Das große Drama mit der Würde

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Um es gleich zu sagen: Was wir unter Menschenwürde verstehen, ist in den Büchern des heiligen Thomas nicht zu finden. Thomas kennt und behandelt zwar die Zutaten, der Kuchen wurde aber erst viel später gebacken.
Um auf die frühesten Gedanken einer allgemeinen Menschenwürde zu stoßen, können wir zwar auch bei den Italienern nachsehen, allerdings erst dreihundert Jahre später. Giovanni Pico, ein Graf aus Mirandola bei Modena hat eine Rede hinterlassen, die als eine frühe Urkunde der allgemeinen Menschenwürde angesehen wird.
Aber auch hier war der Kuchen noch nicht, was wir heute im Ofen haben. Es brauchte weitere Philosophen, die über das Menschsein im Vergleich zu allen anderen bekannten Wesen nachsannen und wertvolle Dinge zu Papier brachten.
Man könnte ein ganzes Buch über die Geschichte der modernen Gedanken zur Menschenwürde schreiben, oder einfach eins von den hunderten aufschlagen, die schon geschrieben wurden.
Es sollte nur als klar gelten: Im Rezept stehen moderne Gedanken, und die Moderne hat unser Meister noch nicht formuliert. Da können wir uns winden, wie wir wollen. Es gibt Thomisten, die sich wohl auskennen und versuchen, die Moderne bei Thomas aufzuspüren, um ihn sozusagen als einen von uns oder als Vorreiter der Moderne zu verteidigen. Mir hat das eigentlich nie gefallen. Wir können die Leute lassen, wo und wie sie waren und brauchen ihren Nachfolgern nicht misstrauen.
Es war nunmal Carl Benz, der den Motorwagen Nummer Eins gebaut hat. Da brauchen wir nicht die Ochsenkarren des Mittelalters schon als quasi Autos zu verteidigen. Leonardo da Vinci war ein großer Mann. Es tut seiner Größe keinen Abbruch, wenn seine Hubschrauber noch nicht fliegen konnten.

Thomas schreibt in der Heidensumme einmal, die Engel hätten die „Würde des Menschen“ nicht hinreichend wieder herstellen können, wenn sie anstelle Christi das Opfer der Erlösung gebracht hätten. Es geht dort um die Frage, wie angemessen es gewesen war, dass Christus uns „als Mensch“ erlöst hat. Thomas nimmt sich viel Zeit bei dem Thema. Wir können es hier außer Acht lassen. Es sollte aber klar sein, dass hier mit „Würde des Menschen“ nicht ganz das gleiche gemeint ist, was die Vorrede unseres Grundgesetzes ausdrücken will.
Es gibt aber Parallelen, und deshalb können wir auch in einem Buch über den Gelehrten aus Aquin über die moderne Meinung von der Menschenwürde sprechen. Wir müssen nur gewisse Grenzen beachten, damit es nicht peinlich wird.
Nach der christlichen Anschauung hat der Mensch von Beginn an eine ganz besondere Würde als ganz besonderes Gotteskind. Diese Ehre schien ihm irgendwie zu viel oder nicht wichtig genug. Er warf seine Krone weg und verlor sie. Der Messias musste erst kommen, die Würde, dieses mal für immer, wieder herzustellen. Jetzt trägt der Mensch sein Krönchen auf dem Kopf und leidet doch an dieser absurden, wie geheimnisvollen Neigung, sie immer wieder in die Tonne zu werfen. Der Mensch ist ein Königskind und hat Lust sich zu den Schweinen zu legen. Das ist sein Dilemma, und das ganze Abenteuer mit Gott und den Menschen dreht sich um dieses Drama: Das Schaf bückst aus, und der gute Hirte läuft ihm nach.
Wenn wir aber vom Kern der ganzen Sache sprechen, dann lohnt die Frage, ob die Würde  antastbar und verlierbar ist oder nicht. Das Gesetz des modernen Entwurfs sagt nein. Auch wenn ein Mensch in den Knast wandern muss, auch wenn er sich unwürdig benommen und sich selbst entwürdigt hat: Er ist und bleibt ein Mensch, der auch als solcher zu behandeln ist. Der Kern der Menschenwürde ist unverlierbar. Auch die Gefängnisse müssen deshalb Orte einer menschenwürdigen Behandlung sein.
Hier spricht die alte und immer junge, christliche Lehre ein anderes Wort: Es hat ein Ereignis gegeben, in dem die Menschen und alle nach ihnen etwas so tief gehend verspielt haben, dass das Wichtigste auf normalen Wegen wirklich nicht mehr wieder gut zu machen war. Wie wenn eine Freundschaft nach einem schlimmen Fehler nie wieder so rein und kräftig werden kann, wie sie einmal war. Genau in dieser Wunde hat der Messias das Unmögliche möglich gemacht, auf eine Weise, die das Weltall vor hellem Staunen für einen Moment erstarren ließ. Darüber hätte ich Lust, ein ganzes Buch zu schreiben. Aber soll ich Dir ein Geheimnis verraten? Es gibt zwei Menschen, vor deren Würde sogar sämtliche Engel des Himmels mit lichter Freude ihr königliches Knie beugen. Der eine kann gar nichts dazu, der andere hat es wirklich verdient.

Quellen und Anmerkungen sind in Arbeit.

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