Vorgaben

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Nehmen wir das Beispiel vom Spielplatz. Wenn irgendwo ein Kind spazieren geht und einen Platz mit einem Sandkasten, einer Schaukel und einer Rutsche sieht, dann bekommt es Lust dorthin zu laufen und zu spielen. Dabei kommt es ihm auf das Spiel an. Der Bürgermeister, der den Bau des Platzes veranlasst hat, ist nicht von Interesse. Die Leute interessieren sich für schnelle Autos. Wenn sie eins haben, dann geht es ums Fahren und das Vergnügen dabei, nicht um den Erfinder. Der aber hatte die Freude schon im Kopf, die das Fahren machen würde, als er das Fahrzeug plante. Der Erfinder ist der klügere Kopf. Er hat den Spielplatz geplant, weil er schon wusste, was das Spiel bedeutet. Er wusste, wie man die Voraussetzungen für den Spaß plant. Er konnte das ganze entwerfen, zeichnen und die richtigen Leute anrufen, die das Projekt konkret machen würden.
Das Spielen selbst ist schon sehr spaßig. Wer aber Lust an der größeren Freude hat, der interessiert sich für den Erfinder. Der weiß einfach mehr und hat die Dinge in der Hand und im Griff. Wer nur spielt oder fährt, der muss nicht viel wissen, nur wie man das Fahrzeug bedient oder wie man spielt. Wer aber das ganze erfunden hat, der weiß viel mehr und hat damit auch viel mehr Möglichkeiten für die größere Freude. Die muss man beim Erfinder suchen.

Jetzt stell Dir vor, da ist jemand, der kennt den Spielplatz schon. Er steht auf ihm und hat vom Erfinder gehört. Ein helles Interesse stellt sich ein, den Meister kennen zu lernen und er beschließt, sich auf den Weg zu machen, ihn zu suchen. Er schaut sich nach dem ersten Hinweis um und marschiert los. Der Weg ist lang und er freut sich über jeden, der ihm einen nächsten Wink gibt und mag es nicht, wenn ihn etwas Umwege oder Holzwege gehen lässt.
So etwa hat der heilige Thomas sich sein Konzept mit der Sünde gedacht. Da ist immer ein Ziel, auf das es hinaus geht und da sind immer gewisse Regeln und Wege auf denen das Gewünschte erreicht werden kann. Wenn jemand sagt, er kennt den Weg zum Erfinder und es gibt eine ganz bestimmte Buslinie, die zu seinem Haus führt, dann wäre das Einsteigen in den falschen Bus ein Fehler, weil der nicht dorthin fährt, wohin die Reise gehen soll. Was nun Sünde genannt wird, besteht im Verstoß gegen die Vorgaben, die zum Ziel führen.
Wenn der Reisende sieht, wie fit und wach er bleiben muss, um die nächsten Pläne seiner Reise zu verstehen, dann ist er klug, wenn er alles meidet, was ihn einschläfert. Sich zu betrinken ist in diesem Fall ein Fehler, weil er sein Ziel nicht erreicht. Ohne das Ziel kann man nicht von Fehlern sprechen. Für irgendwelche anderen Leute, die dieses Ziel nicht haben, mag der Schnapsgenuss kein Problem sein, für ihn bedeutet er ein Hindernis. Das Ziel gibt vor, was gut ist und was schadet.

Der heilige Thomas interpretiert das Leben aller vernünftigen Geschöpfe als einen Weg zum großen Erfinder. Der hat das so vorgesehen und den Spielplatz Welt erfunden, er hat ebenso die Leute erfunden, die ihn suchen können und alle Sachen, die sich auf der Welt finden kann man im Bezug auf das große Ziel betrachten. Ein Stein ist nicht nur ein Stein, der irgendwo liegt, er kann ein Zeichen sein. Äste, die etwas auffällig an gewissen Bäumen hängen zeigen in eine relevante Richtung. Fliegen sind nicht einfach nur Vogelfutter. Ihr Gebrumm singt vielleicht eine Melodie, die verrät, dass die Reise bisher nicht falsch war. Sinnlos scheinende Dinge werden zu Trägern von Botschaften. Was dem oberflächlichen Blick ohne Zweck scheint, das kann in Wirklichkeit höchst sinnvoll sein, der Erfinder weiß darum. Wer also den ganzen Sinn der Dinge durchschauen will, der muss die Gedanken dessen kennen, der sie in die Welt stellte.
Auf der Reise gibt es nun tausend kleine Zwischenziele. Das Erreichen der nächsten Bahn, das Hören des Weckers am nächsten Morgen, das Reparieren der Schuhe und den glücklichen Zwischenstop. Thomas sagt nun, Sünde im eigentlichen Sinn kann nur das genannt werden, was in Bezug auf das Erreichen des allerletzten Zieles fehlerhaft ist. Deshalb sagt der Meister, Sünde im eigentlichen Sinn richtet sich immer irgendwie gegen  den großen Erfinder, der im Allgemeinen Gott genannt wird.

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