Von der Richtung der Aufgabe

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Achtung, bitte um Geduld mit mir. Heute gleich drei Kapitel. Nachdem eine ganze Weile Schweigen war, hatte ich heute Zeit und Laune, gleich etwas mehr zu Papier zu bringen. Und wenn ich nicht gleich veröffentliche, wird das wieder nichts. 

Über Engel, Dämonen und alles Mögliche und Unmögliche.

Ich glaube, wir müssen doch noch mal etwas genauer von der Sünde im Allgemeinen reden, damit nicht wieder alles in die falschen Hälse gerät. Das ist nämlich sehr oft der Fall. Die einen regen sich auf, wenn das Wort Sünde fällt, wie Kinder, denen man die Spielzeuge wegnehmen will. Andere machen den Eindruck, Sünde sei alles was Spaß macht, und man kann kaum über eine Blumenwiese laufen, ohne gleich den Beigeschmack des schlechten Gewissens haben zu müssen. Dann gibt es noch die Dummköpfe, die die Welt in ein Kloster verwandeln wollen, wo sogar das schlichte Musikhören als verboten gilt. Die nennen das „haram“, einfach verboten, um nicht erklären zu müssen, was man nicht erklären kann. Allen gemeinsam ist das Moralische, der erhobene Zeigefinger und das Lied der Anklage, allerdings einigermaßen wenig bei sich selbst, das wäre so schwer auszuhalten.

Thomas macht das ganz anders. Er redet völlig unaufgeregt von der Sünde, gern allgemein, sachlich und vor allem ohne diese dauernden Emotionen, die unschuldig daher kommen, aber immer für Streit sorgen.

Sünde gibt es auch ohne Schuld, aber es gibt keine Schuld ohne Sünde. Sünde ohne Schuld ist zum Beispiel die Erbsünde, die wir haben, für die wir aber nichts können. Sie ist uns zu einer Aufgabe geworden, die wir uns nicht selbst gegeben haben, die uns aber das Leben aufgibt. Wer zum Zorn neigt und als Morgenmuffel die Küche betritt, der hat die Aufgabe sich am Riemen zu reißen, um seine Leute nicht dauernd zu nerven und ihnen die Welt zu verleiden. Jesus hat uns mit seinem „seid vollkommen!“ eine Aufgabe gegeben, die wir auf Erden nie ganz erledigen können. Wir sollten sie aber auch nie ganz aus den Augen verlieren.

Um es gleich zu sagen: Wir sind hier in der Schule des heiligen Thomas, und hier kann man einen Grundsatz formulieren. Die Sünde loszuwerden ist wohl eine Aufgabe. Aber die kleinsten Schritte in die Richtung schenkt immer Freiheit und jeweils größte Freude. Wir sind gewohnt, es anders herum zu betrachten und glauben nicht immer an die Schönheit unserer Ziele. Wie ein Drogenabhängiger, der vor dem Entzug nur die Schmerzen sieht. Besser und viel motivierender wäre, er würde die Freude, die Freiheit und das lohnenswerte Leben danach vor Augen haben. Bei Thomas ist der Kampf gegen die Sünde immer zugleich das Erlangen der sogenannten Tugenden, und die zu erwerben und zu haben macht leichtfüßig, freudevoll und frei. Das ist die Richtung und offenbart den Irrtum der oben genannten Dummköpfe. Die Welt in ein Schweigekloster zu verwandeln macht nicht nur am Anfang schon keine Freude. Das Ergebnis ist ebenso Grauen erregend. Auch die Welt, die irgendwelche moralischen Betschwestern errichten wollen, dürfte am Ende in keiner Weise erstrebenswert sein. Ich will weder die Medizin, noch den Zustand, den sie Gesundheit nennen. Thomas, der immer über die Betrachtung der Ziele an die Dinge geht, hat eine freudevolle Lehre, weil die Ziele in der Arbeit an ihnen schon anfangen, sich zu verwirklichen.

Ich habe den so oft daher geleierten Satz vom Weg, der das Ziel ist, lange nicht verstanden. Wie kann ein Weg erstrebenswert sein, der ohne Ziel sein kann? Ich habe das immer für die Parole eines bemitleidenswerten Atheismus gehalten, der traurig auf den Himmel verzichten muss und sich deshalb den Weg schön redet. Anfreunden kann ich mich erst in der Schule des Meisters: Wer zum Beispiel anfängt, sich die guten Eigenschaften, die Tugenden genannt werden, aufzuspielen, der beginnt sie gleich vom ersten Tag an zu haben, noch nicht fertig, aber schon wirklich. Das heißt, das Ziel schiebt sich beim Gehen und vom ersten Schritt an bereits unter die Füße. Ein bekannter Therapeut hat mir einmal nicht ohne Stolz erzählt, er arbeite so: Gleich auf das leuchtende Ergebnis und auf die vorhandenen Ressourcen blickend, freudevoller anfangen. Das sei viel besser, als immer in der Vergangenheit zu graben und sich damit die Energie zu nehmen. Auch nicht ganz ohne Stolz konnte ich auf mein Bücherregal zeigen, wo das alles schon in achthundert Jahre alten Schinken zu lesen steht.

An der Sünde arbeiten bedeutet nach diesem Schema also eher, sich guten Mutes und an die Fehler im eigenen Getriebe machen. Das also vorab nochmal.

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3 Kommentare zu “Von der Richtung der Aufgabe

  1. Wenn wir für die Erbsünde keine Schuld tragen, wir aber alle diesen „Webfehler im Muster“ haben, sagt das ziemlich viel und wenig gutes über den Schöpfer. Aber darauf kommst du sicherlich noch.

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