Der Preis des tiefen Glücks

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Weißt Du wie das in der Kunst mit sogenannt „guten und wirklich guten“ Sachen ist? Wirklich gute Sachen kosten etwas. Damit meine ich gar nicht nur Preise, die man mit Geld bezahlt.
Josef Beuss hat wahrscheinlich Recht, und in jedem Menschen steckt ein Künstler. Vielleicht steckt auch in jedem Menschen ein richtig guter Künstler. Aber wirklich gute Künstler sind nicht schon solche, in denen einer angelegt ist. Rochtig gute Künstler haben geübt, und wirklich richtig gute haben hart gearbeitet, bis sie konnten, was am Ende federleicht aussieht.
Es gibt millionen Fußballer und tausende, die gut sind. An der Spitze gibt es eine Handvoll, die so gut sind, dass sie die besten genannt werden können. Da findet sich aber keiner, der nicht ganze Teile seiner Jugend für seine Leidenschaft geopfert und ein großes Risiko auf sich genommen hat, indem er alles auf die eine Karte Fußball setzte. Hohe Kunst kostet seinen Preis.
Das ist nicht nur mit dem Kunst machen, sondern auch mit dem Kunst genießen. Auch das kostet.

Wir hatten eine Zeit lang einen guten Priester in unserem Dorf, zu dem wir mit allem möglichen kommen konnten. Einmal brachten wir die Musik auf Schallplatten mit, die uns begeisterte. Wir präsentierten sie stolz und fanden unsere Sachen sehr wertvoll. Wir waren nicht gelinde enttäuscht, als uns der schon etwas betagte Geistliche ins Gesicht sagte, was wir da hörten, sei nicht schlecht, aber es sei leider etwas primitiv. Richtig gute Musik gehe anders. Dann spielte er uns klassische Sachen, etwas Jazz und sogar die Chöre der Mönche vor. Das, sagte er, seinder Gipfel der Kunst. Wir verstanden nicht und waren etwas beleidigt. Heute, fast ein halbes Leben später, muss ich meine Fahne einrollen und ihm in allen Punkten Recht geben.
Ich habe das alles damals nicht eingesehen und nicht wissen können. Aber ich erinnere mich, eine wage Ahnung gehabt zu haben, dass mir da irgendwie doch eine höhere Liga vorgespielt wurde. Ich konnte das Entscheidende aber noch nicht verstehen, denn um gute Musik verstehen und gemießen zu können, braucht es auch Zeit und eine Art Einübung.
Ich nehme das mir am nächsten stehende Beispiel: Für mich persönlich gehört es zu den großen Genüssen, in den Büchern des heiligen Thomas zu lesen und Erkenntnisse daraus zu ziehen. Auch das kriegt man nicht umsonst. Man muss erst ein bisschen Latein lernen und gewisse Teile der alten Philosophen verstanden haben. Für den „heutigen“ Genuss solte man auch ein bisschen von den neueren Philosophien im Kopf haben, um auch sie im Licht des Meisters betrachten zu können. Wer sich entscheidet, das zu tun, der muss sich wohl oder übel auf eine etwas längere Lehrzeit gefasst machen. Latein lernen dauert eben etwas. Drunter ist das Vergnügen leider nicht zu haben. Man braucht dazu nicht sonderlich intelligent sein, da sieht man ja an mir. Man muss aber etwas Arbeit in Kauf nehmen. Am Ende schmeckt es dann allerdings auch viel süßer und nachhaltiger. Hohe Kunst verspricht einen gehobenen Genuss.
Man muss wohl auch eine Zeit lang kritisch, bewusst und lernbereit verschieden gute Speisen genossen haben, um die hohe Sterneküche verstehen zu können. Hohe Kunst kostet eben, und ein Volk ist ein armes Volk, wenn es der Kunst nicht gewisse Räume und Zeiten reserviert. Du kannst ohne lange hin zu sehen, sicher sein: Regierungen, die ihre Künstler missachten oder verfolgen, die Kunstschätze der vergangener Kulturen vernichten, sind immer dumme Regime am Ende immer gefährlich und zum Weglaufen, oder besser, zu bekämpfen. Mit der Dummheit lässt sich nicht verhandeln, man muss ihr mit gebotenen Mitteln entgegentreten. Das ist leider so, und die Dummheit entlarft nur, wer selbst nicht dumm ist.

Aber ich will auf etwas anderes hinaus. Die Genüsse des Himmels sind die höchsten, die denkbar sein werden, und das Schicksal wollte es, dass auch sie mit den höchsten Preisen erkämpft und bezahlt wurden.
Viele, gut gemalte Bilder haben Grundierungen, Schichten, die unter dem eigentlichen Bild liegen. Man sieht sie als solche nicht, sie geben dem fertigen Resultat aber ihre Tiefe und ihr geheimnisvolles Durchscheinen. Ohne die Grundierungen wären die Bilder nicht, was sie sind. Auch das Lachen der Engel und Heiligen hat eine Grundierung, das ist der ewige Wille Gottes, die lange Vorbereitung mit Israel und besonders das geheimnisvolle, unendlich tiefe Leiden des göttlichen Wortes am Kreuz. Das meinte ich, wenn ich sagte, der Preis des Glücks wird nie ganz vergessen. Er ist wie die tiefe Grundierung des schönsten Gemäldes aller Zeiten und Welten. Das muss mit gedacht werden, wenn wir auf die Würde der Engel zu sprechen kommen wollen.

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