Wo fängt die Hilfe an?

bildschirmfoto-2015-03-29-um-12-44-14 Du hast sicher schon gehört, dass es für das Schwören in unseren Gerichten eine Formel gibt, die „so wahr mir Gott helfe“ lautet. Wer schwört, der hält seine Hand auf die Bibel. Er verspricht, die Wahrheit zu sagen oder etwas bestimmtes zu tun und ruft Gott zum Zeugen und zur Hilfe an.
Als vor Jahren die Leute einer neuen Regierung ausgerufen wurden, schworen auch sie ihren Eid. Dabei ließen einige von ihnen die Formel einfach weg. Man war überrascht und ich erinnere mich, was Jürgen Trittin auf die Frage, warum er sie weg gelassen hat, damals zur Antwort gab: Es habe ihm noch nie ein Gott geholfen. Er wüsste nicht, warum er jetzt einen anrufen sollte.
Ich fand das alles am Anfang etwas seltsam, wie immer, wenn alte Gewohnheiten durchbrochen werden. Es hätte mir allerdings auch immer schon seltsam hätte vorkommen können, dass zuvor alle Welt genau auf dasjenige Buch ihren Schwur ablegten, in dem steht, man solle überhaupt nicht schwören. Jesus höchstpersönlich riet seinen Jüngern darin, ihr Ja sei ein Ja, ein Nein sei ein Nein. Schwüre auf Gott oder sonst auf etwas seien für ehrliche Leute überflüssig. Aber sei’s drum, der Spruch von Minister Trittin machte nachdenklich.
Sowas gefällt mir, ich habe häufiger drüber nachgedacht, besonders über die Frage, ob er denn Recht habe. Natürlich, ich glaube ihm, wenn er meint, es habe ihm noch nie ein Gott geholfen. Die Frage lautet aber: Hat ihm wirklich noch nie ein Gott geholfen, oder hat er es nur nicht gemerkt? Wenn man dem heiligen Thomas Glauben schenkt, dann war Trittin jedenfalls im Irrtum. In der Summe gibt es ein Kapitel, wo es um die Gnade geht. Darin findet übrigens unsere Definition eine Bestätigung, nach der Gnade ein persönliches Betroffensein von Gottes Anwesenheit ist.

Thomas nennt die Gnade eine Wirkung von Gottes Willen im Leben. die umsonst ist, die man sich also vorher nicht verdient hat. Er sagt allerdings auch, die Gnade, die aus Gott komme, die komme immer aus Liebe und aus Wohlwollen. Dazu gehöre wohl aber auch schon das Dasein selbst und das Leben schlechthin und für sich genommen. Als Kinder unserer Zeit müssen wir wahrscheinlich umdenken. Der Trend unseres Denkens über das Dasein geht Richtung Zufall. Im allgemeinen glauben die Leute, sie seien zufällig auf der Erde gelandet. Als ihre Eltern ein Kind zeugten, hätte es auch ein ganz anderes sein können, sie seien zufällig in ihrem Land geboren und nicht nur sie selbst hätten sich ihre Kultur, ihre Ansichten und ihr Leben nicht ausgesucht. Hinter ihrem gesamten Dasein stehe auch kein bestimmter Wille, sondern nur der Genosse Zufall.
Es war Zufall, dass ausgerechnet die Erde in der Milchstraße entstanden sei, es sei Zufall, dass dort Säugetiere leben könnten und Zufall sei es auch, dass gerade wir Menschen uns entwickelt haben. Beim Zufall bedankt sich keiner und bitten kann man ihn auch nicht.

In der Schule des heiligen Thomas gibt es den Zufall auch, er regiert aber nicht. Das Regieren macht wohl jemand, der ist aber ein lieber König, der alles im Griff und im Auge hat. Deshalb zählt allein schon das reine Existieren, allein die Tatsache, dass wir da sind und an uns herunter sehen können zu den Wirkungen eines Hirten, der seine Schafe einzeln zählt. Gott kennt den Zufall, er überlässt ihm aber nichts.

Im Kapitel mit der Gnade heißt es ganz am Anfang, die Gnade mache erst einmal grundsätzlich etwas, sie stellt etwas an sozusagen. Dann kommt es zur Frage, ob sie das Herz dessen, der sie bekommt, auch verändere. Ob also der, der die Gnade bekomme, nachher nicht mehr ganz der gleiche sei, wie vorher. Hier unterscheidet Thomas: Die Tatsache, dass man da ist, verändert natürlich nichts. Allein, dass Du da bist, macht dich nicht blond oder schwarzhaarig. Dann aber heißt es, dazu aber, dass Du dein glückliches Ziel auch erreichst, dazu müsse der Gütige Dich doch noch präparieren, und auch das höchstpersönlich. Thomas erwähnt dann noch eine seiner Lieblingsstellen aus der Bibel, nach der der Schöpfer alles mit milder Hand leitet und führt.
Wenn die christliche Sehweise auf die Dinge also richtig liegt, dann befand sich Minister Trittin auf dem Holzweg. Allein das Dasein und Leben waren ausgesuchte Gnaden aus der Hand Gottes, um dessen milde Anwesenheit er nur nicht wusste. Auch die Hilfen waren unzählig, nur eben nicht spürbar für jemanden, dem der Sinn dafür abgeht.

Anmerkungen:
I-II, 110,2 co: „Respondeo dicendum quod, sicut iam dictum est, in eo qui dicitur gratiam Dei habere, significatur esse quidam effectus gratuitae Dei voluntatis.“ – „Wie bereits gesagt, in dem, der die Gnade Gottes hat, wird eine Wirkung von Gottes unverdientem Willen bezeichnet.“

„Et sic motus quibus a Deo moventur, fiunt creaturis connaturales et faciles; secundum illud Sap. VIII, et disponit omnia suaviter.“ – Die Bewegung, die von Gott ausgeht, wirkt in Zusammenarbeit mit der Natur und leichtfüßig, gemäß Weisheit 8: „Er ordnet alles auf milde Weise.“

„Multo igitur magis illis quos movet ad consequendum bonum supernaturale aeternum, infundit aliquas formas seu qualitates supernaturales, secundum quas suaviter et prompte ab ipso moveantur ad bonum aeternum consequendum. Et sic donum gratiae qualitas quaedam est.“ – Vielmehr noch bewegt er zur Erreichen des übernatürlichen Gutes. Er gießt gewisse Formen und Qualitäten ein, mit das ewige Gut leicht und milde erreicht werden kann.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s