Bleibt Gott gut, wenn er das Böse mit ansieht?

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Über Engel, Dämonen und alles Mögliche und Unmögliche.

Es hat eine kritische Frage gegeben, auf die ich kurz eingehen möchte. Denn wenn einer eine Frage hat, dann sollte man davon ausgehen, dass diese Frage viele haben oder haben würden. Sie lautet so: Wenn der Mensch einen Fehler im Getriebe hat, ohne ihn selbst verschuldet zu haben, dann sagt das nichts besonders Gutes über Gott aus. Es spricht nicht gerade für einen Autobauer, wenn er fehlerhafte Modelle vom Stapel laufen und auf der Straßen fahren lässt. Wenn Gott allmächtig ist, dann müsste er das verhindern können. Tut er es nicht, dann stellt ihn das in ein schwaches Licht. Ein guter Schöpfer, der alles kann dürfte eigentlich nicht erlauben, dass seine Kinder mit einer Behinderung geboren werden.

Ich habe die Frage einmal mit einer Gruppe Jugendlicher diskutiert und ein kleines Rollenspiel organisiert. Einer der jungen Leute spielte die Menschheit, die Wünsche äußern sollte, ich würde die Rolle Gottes übernehmen. Der erste Wunsch war, Gott solle verhindern, dass den unschuldigen Kindern in der Welt ein Leid angetan werde. Ok, sagte Gott, ab heute kein Missbrauch mehr. Als nächstes sollte überhaupt die Vergewaltigung abgestellt werden. Auch das geschah prompt. Dann war da noch die ungerechte Verteilung der Güter in der Welt. Gott stellte auch das ab und verteilte die Dinge in Gerechtigkeit. Gegen Ende kamen die Lügen, die Betrügereien und Diebstähle an die Reihe. Gott verhinderte sogar, dass geklaut wurde. Als die Bitten durch waren, bat Gott, das Wort ergreifen zu dürfen. Da sei eine letzte Sache. Er habe den Menschen gehindert, Böses zu tun und die Ungerechtigkeiten abgestellt. Sein Problem sei nun aber, dass sein Geschöpf nun nicht mehr tun könne, was es aber immer noch wolle. Der Mensch steckte jetzt wie in einem Gefängnis. Er könne nicht lügen, er wolle aber. Er könne nicht töten, er wolle aber. Er könne seine Nachbarn nicht übervorteilen, er würde es aber immer noch so gern tun. Wenn er jetzt das Wollen ändere, dann müsse er ihm die Freiheit sich zu entscheiden nehmen. Dann wäre der Mensch nicht mehr der, der er war. Dann wären am Ende auch die geäußerten Wünsche nicht mehr die wirklichen Wünsche der Jugendlichen. Es eröffnete sich ein Dilemma. Dilemma bedeutet, dass zwei Dinge, die man gern hätte, nicht zugleich wahr werden können. Entweder wir bekommen das Übel bei den Menschen oder deren Möglichkeit, freie Entscheidungen zu treffen nicht aus der Welt. Als mein Freund seine Frau heiratete pries er die Größe seines Schöpfers. Als sie ihm davon lief, klagte er ihn an und nannte ihn böse. Wenn ein Vater seinem Sohn ein schönes Haus baut und der beschließt, es zu verwüsten und sich selbst in ihm zugrunde zu richten, dann spricht das nicht gegen den Vater. Die Beschwerden, er hätte seinen Sohn nicht zur Welt bringen oder ihm kein schönes Haus bauen sollen, sind irgendwie nicht richtig. So kommen wir nicht weiter. Dennoch bekommt Gott weiterhin schlechte Noten im Betragen, das muss er wohl aushalten.

Der heilige Thomas geht die Sache anders an. In seiner Schule zeigt sich die Größe und Güte Gottes nicht an unserer moralischen Beurteilung. Sie zeigt sich eher in der Darstellung der Größe seines Vermögens. Als ich früher Leichtathletik im Fernsehen schaute, da gefiel mir der Zehnkampf immer am besten. Die Zehnkämpfer konnten nicht nur eine Sache gut, sondern irgendwie alles. Sie konnten nicht nur gut laufen, sondern auch hoch und weit springen. Sie konnten Kugelstoßen und Diskuswerfen, eben so ziemlich alles. Die besten sind nicht die, die eine Sache gut können, sondern die, die alles am besten vermögen. Ähnlich zeigt sich die Größe und Güte Gottes am besten darin, dass er alles am besten kann. Wenn es das Übel in der Welt gibt, dann stellt gerade das eine große Herausforderung dar, nämlich die, aus ihm Gutes zu machen. Das Schwerste dürfte sein, aus dem allergrößten Elend die aller größte Freude etwa zu machen. Es wird am Ende vielleicht immer alles noch makaber klingen, aber wenn ein Mechaniker zeigen will, was er kann, dann braucht er kaputte Autos, und der beste Mechaniker ist der, der die schlimmsten Schrotthaufen in die schönsten Karossen verwandelt.

Robert Spaemann hat in einem seiner Vorträge einmal ein hübsches Bild gebraucht. Da ist ein Künstler, der unendlich schöne Bilder malen kann. Es kommt ein Feind und schleudert einen Eimer schwarze Farbe auf das Werk. Alle denken, das kann nicht gut gehen. Der Künstler überlegt einen Moment und malt drauf los. Das Bild wird mit dem Flecken noch schöner als zuvor. Der Feind wirft wieder und wieder entsteht ein noch schöneres Bild. Wenn der Künstler unendliche Fähigkeiten hat, dann kann das in alle Ewigkeit so weiter gehen. Der Feind kann nicht verhindern, dass am Ende das schönst mögliche Bild entsteht. Der Künstler hat den Feind aber weder gebraucht, noch gewollt. Am Ende wird sich zeigen, dass der Schöpfer viel mehr drauf hat, als alle Welt je gedacht hatte. Das ist seine Chance, im Ansehen seiner Kinder wieder an die Spitze zu klettern.

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3 Kommentare zu “Bleibt Gott gut, wenn er das Böse mit ansieht?

  1. Eigentlich wollte ich in dem Kommentar zum letzten Artikel bereits schreiben, dass die Antwort ja vermutlich die Freiheit sein wird. Es ist eine sehr geliebte Antwort innerhalb der Geschichte der christlichen Denker, von daher hast du viele Gewhrsleute auf deiner Seite. Trotzdem finde ich sie wenig plausibel bzw. nicht einleuchtend. Du hast es selbst heruasgestellt, die Matrix hat einen Fehler, einen tief eingegrabenen Fehler, der alle Menschen durchdringt. Außer Jesus und (in deinem Sinne) Maria. Dabei geht es bei diesem Fehler nicht um moralische Bewertungen. Er beschreibt und benennt, dass der Mensch vom Missbrauch seiner Freiheit bestimmt ist. Ein Missbrauch, der zu immer wieder neuen Gewaltverbrechen, Gewaltarien führt. Der nur Elend und Leid mit sich bringt. Und das hat der Schöpfer in Kauf genommen für – ja für was eigentlich? Er hat einen Menschen erschaffen, der das Geschenk der Freheit nicht annimmt. Der dazu wahrscheinlich gar nicht in der Lage ist. Der das Ziel immer verfehlt. Und für die wenigen Momente in der Menschheitsgeschichte, in der es doch gelingt, dafür das alles?!? Ih hätte auf das Geschenk wirklich gerne verzichtet. (Falls Freiheit wirlich bedeutet, dass es sie nur gibt, wenn es ihren Missbrauch gibt.) Ich hätte eine Schöpfung vorgezogen, der der Güte des Schöpfers entspricht, an den ich versuche, zu glauben. Und da ist das zweite Argument, das du bringst. Der Künstler hat eine Ewigkeit Zeit. Warum damit nicht anfangen? Warum etwas erschaffen – den Menschen, das gottebenbildliche Geschöpfe – das alles ist, aber kein Abglanz der Güte und Liebe ihres Schöpfers. Ich glaube, ich bin da mittlerweile zu wenig wie good old Luther: der hat geglaubt gegen den Schein, gegen jede Vernunft. Hat gepredigt, dass Gottes Maßstäbe nicht unsere sind und dass das Eschaton eine andere Welt zeigen wird. Dass wir aushalten müssen gegen den Schein, glauben müssen an eine Güte und eine Liebe, auch wenn diese Welt sie nicht offenbaren. Aber warum dann diese Welt? Warum eine Vernunft, wenn die Welt so unvernünftig ist? Wenn der Glaube unverünftig ist? Und ich finde dass ist er, jedenfalls lässt diese Welt alles zu, aber nicht den Schluss auf einen gütigen und liebenden Urpsrung. Nicht, wenn ihr Sinn das Geschenk der Freiheit ist, die kaum einer je gesehen hat…
    Hoffe, ich bin jetzt nicht zu zynisch und nicht zu pathetisch geworden. Bitte seh es mir nach. Das Thema bewegt mich und dein Glaube fordert mich an manchen Stellen heraus, irgendwie. Aber es liegt gewiss an meiner Einfältigkeit und wahrscheinlich auch an meiner Sünde. „Denn weil die Welt, umgeben von der Weisheit Gottes, Gott durch ihre Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die daran glauben.“ (1 Kor 1,21)

  2. Da gibt es nichts nachzusehen, Bennie. Ist nur etwas viel auf einmal, und wir müssten das Fass mit der Freiheit aufmachen. Werde versuchen, auf alles kurz einzugehen.

  3. Zunächst eine kleine Richtigstellung. Das mit der moralischen Bewertung habe ich im Zusammenhang mit der menschlichen Beurtrilung Gottes angemerkt. Gott ist es, der schlechte Bewertungen bekommt, solange er sich unserer moralischen Bewertung zu unterziehen hat. Man findet ihn gut oder eben nicht, in dem, was er tut oder lässt. Hier finde ich die Kriterien der Beurteilungen fragwürdig.
    Aber ich verstehe Deine Kritik als eine gegen das von mir Gemeinte, nicht gegen den Schöpfer, sondern gegen mein Konzept von ihm. Das ist etwas anderes.
    „Nur Elend“ würde ich nicht sagen, wohl aber jede Menge und vor allem, davon wird noch die Rede sein, eine tiefgreifend grundsätzliche Trennung von Gott und seiner Freude. Dazu würde der Matrixfehler in der Tat führen, wenn nicht hinreichend für die Aufhebung seiner Wirkungen gesorgt worden wäre. Aber genau das ist ja der Trick! Die Erlösungstat Christi ist vor allem die Auflösung der tragischen Zusammenhänge, die Folge der Erbsünde genannt werden.Deshalb verstehe ich die Osterfreude nicht ganz, wenn dieser Zusammenhang außer Acht gelassen wird. Fortsetzung folgt…

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