Engel sind Draufgänger

bildschirmfoto-2015-03-29-um-12-44-14

Der Mensch ist ein faules Wesen. Das meine ich jetzt überhaupt nicht abwertend, im Gegenteil. Die Faulheit steht nur an den Arbeitsplätzen im schlechten Ansehen. Überall, wo es darauf ankommt, möglichst durch Leistung zu glänzen, hat der, der nicht viel zustande bringt den Ruf eines Faulpelzes oder Nichtkönners, was nicht weniger unangenehm ist. Überall aber, wo Leistung nicht interessiert, ist es schick, faul zu sein oder wenigstens faul sein zu können. An den feinen Hotels der reichen Leute wird gerade der am meisten bewundert, der am faulsten herumliegt, weil er sich von Leuten, die das nicht können, bedienen lassen kann.

Ein Blick in die Welt scheint uns zu zeigen, dass die Faulheit auch in der Natur eher eine Tugend, denn ein Laster ist. Gute Pferde springen nicht höher, als sie müssen, und der Löwe läuft nur hinter der Gazelle her, wenn er Hunger hat. Er liegt sicher viel lieber gesättigt im Schatten der Savanne als dass er in der Hitze seine Kalorien verbrennt. Ich mache übrigens auch lieber Ferien, als dass ich tagaus tagein hinter den ständig knappen Kohlen herlaufe.
Faulheit ist nichts Schlechtes, wenn man sie sich leisten kann, deshalb kann ich mir vorstellen, dass man im Himmel wohl den Rasen mähen kann, aber nicht muss.  Letzteres würde nicht passen, arbeiten müssen ist eine Folge des allgemeinen Mangels, und wo Überfluss herrscht, ist auch das überflüssig.

Es gibt noch ein größeres Feld, auf dem die Faulheit fehl am Platze ist, nämlich überall da, wo man sich nicht gehen lassen sollte. Wie ich hörte, gibt es Hunde, die sich beim Futtern gehen lassen, und solche, die nur so viel fressen, wie ihnen gut tut. Denjenigen, die sich gehen lassen, sollte man vermutlich nur so viel geben, wie gut für sie ist. Wer sich zurückhalten kann, dem braucht man nichts zuteilen, weil er das selber macht.
Leider verstehen wir unter sexueller Aufklärung offenbar nur eine Erklärung, wie man Kinder macht und wie man sie verhütet. Kaum einer bedenkt, dass sexuelle Aufklärung vor allem eine Schule der Klugheit sein sollte. Kluge Vögel bauen Nester, bevor sie Eier legen. Gerade die Sexualität ist ein Feld der menschlichen Befindlichkeit, auf dem eher kurzweilige Dinge für das ganze Dasein bedenkenswerte Folgen haben können. Das gilt für die Frage, wie man sich selber im Spiegel ansehen kann, und das gilt für die ganze Chemie des Zusammenlebens. Die Sexualität birgt das tiefste Geheimnis des Menschen, sie berührt auf mysteriöse Weise viel tiefer unsere Seelenschichten als alles andere, was wir mit dem Körper anstellen können. Auf keinem anderen Feld der Welt kann man sich größere Wertschätzung entgegenbringen und tieferes Leid verursachen. Was am empfindlichsten ist, das bedarf am meisten des Schutzes, deshalb sollte man vor das Tor der Sexualität als Wächter die schöne Tugend der Klugheit stellen. Was die allgemeine Schönheit des Menschen angeht, hat das sich gehen lassen also seine Grenze, und schön meint jetzt viel weniger schlank und reich, sondern einen Glanz, die vom inneren Adel her kommt.

Ich bin auf das alles gekommen, weil ich auf einen Satz gestoßen bin, der sagt, die Engel hätten keine Werkzeuge, sich in irgendwas zurück zu halten. Das heißt, worauf immer sie sich richten, darauf stürzen sie sich mit ihrem gesamten Engelsein. In ihnen ist nichts, das sie aus Gründen der Vorsicht oder sonst der Klugheit bremsen müsste. Das liegt an ihrer Einfachheit. Engel sind nicht kompliziert, wie wir, die wir in einer komplizierten Welt leben. Sofern Engel denken, tun sie das nicht durch einen komplizierten Apparat, wie wir, die abwägen, vergleichen und Schlüsse ziehen müssen, um klar zu sehen. Engel sehen und sie sehen gleich alles ganz, was sie sehen. Da braucht es das Hin und Her der menschlichen Welt nicht. Wenn Engel lieben, dann lieben sie ganz und gar, wenn sie hassen, dann hassen sie ganz und gar. Das letztere, das kann ihnen zum Problem werden, aus dem sie nicht mehr heraus steigen. Wer ganz und gar liebt, der hasst nicht. Das ist gut und das große Ziel. Wer aber ganz und gar hasst, in dem regt sich auch nicht mehr die kleine Glut der Liebe. Das beschreibt das Geheimnis, warum die Hölle der Engel einen Ausgang hat, der weit aufsteht, durch den aber niemals jemand heraus marschiert – weil er überhaupt nicht will.

Quelle:
Sth I, 63, 8, ad 3: „Ad tertium dicendum quod, sicut supra dictum est, Angelus non habet aliquid retardans, sed secundum suam totam virtutem movetur in illud ad quod movetur, sive in bonum sive in malum. – „Zum dritten ist zu sagen, dass der Engel nichts hat, was ihn zurückhält. Vielmehr bewegt er sich mit seiner ganzen Kraft zu dem, was ihn bewegt, sowohl zm Guten, wie zum Schlechten,“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s