Der eigentliche Name Gottes

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Was denkst Du, wenn Du jemanden nach seinem Namen fragt, und der antwortet, er sei bei der Arbeit? Du wirst sagen, er hat Dir Deine Frage nicht beantwortet. Auf die Frage nach der Uhrzeit mit „Donnerstag“ oder „Montag“ antworten, beantwortet die Frage nicht. Wer so antwortet, der weicht aus.
Das gleiche dachte ich von Gott, den Mose am brennenden Dornbusch gefragt hat, wie er heiße. Dort hatte Gott „der ich bin da“ geantwortet, und damit ist er ausgewichen. Das dachte ich jedenfalls immer, als ich nur die deutsche, gängige Übersetzung kannte, die immer in den Kirchen gelesen wird.
Die Leute, die es gut meinten, erklärten mir, die Antwort Gottes: „Ich bin der ich bin da“ meinte so etwas wie „ich bin für euch da“ oder „ich bin immer da“. Gott wolle uns durch Mose sagen lassen, dass er bei uns ist. Aber auch das konnte irgendwie nicht befrieden. Warum antwortet Gott an einer solch wichtigen Stelle mit einer halben Antwort und überlässt uns, die zweite Hälfte zu finden? Außerdem: Gerade, wenn jemand für mich da und mir somit ganz nahe ist, möchte ich wissen, mit wem ich es zu tun habe. Nun war das alles nicht so schlimm. Gott hatte genügend andere und hinreichende Antworten gegeben. Aber wirklich lieb konnte mir die Stelle in seiner deutschen Übersetzung nicht werden.

Das änderte sich, als ich die Bibel in Latein lesen konnte. Da stand plötzlich, der „ich bin, der ich bin“ habe mit Mose gesprochen. Das endlich war ein Name! Man musste zwar über ihn nachdenken, es war aber einer, und wie man am besten drüber nachdenken konnte, dabei half mir der heilige Thomas.
Die Übersetzer hatten aus dem „ich bin, der, der ist“ ein „ich bin da“ gemacht. Damit hatten sie es sicher gut gemeint. Sie dachten vermutlich, den Ottonormalverbrauchern, wie wir sie sind, würde die Antwort nicht reichen. Sie scheint zunächst schließlich sehr unvollständig zu sein. Wenn jemand nur „ich bin“ sagt, dann haben wir unwillkürlich das Gefühl, es kommt noch etwas. Entweder jemand ist groß oder klein, reich, arm, nett oder böse. Irgend etwas kommt nach dem „ich bin“. Aber gerade, dass da nichts weiter steht, ist für Thomas der eigentliche Clou. Es wird nämlich etwas angesprochen, was uns immer so selbstverständlich ist, dass wir glauben, es vergessen zu können.

Wenn einer sagt, er sei wütend, dann braucht er vorher nicht erwähnen, dass es ihn gibt. Es sagt auch niemand: „Grüß mir Deinen Mann, wenn er existiert“. Dass die Dinge sind, die wir sehen und hören, ist viel zu selbstverständlich, als dass wir drüber reden. Aber die Alten, die sich ihre Gedanken über solche Sachen gemacht haben, die waren immer der Meinung, das reine Dasein der Dinge, das sei das erste, was wir wahrnehmen, auch wenn wir nicht davon sprechen.
Wenn im dichten Nebel jemand auf uns zu kommt, dann sagen wir als erstes: „Da ist etwas“. Wenn es näher kommt, erkennen wir, dass es ein Mensch ist. Dann vielleicht am Gang oder an der Kleidung, dass es sich um unseren Nachbarn oder sonst jemanden handelt, den wir kennen. Der erste Ausruf lautet aber immer: „Da ist etwas!“, und das sagen wir nicht nur, wenn Menschen auf uns zukommen. Wenn eine Girfaffe durch den Nebel marschiert, sagen wir das genau so, wie wenn es ein Zug, ein Bus oder sonst etwas wäre. Als erstes also sehen wir das da etwas ist. Dann sehen wir sogleich seine Form und an ihr erkennen wir schon mehr.

Hier steigt der heilige Thomas sozusagen ein und sagt, im dem Namen „ich bin, der ich bin“ ist außer dass er ist keine weitere Form genannt. Genau das sei der beste Name für ihn. Gott „ist“, und wir können ihn nicht auf eine weitere Form festnageln. Alle Dinge, die eine Form haben, können etwas werden. Sie können sich ändern, sie können sich ändern lassen. In ihnen kann etwas anfangen und aufhören. Das alles müssen wir in Gott ausschließen. Gott ist ewig, und wenn man so will, immer schon ganz fertig, und das eben in Ewigkeit, ohne es jemals nicht gewesen zu sein. Das ist dann auch ein weiterer Gedanke, der dem Gelehrten beim Gottesnamen einfällt: Er drücke, so Thomas, auch seine ewige Gegenwart aus. Im Namen „Ich bin“ ist keine Vergangenheit und keine Zukunft. Gott ist immer.

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