Die Neuheit des christlichen Priestertums – Antwort für Benni

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Der Einspruch geht weiter. Seine Fortsetzung lautet, „Priester gab es immer schon.“ Das bedeutet, es kann ja so gewesen sein: Das Christentum ging an den Start, die Welt zu gewinnwn und musste sich organisieren. Ringsumher hatten alle Religionen alle ihre verschiedenen Priestertümer. Da lag es doch nahe, in der neuen Religion, die jetzt unter die Leute sollte, auch ein solches einzubauen. So entstand das katholische und orthodoxe Christentum mit Blick auf das, was es schon gab und sich bewehrt hatte.

Als Christus, der Gründer des Neuen Weges kam, erschien er in seinem jüdischen Volk, das schon ein über die Jahrhunderte gewachsenes Priestertum hatte. Hier könnte man jetzt meinen, dass sich das christliche, neue Priestertum so neu gar nicht nennen kann. Eine neue Hose, die aus dem Stoff alter Hosen genähte wurde, ist so neu nicht. Das priesterliche Christentum behauptet aber, trotz dem jüdischen Priestertum, ein ganz neues zu haben, ja sogar selbst zu sein.

Es ist so gemeint: Gott hatte seit Ewigkeiten im Sinn, eines Tages sein ganz und gar neues, einzigartiges und unverwechselbares Priestertum in die Welt zu pflanzen. Sein Wort, der Sohn Christus sollte der Hohepriester sein und jeder wahre Priester aller zukünftigen Zeiten würde sich nur insofern Priester nennen können, wie er lebendigen Anteil an diesem einen Priestertum Jesu hat. So gesehen gibt es am Ende eigentlich nur einen Priester im engeren, wahren Sinn des Schöpfers. Dieser ist Christus selbst und Christus ganz allein. Spricht der Priester inseiner zentralsten Rolle, dann sprich nicht er, sondern Christus durch ihn. Der Priester sagt: „Das ist mein Leib“ und meint nicht sich selbst damit. Er spielt auch kein Schauspielstück. Christus sagt durch ihn, dass er es ist, den der Priester in seinen Händen hält. Das ganz Neue besteht in der Neuheit des Priesters. Christus, der Sohn des Höchsten ist keine Neuauflage des Hohenpriestertums der Juden. Er macht alles neu, wie er im Evangelium sagt, so auch das Priestertum.
Das Neue Testament nennt Jesu Priestertum im Hebräerbrief „nach der Ordnung des Melchisedek“. Dieser war es, der beim Glaubensvater Abraham wie aus dem Nichts kam, Brot und Wein opferte und quasi ins Nichts wieder verschwand.
Hier heißt es also nicht, dass das Spätere das Alte kopiert, sondern dass das alte ein unvollkommenes Vorausbild auf das vollkommene, Künftige war. Alle Priestertümer waren wie vorausschauende Hinweise auf die Zukunft, in der sich das letzte und zugleich erste, vollkommene Priestertum offenbaren und in die Welt pflanzen sollte.
So etwa: Wir alle kennen Häuser, Straßen, Plätze und Wege. Wir alle kennen Städte. Wenn aber eines Tages die eine, neue und große Stadt vom Himmel kommt, dann werden wir wissen, wie das alles eigentlich immer gemeint war. Die heutigen Städte waren dann nur unvollkommene Vorausbilder auf das Vollkommene, das ganz neu sein wird.

Was nun das Abschauen der Formen angeht, bleibt natürlich, was immer bleibt: Das Priestertum kleidet sich in die konkreten Gewänder der Welt. Das Geheimnis braucht weniger geheimnisvolle Zeichen, und das ist notwendigerweise immer so: Man muss, um ein Geheimnis darstellen zu können, auf nicht geheimnisvolle Bilder zurückgreifen. Der Grundsatz des heiligen Thomas dazu lautet: Man muss vom Bekannten zum Unbekannten vorgehen. Deshalb stimmt es natürlich, dass sich auch das ganz neue, ewige Priestertum Christi in „alte“ Gewänder kleidet. Es müssen auch „alte“ Bilder zur Erläuterung gebraucht werden, schließlich soll der Mensch wissen, was er bekommt und ja sagen können zu dem, was er ersehnt.

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6 Kommentare zu “Die Neuheit des christlichen Priestertums – Antwort für Benni

  1. Danke! Allerdings ist mir schon klar, dass das Priestertum der Christen ein neues ist. In der (damals) neuen Religion wurde das natürlich neu interpretiert. Unser Ausgang war aber die Frage, ob deine Definition der Esoterik diese von anderen Religionen abgrenzt. Ich glaube weiterhin, das tut sie nicht. In dem Artikel hier ist dein Argument, dass die Kirche das Priestertum richtig darstellt oder begrieft, die anderen falsch. Das heißt für unsere Diskussion: Die Christen entwickeln eine Religion, interpretieren Altes neu und haben damit recht. Die Esoteriker entwickeln eine Religion, interpretieren altes neu oder setzen altes neu zusammen und haben damit unrecht. Man kann so argumentieren. Es ist halt nur ein anderes Argument als dein zuerst genanntes. M.E. trifft dieses auf alle Religionen zu. Sie bewegen sich in einem religiösen Kontext, interpretieren neu, um oder übernehmen sogar manches. Deswegen habe ich auch geschrieben, du sollst dich von mir nicht abbringen lassen. Deine Argumentation leuchtet mir einfach nicht ein. Außer du meinst es so, wie ich dich verstehe: das Christentum hat recht und rückt alles in das rechte Licht; von daher ist es mit den anderen Religionen nicht zu vergleichen. Oder aber so: nimmt die Esoterik irgendwas aus dem Christentum, dann verliert das Übernommene seine Substanz, weil es vom Kern losgelöst wird.

  2. Die Esoteriker entwickeln eine Religion

    Genau das ist der Punkt. Kann man eine Religion entwickeln, die ohne eine Offenbarung auskommt? Vielleicht läuft es auf diese Frage hinaus. Das gesamte Christliche Konzept ruht doch auf der Behauptung, dass Gott höchstpersönlich der Welt gesagt hat, wie Religion überhaupt zu laufen hat, ich meine in jenem Kern, der das Mysterium darstellt und der sich in alle möglichen Zeichen darstellen muss. Etwas polemisch gesagt: „Ich mache mir meine Religion schon selbst“ ist in diesem Sinn ein esoterisches Bonmot.
    Bei allem Verdacht des Hochmutes, dem ich mich aussetze: Deine Interpretation meiner Gedanken: „das Christentum hat recht und rückt alles in das rechte Licht“ trifft es schon sehr genau.

  3. Okay. Dann hängst am Religionverständnis. Das in jedem Fall ein klarer Unterschied. Wenn man von hierher den Artikel zur Unterscheidung liest, finde ich es klarer.

  4. Jetzt könnte natürlich der Albert Schweitzer in mir sagen, jeder macht sich seinen Jesus selber, aber das Fass lassen wir mal schön geschlossen. 😉

  5. Ok, lassen wir das Fass schön zu. Ich habe mich nämlich heute entschlossen, doch noch ein längeres Kapitel „über die Sünde“ in mein Engelbuch einzubauen. Ein Buch im Buch sozusagen. Das wird noch eine Menge Arbeit. Aber schön, wenn wir wieder einen unserer sozusagen grundsätzlichen Meinungsverschiedenheiten in Sachen Religion ausgegraben haben. Erkenntnis macht Spaß.

  6. Aber ich glaube, ich nehme irgendwie auch unseren kleinen Dialog hier auf. Wie gesagt, wenn wir eine Frage haben, dann haben die viele Leute mit uns…Mal sehen, was draus wird.

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