Zikaden und Schmetterlinge

bildschirmfoto-2015-03-29-um-12-44-14 Gestern hat ein ziemlich großes Insekt versehentlich eine unglückliche Landung auf unserem Balkon vollführt. Es war eine Zikade. Weißt Du, was Zikaden sind? Zikaden sind ziemlich weit verbreitete Insekten, die vom Saft aus den Pflanzen leben. Es gibt sie in unzähligen Arten und verschiedenen Größen. Es gibt sie in verschiedenen Farben und Schönheiten. Die gestern mit der Bauchlandung bei uns war hässlich, fast so lang wie mein kleiner Finger, ziemlich schlank und doch insgesamt dick für ein Insekt. Wegen ihrer starken Hinterbeine und ihrer Sprungkraft würde man sie bei uns mit großen Heuschrecken verwechseln, wegen ihres lauten, zirpenden Geräusches, das sie in den Bäumen machen, mit großen Grillen. Aber Zikaden sind Zikaden. Als ich jünger war, erzählte man uns, sie schlüpften, wie Schmetterlinge, regelmäßig aus ihrer Haut, weil sie anders nicht wachsen könnten. Sie lebten dann als quasi neue Tiere weiter, die alte Hülle ließen sie dann irgendwo liegen. Schmetterlinge machen das so, und schöne Schmetterlinge sind sie erst ganz am Schluss. Bevor sie ihr prächtiges Farbenkleid und die schönen, leuchtenden Flügel bekommen, kriechen sie als unscheinbare und unansehnliche Viecher durch auf dem Boden und Sträuchern umher.

Weißt Du, was die Menschen gern von sich denken? Sie wären wie Schmetterlinge, die kurz vor ihrem schönsten und letzten Schlüpfen sind. Bei den Kommunisten findet man schon mal eine solche Meinung: Die ganze Geschichte der Menschheit sei ein einziger Kampf mit entwickeln, schlüpfen, liegen lassen und weiter marschieren. Erst am Ende krieche endlich der schöne, große Schmetterling aus der Haut, nur, dass er hier der sozialistische Mensch genannt wird. Der wird nicht mehr böse sein, er sieht alles Gute ein und hat gar keine Luster mehr, seinen Nachbarn zu beneiden. Die Nazis hatten auch ein solches Bild. Sie wollten eine schöne neue Welt schaffen, in der schöne, neue Menschen leben würden. Um das machen zu können, dachten sie, müsse man nur verschiedene Völker vernichten oder zu Sklaven machen; Völker, aus denen ohnehin keine Schmetterling werden könnten und die sowieso immer nur stören würden. Verrückt im großen Stil, es ist aber noch gar nicht lage her, da war das alles schreckliche Wirklichkeit. Die Menschen kommen schon mal auf derart absurde Ideen. Wie wenn sie glauben würden, man müsse Mäusen nur lange genug die Schwänze abschneiden, um am Ende Mäuse ohne Schwänze gezüchtet zu haben. Das funktioniert aber nicht, wie doch jeder weiß. Solange sie Mäusegene haben, werden ihnen Mäuseschwänze wachsen. Äußere Operationen ändern daran nichts. Aber so schlau die Technik der Menschen auch ist, was die Raumfahrt und die Medizin angeht, so dumm bleibt er doch mit seinen Ideen. Sei also am besten vorsichtig, wenn irgendwo davon geredet wird, der Mensch sei in einer Entwicklung zum Schmetterling. Ich glaube eher, er wird, wie die Zikade, bleiben, was er ist: Ein Wesen, das nie ohne Verletzungen und Makel zur Welt kommen kann.

Ich will hier jetzt gar keine dunklen Wolken aufziehen lassen und schlechter vom Menschen reden, als er ist. Der Mensch kann mit seinen Träumen, Phantasien, mit seien Wünschen, ja auch mit dem, was er tut und zustande bringt, schön wie die Engel sein. Er kann allerdings auch so unrein in seinem Tun und Wünschen sein, dass er froh sein sollte, keine gute Nase für seinen eigenen Gestank zu haben. Du erinnerst Dich an den Gedanken mit den Stockwerken der Welt? Der Mensch hat scheinbar immer eine gewisse Lust und Neigung, sich ganz oben in der Liste einzuschreiben. Mit der katholischen Philosophie war das eigentlich nie zu machen. Hier steht ganz weit drüber der Schöpfer, der sich eine Welt ausgedacht hat, in der Schmetterling leuchten können, und der in seinem weiten Blick sogar die Zikaden mit Entzücken ansieht. Im ersten Brief an die Korinther heißt es einmal:

„Wenn ich in den Sprachen der Menschen und Engel redete, hätte aber die Liebe nicht, dann wäre ich dröhnendes Erz oder eine lärmende Pauke.“

Thomas hat die Stelle von Paulus kommentiert und sich kurz gefragt, wer mit den Engeln hier gemeint sein könnte. Er schreibt, es könnten durchaus auch Menschen sein, die die Aufgabe von Engeln übernehmen, in dem sie nämlich Gott verkünden. Siehst Du? Hier stellt sich der Mensch nicht oben auf die Leiter, um sich für den Schmetterling zu halten. Hier ist die Leiter nur, was Leitern eben sind, Geräte, auf denen man oben irgendwo ankommt, wo man die Leiter am Ende nicht mehr braucht. Wenn die Engel von Gott erzählen, dann von dem, der sie erleuchtet hat. Sie geben kein Licht weiter, das aus ihnen kommt, sondern eins, das sie von woanders her haben. Engel erleuchten einander und die fröhlichen, unteren auf der Liste, die erleuchten uns. Vorausgesetzt, wir wünschen das.

Quellen und Anmerkungen folgen irgendwann, im Urlaub fehlt mir gerade die Lust zum längeren Stöbern.

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