was ich übrigens nicht glaube.
Die Heiligkeit sei ein Projekt für die Erde, nichts weiter. Das ist so richtig wie die Annahme, der Fußball sei um der Abseitsregel willen erfunden worden. Die Predigt ähnelte Pilgern zur Weihnachtskrippe, die sich über alles unterhalten, die alles im Auge haben, außer das Kind. Die Engel auf dem Feld priesen die Güte Gottes, nicht den Bauplan der Krippe. Die Güte Gottes war zur Veranstaltung guten Benehmens verkürzt worden. Gott ist nur insofern gut, wie er uns hilft und überhaupt Gutes tut. Er gilt nicht mehr als gut an und für sich. Gott ist nicht gut, weil er in sich gut ist, sondern, weil er gute Sachen für uns macht. Wie ein guter Arzt, der ansonsten ruhig ein zweifelhafter Mensch sein kann.

Ich werde das Gefühl nicht los, hinter all dem steht die alte Verdächtigung, dass Gott letztlich für das Elend der Welt verantwortlich gemacht wird. Wenn Kinder ihr Zimmer verwüsten, ist der schuld, der es tapeziert hat. Wenn der Himmel nicht überzeugt, dann macht man sich mit dem zufrieden, was man hat und will die Welt am liebsten nicht verlassen. Der Tod bekommt wieder sein altes, bedrohliches Gesicht. Wer Gott vergisst, der landet irgendwann bei Tierschutz. Nicht, dass ich den Schutz der Geschöpfe und das Kümmern um sie herabwürdigen oder zu einer gottlosen Veranstaltung erklären will. Ganz im Gegenteil. Es ist nur die Ordnung, in der die Liebe stehen möchte.
Wenn Du meine Freundin bist und ich Dich wirklich lieb habe, dann liebe ich automatisch mit, was Du liebst. Thomas sagt, seine Feinde könne man überhaupt nur deshalb lieben, weil Gott, den man liebt, sie lieb hat. Für den Christen katholischer Sortierung hängt alle Liebe zur Welt irgendwie an der Liebe zu Gott, und wenn der nicht mehr im Zentrum steht, dann geht die Grundlage verloren. Jesus sagt sein „liebet eure Feinde“ nicht schwebend in den Raum. Das Gebot steht und fällt mit der Liebe zu Gott, die der Feindesliebe voraus geht. Das Zentralgebot Jesu, Gott zu lieben und den Nächsten kann man nicht erfüllen werden, wenn es beim Nächsten bleibt.
Der heilige Thomas legt in allen Schriften sehr deutlich und pinibel dar, wie man denken kann und muss, dass Gott reine Güte ist, dass sich in ihm nicht der kleinste Hauch vom Gegenteil findet. Er ist in seiner reinsten Güte die Liebenswürdigkeit in Person und dasjenige, das in keiner Weise für ein Elend verantwortlich gemacht werden kann. Wir haben das alles schon gesehen. Aber sollen wir uns noch mal etwas Zeit nehmen, das genauer anzusehen?

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Ein Kommentar zu “Der Verdacht gegen den Schöpfer

  1. Meine (kurze) Einschätzung vielleicht so: Natürlich ist die Güte und Liebe Gottes ein Inhalt des Glaubens (was auch sonst). Damit glauben wir daran gegen den Zustand der Welt, wie wir ihn erblicken. Es ist kontrafaktischer Glaube, getragen von der Hoffnung, von einer anderen Welt. Diese muss das „Warum?“ dieser Welt umklammern. Das ist dann kein Freispruch Gottes, den der Gläubige auch gar nicht sucht. Es ist ein Ausliefern an den, der in Ewigkeit ist und sein wird.

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