Die Würde des Höchsten

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Vielleicht erinnerst Du Dich an einen Spruch, den wir im Zusammenhang mit der Liebe sagten? Wer immer jemanden liebt, der liebt auch die Liebe. Gehen wir einen Schritt weiter. Nehmen wir als Beispiel das Wollen. Sagen wir, jemand will nach Hause gehen, ein anderer will bleiben. Beide wollen etwas. Sie wollen ganz verschiedenes, aber beide wollen. Der eine will Muscheln essen, ein anderer will mit einer Rakete zum Mond fliegen. Auch hier wollen beide, auch hier sehr verschiedene Dinge. Nun lautet eine alte Frage: Kann man das Wollen selbst auch wollen? Kann man wollen, dass man will? Ich meine überhaupt? Das wäre dann ein bisschen wie wenn jemand unbedingt schwimmen möchte, egal, ob im Hallenbad oder im Freien, er will auf jeden Fall schwimmen. So stellt sich die Frage, ob ein Mensch sagen kann:

„Ich will wollen,
egal was, was,
aber wollen will ich.“

Wir können die Sache etwas auflösen. Wollen heißt etwas gut finden. Das bedeutet, um etwas wollen zu können, muss man etwas an ihm finden, was einem gut vorkommt. Wer seinen Opa liebt, der findet etwas an ihm gut, auf jeden Fall findet er gut, dass es ihn gibt. Wer Muscheln liebt, der findet etwas an ihnen gut, sei es der Geschmack, das Aussehen oder beides. Er findet aber auf jeden Fall gut, dass es Muscheln überhaupt gibt. Wollen heißt etwas gut finden und alles, was man gut finden kann, das kann von irgendjemandem gewollt werden.
Nehmen wir an, unser Besuch vom fremden Stern taucht wieder auf und sagt uns, er würde einen gemeinsamen, nächtlichen Spaziergang durch das Viertel gut finden. Dann findet auch ein Wesen von einem ganz fremden Stern etwas gut, also kann auch er etwas wollen, genau wie wir. Vielleicht braucht er nicht essen, nicht atmen und vielleicht braucht er keine Augen zum Sehen. Doch auch er ist ein Wesen, das Lust am Wollen hat.
Hinter dem Spaziergang, den Muscheln und den Kinokarten, die jemand will steckt die Tatsache, dass alles etwas Gutes an sich hat. (Wenn Du Freude an solcherlei Gedanken hast, dann kannst Du ja schon mal über die Frage nachdenken, ob man auch etwas Schlechtes gut finden kann und ob daher dann das Schlechte gut ist.)
Ich würde lieber auf einen Grundsatz des heiligen Thomas hinaus, auf den wir hier, im Zusammenhang mit der Würde kommen sollten: Hinter allem Guten steht etwas Gutes schlechthin. Alles Gute ist in seiner Erscheinungsform sehr verschieden, gut ist aber gut und die Güte ist ein Ausdruck einer einzigen, tiefsten Güte. Das jedenfalls sagen unsere alten Lehrer.

Die Frage mit der Würde geht in die selbe Richtung. Könige haben ein würdiges Aussehen, Kaiser sehen würdig aus, Baronen sieht man Würde an und ihren uniformierten Dienern auch. Wenn früher ein Ritter seinen Boten aussandte, dann trug dieser die Farben und die Wappen seines Herren. Der Bote, der selbst gar nicht von adeligem Geschlecht war, kam in der Würde seines Herrn daher geritten. Das würdige Aussehen des Dieners verwies die Leute auf die Würde dessen, den sie erwarten konnten.
Könige stehen unter den Kaisern. Jetzt kann es allerdings nicht sein, dass ein afrikanischer König die Würde des Kaisers von China bezeugt. Dazu sind sie zu verschieden zu weit von einander entfernt. Es kann aber sein, dass beide mit ihrer ganz verschieden aussehenden Würde auf den zeigen, der die Würde schlechthin darstellt.
Früher nannte man das König- und Kaisertum „von Gottes Gnaden“. Daran sollte man erkennen, dass die sehr verschiedenen Könige sich dem einen und gleichen Gott verdanken, und übrigens Rechenschaft abzulegen haben.
So ist es mit den Engeln. Ihre Schönheit ist eine Sache, die nur sie jeweils und für sich haben, es ist ihre Schönheit. Auch die bunte Kleidung des Boten des Barons steht seiner eigenen Figur. Sie gibt aber einen Hinweis auf den, der sendet. Auch die Schönheit des Engels spiegelt als ein schwacher Abglanz die Schönheit der Schönheit an sich. Es wird zu fragen sein, ob der Teufel das auch noch hat oder kann, sollte er überhaupt etwas Erhabenes an sich haben.

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