Würde und Anerkennung

bildschirmfoto-2015-03-29-um-12-44-14

Würde haben bedeutet, etwas ganz besonderes sein. Wenn alle Menschen Würde haben, dann sind alle Menschen etwas ganz besonderes, und zwar für sich allein genommen. Jeder weiß, was damit angedeutet ist, dennoch gehört darüber ein Wort gesagt.
An jedem Tag werden auf der Welt unzählige Babys geboren. Es sind ganz viele, und doch ist jedes Baby für seine Eltern das schönste Baby der Welt und das Allerliebste, was sie haben.
Es gibt Milliarden Menschen auf der Welt, aber wenn sich zwei verlieben und finden, dann sind fühlen sie sich, als gebe es niemand anderen mehr Die ganze Welt wird zur Bühne für das Stück dieser einen Liebe. „Du, nur Du allein!“, flüstern sie sich in die Ohren.
Bei unseren Hochzeiten breitet der Priester seine Hände über die Eheleute aus und bittet Gott für seinen Beistand für die Brautleute, die Gott füreinander geschaffen hat. Es wiederholt sich, das Adam erlebte, als ihm seine Eva geschenkt wurde. Das war kein Geschöpf von der Stange. Das war kein Irgendwer, das war die, die eine und einzige, die genau passte. Man hätte weder Eva noch Adam austauschen können. Sie waren von Gott her handgemacht und handverlesen, wie jeder Mensch.
Gläubige Leute sagen schon mal, Gott hat alle Menschen gleich lieb. Das mag nicht falsch sein „alle gleich“ ist aber kein angemessenes Wort für die Würde des Menschen. Ein König hat tausende Kinder in seinem Reich, aber nur eines hat die Würde, der Erstgeborene und Kronprinz zu sein. Alle anderen mögen gleich sein. Dieser eine passt nicht ins Schema.
Wenn wir im Glauben von der Würde sprechen, dann müssen wir sagen, Gott hat nicht alle gleich lieb, sondern viel eher jeden am allerliebsten. „Das geht doch nicht“, wirst Du sagen, „es kann doch nur einen geben“. Doch, es geht, zwar nicht im Vergleich mit allen anderen, da kann es natürlich immer nur einen geben, weil man nur einen sucht. Es geht aber, sobald man das Vergleichen lässt und die Unvergleichlichkeit des einzelnen im Blick hat. Würde haben heißt unverlgleichlich sein und nicht über einen Kamm geschoren werden können. Natürlich gibt es Millionen Kinder, aber für den einen Vater ist dieses eine eben nur genau dieses eine. Christlich gesehen ist Gott der Vater aller einzelnen Menschen, mit Betonung auf einzeln. Jeder Mensch ist nur dieser eine, und jeder kann „ich bin sein ganz besonderer Liebling“ sagen. Darin gründet die Würde in christlichen Augen.

Das mit der Würde sagen nun aber auch jede Menge Leute, die ganz anders denken. Das Gesetz gilt auch für alle, die keinem Glauben oder einen ganz anderen anhängen. Gläubige erklären die Welt mit Gott, dem Schöpfer. Ungläubige erklären ihn ganz ohne, Andersgläubige erklären sie mit ihrem. Erklärt wird aber immer das gleiche, nämlich die Welt, in der wir alle leben, und zu dieser Welt gehört die Pflicht zur Anerkennung der Würde, die alle Menschen haben.
Der Philosoph Immanuel Kant hat interessante Gedanken angestellt. Er sagte dem Sinn nach, alle Gegenstände haben ihren Wert. Ein Huhn kostet weniger auf dem Markt als ein Pferd, aber beide kann man kaufen, vergleichen und im Preis festlegen. Würde haben heißt nun, dass man unter keinen Umständen verhökert werden kann. Wer Würde hat, der hat gar keinen Wert, weil er über alle Wertmaßstäbe erhaben ist. Wert haben, heißt, verglichen werden können. Würde haben heißt unvergleichlich sein.
Wenn das Gesetz nun verlangt, die Würde eines jeden Menschen anerkennen, dann bedeutet das die Bereitschaft, anzuerkennen, dass jeder andere Mensch von seinem Vater und seiner Mutter genau so geliebt und einzig gesehen wird, wie das eigene Kind.
Verhökert werden können heißt, für seinen Herrn da sein. Ein Sklave ist dazu da, das Haus seines Herrn in Ordnung zu halten. Er hat kein eigenes, sondern sein ganzer Lebenssinn liegt im Hab und Gut eines anderen. Würde haben heißt, um seiner selbst willen leben, etwas Eigenes haben und dafür da sein dürfen. Sklaven haben nichts für sich selbst, weil sie selbst nicht interessieren.
Die Väter des Gesetzes haben das alles erkannt und großen Wert darauf gelegt, weil das alles gar nicht lange zuvor im großen Maßstab mit Füßen getreten worden war. Das Regime ihrer Jugend hatten ein System geschaffen, in dem ganzen Teilen der Menschheit die Grundlage ihrer Würde einfach abgesprochen worden war. Die Juden, die Slaven und andere Völker galten nicht im vollen Sinn als Menschen mit Würde. Die Väter, die daraus gelernt hatten, versuchten ein Gesetz zu schaffen, in dem das alles nicht noch einmal möglich sein sollte. Das ist in den Augen der Jungen heute sehr weit weg und nur noch in Schwarzweiß zu haben. Man sollte aber wissen, das Konzept mit der Würde ist sehr empfindlich und kann leicht verletzt werden. Etwa, wenn man sagt, ein halber Mensch sei kein ganzer. Aber davon morgen mehr.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s