Sprechen und erleuchten

bildschirmfoto-2015-03-29-um-12-44-14

Wenn Du Hunger hast, dann hast Du das selbe Gefühl wie ein Chinese, der auch lange nichts gegessen hat. Aber wenn Du mir das auf Deutsch sagst, dann verstehe ich das. Den Chinesen verstehe ich nicht, solange er in seiner Sprache mit mir redet. Der Chinese hat nun aber keinen chinesischen Hunger und Du hast keinen deutschen. Hunger ist Hunger und bei allen Menschen gleich, aber die Zeichen, ihn zu bekunden, sind verschieden. Die Worte sind nicht die selben, aber sie sind Zeichen für die eine und selbe Angelegenheit.
Wenn Du Hunger hast und mir das sagst, dann sprichst Du mit mir. Wenn Du Dir aber vorher erst einmal selbst über Deinen Hunger klar wirst, dann sprichst Du bereits mit Dir selbst. Wir wissen ja nicht, wann unser Hunger genau beginnt. Wenn wir ihn spüren, dann ist er immer schon da und mindestens etwas älter als unser Wissen von ihm. Mit Zahnschmerzen ist es dasselbe. Der Zahn ist schon eine gewisse Weile faul, wenn er uns weh tut, und wenn uns der Schmerz bewusst wird, dann hat auch der sich sozusagen schon vorbereitet. Wir spüren den Schmerz erst als solchen, wenn er in gewisser Weise schon reif ist. Die Worte, mit denen wir sagen, dass der Zahn wehtut, bekunden den Umstand, und zwar mit Zeichen, die der, dem wir es sagen, verstehen können muss.

Wörter informieren also. Es gibt allerdings auch Wörter, die viel mehr machen als Umstände bekunden. Es gibt auch Wörter, die Umstände schaffen. Wenn mein Nachbar mir sagt, dass mein VfL Bochum endlich mal wieder ein wichtiges Spiel gewonnen hat, dann informiert er mich über den Umstand. Wenn er mir aber verspricht, mir morgen ein Essen zu kochen, dann steht er im Wort. Ich kann verlangen, dass er es einlöst.
Man kann sich mit Worten, die man sagt, wirklich binden, und man kann mit Wörtern Bindungen lösen. Du kannst mit Worten mit einem Freund Schluss machen. Wenn Du das tust, dann ist wirklich Schluss. Man kann sich mit Worten in Teufels Küche bringen und von seiner Schaufel springen. Wenn zwei Menschen sich an einem unserer Altäre das Jawort geben, dann sind sie anschließend wahrhaftig und wirklich verheiratet, Sie sind anschließend in gewisser Weise neue Leute, nämlich verheiratete.

Das ist alles schon sehr viel,was wir mit unserer Sprache können. In der Schule des heiligen Thomas erzählt man sich aber von einer ganz anderen Sache, die in der Welt der Sprache möglich ist. In der Welt der Engel gibt es eine Weise, sich mitzuteilen, die Menschen nicht beherrschen. Sie nennt sich „erleuchten“. Darf ich das kurz erläutern?
Wenn Dir ein Chinese in seiner Sprache sagt, dass er Hunger hat, dann kannst Du ihn nicht verstehen, höchstens, wenn er gewisse Gesten und Bewegungen dabei macht, die Dir ein wenig helfen. Es nützt aber nichts, sein Chinesisch bleibt Dir unbekannt. Du musst, wenn man so möchte, seine Zeichen lernen, mit denen er spricht. Das ist bei jedem menschlichen Sprechen so, deshalb geben wir uns solche Mühe, fremde Sprachen zu lernen, damit das, was fremde Leute uns sagen, nicht länger fremd bleibt.
Beim erleuchtet werden ist das anders. Wenn ein Chinese Dich erleuchten könnte, dann würde er Dir mit den ersten Worten, die er auf chinesisch sagt, gleich seine Sprache mit beibringen. Das bedeutet, mit dem Licht bringt er nicht nur eine Information, sondern auch eine Fähigkeit mit, die Du bekommst und vorher nicht hattest.

Vielleicht ein Gedanke dazu. Wir Menschen denken immer in Stockwerken. Wir sagen, ein Gorilla ist höher entwickelt als ein Maulwurf. Ein Gorilla kann mehr, ein Gorilla ist uns ähnlicher, deshalb steht er in unserer Einteilung höher. Der Bezugspunkt sind wir; uns steht der Gorilla näher, und von uns ist der Maulwurf weiter entfernt.
Der heilige Thomas dachte auch in Stockwerken, nur dass nicht der Mensch der Bezugspunkt war, sondern Gott. Der Gorilla steht nicht höher, als der Maulwurf, weil er uns, sondern, weil er Gott im Rang näher kommt. Der Mensch steht sozusagen auch auf der Liste und ist in dieser Reihe nicht das Ziel, sondern eher die Mitte. So gesehen steht der Mensch über den Tieren und unter dem Engel. Innerhalb der Engelwelt nun gibt es auch solche Stockwerke. Da gibt es welche, die näher bei Gott und solche, die weiter unten fröhlich sind. Dabei ist zu beachten, dass die höheren Engel näher am Licht Gottes stehen. Sie haben mehr davon, wenn man so will, und wenn sie möchten, dann können sie den unteren Engeln etwas vom Licht mitteilen. Nun ist es aber so, dass die weiter unten stehenden Engel weiter unten stehen, weil sie das Licht normalerweise nicht fassen können. Wie ein kleiner, voller Eimer zwar durchaus ganz gefüllt ist, aber eben doch nicht so viel Wasser aufnehmen kann, wie ein größerer. Wenn nun ein höherer Engel einen niedrigeren Engel erleuchtet, dann gibt er ihm, um im Bilde zu bleiben nicht nur das Licht, sondern auch die Fähigkeit mit, es zu fassen und zu genießen. So jedenfalls sieht es der heilige Thomas.

Anmerkungen und Quellen sind in Arbeit.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s