Esoterik und Identität

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Es hat Einsprüche gegeben, und auf die müssen wir kurz eingehen. Meiner Behauptung nach sind die esoterischen Entwürfe Sammelsurien von Fetzen, die aus den angestammten Religionen zusammen geholt werden. Die Esoterik holt sich das Ihre von allem, was bei anderen zusagt. Jetzt lautet die Frage, ob das Christentum das denn nicht genau so gemacht hat. Scheint so. Auch in der Christlichen Religion findet sich jede Menge Zeugs aus anderen Religionen. Auch hier wurde jede Menge zusammen getragen und eingebaut. Vielleicht ein paar Beispiele.

Als Christus auferstanden und in den Himmel aufgefahren war, begannen die Jünger auf Christi Wunsch hin, die Kirche zu organisieren. Es zeichnete sich ab, dass Jerusalem auf die Dauer nicht mehr das eigentliche Zentrum würde sein können. Jerusalems Zenit war überschritten. Die große Marke des Untergangs war die Zerstörung des Tempels im Jahre siebzig durch die Römer. Einige Zeit zuvor zogen Petrus und Paulus nach Rom. Sie gründeten, bzw. versorgten eine Gemeinde, legten also den Grundstein und starben dort. Die christlichen Pilger kamen, und mit der Zeit wurde Rom christlich und das Christentum römisch. Die Christen bekamen Kirchenbauten, fingen an, ihre Gottesdienste öffentlich zu organisieren und einen Kult einzurichten. Dabei wurde jede Menge Römisches übernommen, und man kann sagen, dass die christliche Kirche wirklich römisch aussah. Die Priestergewänder sind bis heute den Gewändern der römischen Senatoren nachempfunden. Die Form der klassischen Kirchenbauten sind bis heute nicht jüdisch, sondern römisch-griechisch. Die kirchliche Gesetzgebung, die es ja irgendwann auch geben musste, war und ist ganz den Ansätzen des römischen Rechts entlehnt.
Als sich das Christentum in die Welt ausbreitete, zog es über die Straßen Roms in die verschiedensten Provinzen. Auch da übernahm es immer jede Menge Riten, Bilder, Sprachen und Formen. Das geht bis heute so und legt den Schluss nahe, dass sich auch der „Neue Weg“, wie das Christentum anfangs hieß, nicht doch zu vieler alter Straßen bedient habe.

Ein Wort drängt sich als Frage auf: Wie ist das mit der Identität? Gibt es einen bleibenden Kern, der immer der selbe ist, der nicht von irgendwo anders kommt? Wenn ein Mensch geboren wird, bekommt seine Identität einen Namen. Diese bleibt bis ans Ende. Ob dieser Mensch groß wird, eher klein bleibt, ob er Briefträger wird oder Bauingineur, er ist und bleibt der selbe Mensch. Das ist mit Identität gemeint. Diese hat die Person aus sich. Sie ist nicht geklaut, nicht geliehen und nicht zusammengesetzt. Ganz gleich, ob er nackt oder in Uniform daher kommt, die Identität ist am Ende entscheidend.
Unser Problem führt zur Frage: Hat das Christentum im Zentrum einen eigenen, tragfähigen Kern, der nicht geliehen und zusammengebaut ist?
Für meinen Teil brauche ich nicht länger nachdenken. Ein Katholik schießt gleich „die Taufe, die Messe und insgesamt die Sakramente“ aus der Pistole. Etwas allgemeiner gesprochen werden die Christen aller Kirchen und Regionen sich auf „Taufe und Erlösung“ einigen, wobei die katholischen Sakramente im Grunde nichts anderes sind, als die konkreten Mittel, die Erlösung in die Welt und zu den Menschen zu tragen.

Ich würde in einer ersten Antwort also sagen, dieser Kern ist das Eigentliche. Der ist ein Einfall und eine Gründung Gottes persönlich. Er besteht aus sich selbst heraus und sucht in der Welt lediglich nach Kleidern, in die er sich hüllt, um den Menschen leichter vertraulich zu sein. Die Esoterik dagegen bedient sich der Kleider ohne einen solchen Kern, und wenn Christen irgendwo nur noch ihre Kirchen haben, ihre Gewänder und Riten, ohne noch um das eigentliche Kerngeschäft zu wissen, dann kann sogar das Christentum esoterisch werden.

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4 Kommentare zu “Esoterik und Identität

  1. Danke für die überraschend ausführliche Antwort.
    Bleiben wir auf deinem Pfad: Was ist denn mit den Sakramenten, wenn man genauer hinsieht? Priestertum gab es vorher schon. Hat gewiss über die Jahrtausende neue Akzente bekommen, aber nicht wirklich neu. Kultische Speisezeremonien? Alter Hut, in allen möglichen Religionen. Sterbesakrament? Hat ja im Christentum selber ne Entewicklung durch, aber seitdem es Menschen gibt, gibt es immer wieder unterschiedlich geartete rituelle Begleitungen von Sterbenden und Toten. Taufe? Naja mindestens Johannes der Täufer hat wohl schon vorher getauft. Aber nicht nur er, unterrschiedliche rituelle Waschungen gab es auch in unterschiedlichen Religionen vorher, bishin dass die Täuferbewgung u.ä. ein dem Christentum ziemlich nahes Taufverständnis hatten.
    Ich will jetzt auch nicht falsch verstanden werden. Ich will hier nicht behaupten, das Christentum habe einen Mix aus anderen Religionen genommen, ordentlich geschüttelt und fertig. Eigentlich will ich auch gar nicht in die Details einsteigen, allein schon, weil das für dein Anliegen vielleicht wieder zu wissenschaftlich ist. Aber die Trennlinie ist mir nicht klar. Die Beschreibung, die Esoterik nimmt Altes und macht was Neues draus, leuchtet mir jedenfalls nicht ein. Aber muss es ja vielleicht auch nicht. 😉
    Noch eine Frage zur Identität, weil ich da grad auch dran arbeite: Steht die in deinen Augen zu Beginn fest? (So verstehe ich deine Ausführungen.) Ist also, ob ich als Briefträger oder Ingenieur arbeite, für meine Identität egal und nicht Teil dieser?

  2. Ne, im Gegenteil. Das mit der Esoterik ist geplant als ein Kapitel in meinem Engelbuch. Wenn es da einen Einsprich gibt, dann können wir davon ausgehen, dass der anderen auch einfällt und vielleicht auf der Seele brennt, ohne, dass sie es sagen. Heute nachmittag habe ich wieder etwas frei, dann sehen wir mal. Lieben Gruß!!

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