Die Liebe und ihr Gegenteil, Part 2.

bildschirmfoto-2015-03-29-um-12-44-14

Auf die Frage nach dem Gegenteil der Liebe werden vermutlich die allermeisten Leute „der Hass“ antworten. Der Hass sei das Gegenteil von Liebe, ungefähr, wie die Dunkelheit das Gegenteil von Licht ist. Die meisten sagen, was man auf den ersten Blick sieht. Ein zweites mal hinschauen aber zeigt, dass das sicher richtig ist, aber dass es als Antwort nicht reicht. Sicher ist der Hass der Liebe direkt entgegen. Auf den zweiten Blick aber schiebt sich aber noch eine zweite Antwort an die Seite. Schauen wir also mal.

Wenn man sehen will, was das Gegenteil einer Sache ist, muss man sich zunächst die Sache selbst ansehen. Die erste Frage lautet also: Was ist eigentlich die Liebe? Wenn wir das haben, dann können wir ihre Gegenspieler ins Visier nehmen. Aber hier wird es gleich schwierig. In der Bibel steht, Gott ist die Liebe. Wenn das stimmt, dann brauchen wir der Frage nicht weiter nachgehen, denn wir können nicht wissen, was Gott ist, also können wir auch nicht wissen, was die Liebe ist. Wir müssen also einen weiteren Anlauf versuchen. Wenn wir nicht wissen, was etwas ist, dann schauen wir am besten, was es tut. Ein Golfspieler ist ein Golfspieler, weil er immer Golf spielt. Wir erfahren viel über die Liebe, wenn wir wissen, was sie anstellt.

Hier lächelst uns eine zweite Schwierigkeit entgegen: Die Liebe richtet sich auf alles mögliche. Kinder lieben ihre Spielzeuge, die Großen ihre Autos. Menschen lieben einander und kleine Tiere lieben die Zuneigung der großen. Die Sprache der Liebe ist die Tat. Manche bringen aus Liebe Blumen, manche bringen sich aus Liebe um. Der eine verzichtet auf seinen Adelsstand, ein anderer baut seiner Geliebten Häuser. Die Liebe tut also viel und ganz Verschiedenes, was sie aber immer tut, das ist leise flüstern: „Es ist so schön, dass es dich gibt!“ Das sagt man zu Häusern, zu Menschen, zu Spielzeug und zu Autos – wenn man sie liebt. Die Liebe bejaht in ihrem Kern also immer das Dasein des Geliebten.

Wenn wir das so sehen, dann ist der Hass natürlich ihr Gegenteil. Der Hass wünscht ja, dass es dem Gehassten schlecht ergeht oder dass es verschwindet. Der Hass mag nicht nur nicht, der Hass wünscht Übel. Insofern ist er der Liebe Gegenteil.
Zum überschwänglichen Bejahen des Daseins gibt es aber noch ein zweites Gegenteil, und das ist die Gleichgültigkeit. Wenn Dir jemand seine Liebe gesteht, dann kannst Du kaum etwas Schlimmeres sagen, als dass es Dir egal ist.

Die Liebe hat zwei Gegenteile:
Den Hass und das Egalsein.

Dem Teufel aber ist nichts egal. Er stürzt sich, wie jeder Engel, mit seiner ganzen Kraft auf alles, der Engel in die Liebe, der Teufel in den Neid. Die Gleichgültigkeit ist müde, sie stellt nichts an. Der Hass aber, dem der Neid zu fressen gibt, der macht sich auf den Weg, um zu verletzen, um zu schaden und zu kämpfen. Hass aus Neid wird niemals müde, und der Teufel ist vor allem eins: Er ist neidisch, weil andere haben, was er in seiner Starrköpfigkeit nicht bekommen kann, weil er selbst es sich nicht gestattet.

Der Neid zählt in der Ordnung des heiligen Thomas zu den sieben sogenannten kapitalen Sünden. Das bedeutet, er sitzt oben und bekommt Kinder. In der Summe werden sechs mit Namen aufgezählt: Da ist der Hass selbst, die üble Nachrede, das Murren, der Jubel über das Unglück des Nächsten und die Traurigkeit über dessen Glück.
Leider müssen wir davon ausgehen, dass die Kinder wiederum ausgewachsene Enkel zur Welt bringen, und das lässt die Sache immer schrecklicher werden.
Man wird also jemandem, der nach der Liebe fragt, raten wollen, er solle am besten auf keinen Fall von ihrem Zug herunter springen. Nun sind wir gewohnt, das alles nicht in die letzten Konsequenzen durch zu rechnen. In unserem Leben können wir die Züge irgendwann wieder betreten. Das heißt, wir können uns besinnen und wieder andere Richtungen einschlagen. Wir können wieder gut werden, wenn wir schlechte Laune hatten. Wenn aber stimmt, was wir bisher über die Engel gesagt haben, dann können sie genau das nicht. Sie wollen immer alles mit ihrer ganzen Kraft und ganz und gar. Da ist dann plötzlich kein Raum mehr für Reue oder andere Einsichten. Böse Engel kann man genau so wenig zum Guten überzeugen, wie gute zum Schlechten. Das ist das Drama der Geschichte, und Leute, die Böses wollen, muss man so lange von den Kindern fern halten, wie sie wollen, was sie wollen. Deshalb wird es am Ende wohl zwei Welten geben, eine für die und eine für die.

Quelle:
Sth II-II, 36, 4, arg 3: Praeterea, videtur quod inconvenienter eius filiae assignentur a Gregorio, XXXI Moral., ubi dicit quod de invidia oritur odium, susurratio, detractio, exultatio in adversis proximi et afflictio in prosperis. Exultatio enim in adversis proximi, et afflictio in prosperis, idem videtur esse quod invidia, ut ex praemissis patet. Non ergo ista debent poni ut filiae invidiae.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s