Die Engel, die ich nicht mag

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Grob gesehen gibt es zwei Vorstellungen von Engeln, mit denen ich nichts anfangen kann. Von der einen haben wir schon am Anfang unserer Überlegungen gesprochen: Es sind die Engel aus den vielen esoterischen Engelbüchern, die sich  haufenweise finden lassen. Diesen „Engeln“ begegnet man auch in den sozialen Netzwerken. Man bekommt irgendwelche Nachrichten, in denen zum Beispiel steht, „ein Engel möchte dich umarmen“, oder „ein Engel lächelt dich an“, oder sonstige Mitteilungen, bei denen der Phantasie keine Grenzen gesetzt sind. Das mag ja alles ganz tröstlich sein, es dürfte aber nicht lange vorhalten.
Ich habe diese Sorte „Engel“ heimatlose Gesellen genannt. Das sollte nicht abschätzig gemeint sein, sondern auf einen Umstand aufmerksam machen. Ich weiß nicht, ob diese „Engel“ eher harmlose Bilder aus der Phantasie sind, ich möchte auch nicht beurteilen, ob da wirklich irgendwelchen spirituellen Wesen hinter stehen. Ich will nur sagen, dass diese Wesen nichts mit jenen Engeln zu tun haben, von denen der heilige Thomas und überhaupt das Chrstentum spricht. „Irgendwelche Geister“ sind noch lange keine Engel, auch wenn sie im Zusammenhang mit Licht und einer Art allgemeinem Wohlfühlen und positivem Denken daher kommen.

Richtigen Engeln sieht man gleich an, dass sie von Gott abstammen, sie sind stets in seinem Namen unterwegs und würden vor lauter, heller Begeisterung nie von etwas anderem sprechen wollen, als von der Größe, dem Licht und der Liebenswürdigkeit ihres Herrn. Ein Engel, der nicht sogleich den Lobpreis des Schöpfers anstimmt, kann kein Engel Gottes sein, und vor allen anderen spirituellen Wesen wäre eher abzuraten bis zu warnen. Die geistige Welt ist sicher wunderbar und märchenhaft, wie am Ende auch der Himmel beides sein wird. Die geistige Welt hat wohlgemerkt aber auch den heiligen Ernst, den auch die Märchen haben.
In einer verwöhnten Gesellschaft, wie der unsrigen, erliegen die religiösen Gedanken schon mal der Versuchung, ins seichte Becken der Nichtschwimmer abzugleiten. Der allgemeine Trend geht offenbar immer in Richtung Gesundheit und allgemeinem Wohlfühlen, wo man nicht mehr ums Überleben kämpfen muss. Das aber ist nicht wirklich religiös. Christus ist nicht gekommen, um uns Fitnessinseln und isotonische Drinks zu organisieren. Er ist vielmehr gekommen, um uns das Überleben des Todes zu sichern. So sehr uns das schom mal schockieren mag, eine Religion, die ernst genommen werden will, sollte das nicht vergessen haben. Natürlich singen die Heiligen den leichten Lobpreis der Erlösten, sie vergessen den Preis aber nicht, den es gekostet hat. Die eine Sorte Engel, die mir also nicht liegen, sind die, die von der Erlösung nichts zu wissen scheinen.

Die zweite Sorte sind die Putten, diese pausbackigen Babyengel, die auf den großen Bildern der Barockzeit immer in den Himmeln umher schweben und um die Köpfe der Heiligen kreisen, wie Bienen um Honigtöpfe. Mich würde das nerven. Solche Bilder hatten in der Zeit, in der sie gemalt wurden, sicher ihren Sinn und ihre tiefe Bedeutung. Das Zeitalter des Barock ist aber vorbei und ich gestehe, dass mir der Zugang zu dieser Welt bislang immer verschlossen blieb. Die Freunde der Prunkwelten mögen mir nicht böse sein, aber ich bin immer froh in der Annahme gewesen, dass der Himmel nicht so sein wird, wie die Bilder es verheißen. Die Luft müsste den ganzen Tag und überall von Babystimmen erfüllt sein. Dass mir das auf die Dauer gefallen würde, glaube ich eher nicht. Für die Kindergärtnerinnen bestünde der Himmel schließlich im Versprechen, dass sie nie Feierabend bekämen.
Was mir aber noch mehr an den Babyengeln missfällt, das ist das gleiche, wie bei den heimatlosen Gesellen. Sie strahlen keine Würde aus, nicht jedenfalls die, die ich meine, die königliche Würde, die von der vornehmen und liebevollen, aber unbezwingbaren Macht dessen Kunde bringen, der seine Welt eines Tages gedenkt, persönlich in Ornung zu bringen.

Huuu, hoffentlich habe ich mir jetzt nicht die letzten Sympathiepunkte der ehr- und hochwürdigen Blogozese verspielt, aber es musste mal gesagt werden… 😉

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6 Kommentare zu “Die Engel, die ich nicht mag

  1. Als dritte Kategorie würde ich noch hinzufügen: Die „Wer-zu-Lebzeit-gut-auf-Erden-wird-nach-dem-Tod-ein-Engel-werden“-Engel. Es gibt viele, die sich das eher unter dem Begriff „Engel“ vorstellen, nicht aber separat geschaffene Geistwesen mit eigenem Willen.

  2. Ist das der Veruch, Reihe „Würde“ und Reihe „Engel“ zu verbinden oder sind die Ausführungen zur Würde mit der des Zimmermanns abgeschlossen?

  3. Yes, es ist ein solcher Versuch. Ich schreibe gerade, als Auftragsarbeit sozusagen, insgesamt an einem Buch über die Engel und Dämonen. Wir sind im letzten Drittel, wo noch die Schutzengel an der Reihe sind, um am Schluss auf die dunkle Seite zu kommen. Da dachte ich, müsste noch das eine oder andere über Macht und Würde gesagt werden, um dem ganzen irgendwie den richtigen Geschmack zu verleihen. „Die Engel, die ich nicht mag“, wären da eine Art Kontrastprogramm zu denen, die eigentlich gemeint sind, und die, wenn man so möchte, die Würde ihres Herrn an den Tag legen. Ich hoffe, ich bekomme es am Ende einigermaßen rund, aber Du kennst ja meinen verwirrten Stil…

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