Die Riesenmacke in der Welt

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Über Engel, Dämonen und alles Mögliche und Unmögliche.

Was die Erbsünde angeht, haben wir über den Standard gesprochen. Mit unserem Standard, also mit der Grundausstattung des Menschen stimmt etwas nicht, so die Behauptung. Ich würde das gern noch um einen Gedanken erweitern und sagen, mit der Grundausstattung der ganzen Welt stimmt eine Menge nicht. Was wir Erbsünde nennen, das geht gar nicht nur die Menschen an, es betrifft die ganze Welt und ihre Standards. Es ist eine steile Behauptung, aber sie meint wirklich, die ganze Welt ist irgendwann aus ihren eigenen Fugen geraten und hat Fehler im Getriebe. Gestatte mir zur Erklärung einen Gedanken.

Wenn sich bei uns Besuch aus dem Freundeskreis anmeldet, dann wird in der Wohnung vorher kurz durchgewischt, dass alles einigermaßen in Ordnung ist. Wenn sich der Papst einladen würde, dann würde ein kurzes Durchwischen nicht reichen. Es würde die ganze Stadt erfahren, die ganze Straße würde Maßnahmen ergreifen und sicher wäre alles in heller Aufregung. Meine Schwester würde wahrscheinlich sogar die Socken vor dem Bett sehen dürfen. Was für ein Aufsehen betrieben wird, das liegt daran, wie hochgestellt die Person kommt, die erwartet wird. Für die Staatsoper in Wien zieht man einen feinen Anzug an, für die Disco um die Ecke die nächst beste Hose.
Wenn wir vom Standard der Welt uns unseres Lebens sprechen, dann müssen wir uns auch über den allgemeinen Maßstab Gedanken machen, mit dem gemessen und an den alles angelegt wird. Wenn nach den Standards von Räuberbanden gemessen wird, dann ist es ganz normal und alles in Ordnung, wenn sich die Menschen beklauen und belügen. Wenn der Maßstab einer hoch zivilisierten Gesellschaft gemessen wird, dann gilt der gleiche Standard als empörend. Man findet es widerlich und abstoßend, wenn alle sich bestehlen und Betrügereien an der Tagesordnung sind. Die Christen haben von Gott einen Maßstab in die Hand bekommen, der sie alle heillos überfordert, den sie aber nicht mehr aus der Hand geben können, es ist der Maßstab ihres Herrn und Meisters, gegen den der Papst ein ungewaschener Gassenjunge wäre. Es ist der Maßstab der absoluten Reinheit und Heiligkeit. Wie gesagt, es ist ein Maßstab, der alle überfordert und der uns sozusagen mit  Gewalt aufgedrückt wurde. Wie wenn jemand einen riesigen Pflock in die Erde geschlagen hätte, den die Welt nicht mehr los wird.

So etwas nervt natürlich. Die Menschen haben es sich in der Gosse ganz gut eingerichtet, und sie reden sich immer genau die Welt schön, in der sie leben. Ist Dir das schon mal aufgefallen? Jede Generation findet gerade sich als die beste. Wir Heutigen sind besonders menschlich, wir spenden am meisten, sind in der Menschlichkeit so weit, wie die armen Generationen vor uns noch nicht sein konnten und im Namen der Wissenschaft, die keine ist, wird tagaus tagein trompetet, man sei den wichtigen Rätseln so gut wie auf der Spur. Alle bewundern die Kleider unserer Könige, und das Kind, dem einzig auffällt, dass er gar keine anhat, soll gefälligst den Mund halten, wenn Erwachsene reden. Dem Erdinder der Welt allerdings sind unsere Maßstäbe wurscht. Er hat den seinen in die Welt geschlagen, und wer sich an ihm reibt, der mag sich an ihm reiben.

Nun ist es so, dass der Meister einmal auf die Welt kam, den Maßstab verkündete und eine Kirche ins Leben rief, der er sein ganzes Werk und seine Meinung zur Verwaltung anvertraute. Diese Kirche gibt es seit dem und sie hat leider den Fehler, dass sie sich auf der einen Seite in ihrem Verhalten all zu gern den Maßstäben der Welt angleicht, um auf der anderen Seite den großen Maßstab der Reinheit verkündet. Die Kirche Christi bekommt stets doppelten Ärger, zu Recht und zu Unrecht. Auf der einen Seite wirft man ihr mit Recht vor, sie lebe selbst nicht, was sie verkünde. Auf der anderen Seite wird sie zum Ärgernis, wenn sie in der Gosse das Reinemachen predigt. Ihr Standard aber ist die unantastbare Heiligkeit Gottes, daran sollte niemand rütteln wollen. Wer das will, und das wollen immer viele, stehen in direkter Verantwortung, nicht vor dem Papst, sondern vor dem Herrn der Heere.
Ich will es gleich sagen: Christus hat „seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist“ in die Welt gerufen. Wir haben uns zu bemühen, aber niemand wird am Ende ausrufen, er habe es geschafft. Geschafft hat es nur die Mutter Jesu und er selbst natürlich. Er aus göttlicher Fähigkeit, sie nur weil sie von außen bewahrt und behütet wurde. Der Standard steht aber, und an dem gemessen hat die Menschheit, jeder einzelne in ihr und unsere gesamte Welt eine Riesenmacke.

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