Ein Wort über das Licht

bildschirmfoto-2015-03-29-um-12-44-14

Intelligenz reicht also nicht zum gut sein. Eigentlich müssten wir besprechen, was wir unter gut zu verstehen haben. Für den Menschen ist es gut, wenn er gesund bleibt. Das gilt auch für unseren Bankräuber. Für die Bank aber ist es gut, wenn ihn am Tag seines Überfalls eine Grippe von der Straße holt.
Für Leichtatlethen ist es nicht gut, wenn es am Wettkampftag regnet, für den Bauern ist es gut, weil sein Getreide Wasser braucht. Gut heißt normalerweise gut für dieses oder gut für jenes, wobei sich das alles mehr und mehr verliert, je mehr es sich von unserer Lebenswelt entfernt ins Allgemeine  verteilt.
Wir können nicht sagen, was gut für den Mond ist und was weniger gut für die Sonne. Wir wissen nicht, ob es gut für das Universum ist, wenn es sich ausdehnt. Vielmehr würden wir hier gar nicht mehr von gut und schlecht sprechen. Wenn ein Planet seine Bahn verlässt das ist das für einen Forscher nur dann schlecht, wenn er seine Berechnungen über den Haufen werfen muss. Ansonsten machen Planeten keine Fehler.

Je nachdem, wie wir die Welt sehen, wird es immer schwieriger, die Wörter gut und schlecht in sie hinein zu tragen. Auf die Dauer setzen wir uns dem Verdacht aus, alles letzten Endes auf ein „gut für uns“ zurück zu führen. Fliegen und Mücken nerven im Sommer. Wir bezeichnen sie aber für gut, weil sie im weitesten Sinn dem Ökosystem dienen und damit sind sie gut für uns. Wir können vom „gut für uns“ kaum abweichen.
Wir sollen die Umwelt schützen, heißt es, damit unsere Enkel noch etwas von ihr haben. Wenn wir ganz konsequent beurteilen wollten, was für die Umwelt vom Vorteil ist, dann wäre vielleicht besser, wenn sie demnächst unsere Enkel nicht mehr hätte.
Wie gesagt, wenn mich eines Nachts ein Außerirdischer besuchte, um uns und unsere Welt kennen zu lernen, würde ich ihm raten, möglichst unauffällig wieder zu verschwinden. Wer uns nur ganz kurz gesehen hat, der hat genug gesehen. Sollten wir Menschen überlegen sein, dann werden wir in kurzer Frist sein Volk erledigen, um an seine Energie zu kommen. Ist er uns überlegen, dann sollte er unserer List nicht über den Weg trauen. Wir haben bisher noch jeden umgebracht, der Land, Gold und Energien hatte, und wenn wir das nicht können, dann machen wir Verträge. Menschlich ist, was Menschen tun. Je länger ich über diese Dinge nachdenke, desto weniger verstehe ich manchmal, was mit der viel beschworenen Menschlichkeit des Näheren gemeint sein soll. Ich will jetzt nicht als notorischer Pessimist in Sachen Mensch klingen. Aber mit dem Begriff Menschlichkeit als obersten Maßstab der Ehtik tue ich mich nicht immer leicht.

Das alles wird für den gläubigen Menschen anders. Wer an im christlichen Sinn an Gott glaubt, der glaubt, dass das Gute einen Namen, und vor allem einen Maßstab hat. Wir meinen mit gut, wie gesagt, gewohnheitsmäßig eher „gut für uns“. Die alten Griechen, die dem Wort „gut“ schon sehr weit auf der Spur waren, hielten denjenigen Menschen für gut, der mit sich selbst im Reinen und nützlich für die Gesellschaft war.
Für die Gottgläubigen weitet sich der Begriff. Gut hat über all das hinaus seinen letzten Maßstab im Gutsein und in der Gutheit des Schöpfers. Wenn der Gläubige „Dein Wille geschehe“ betet, so meint er damit weder nur, dass alles irgendwie menschlicher wird. Er wünscht auch nicht einfach, dass die sozialen Probleme gelöst werden oder die Energiefrage eine Antwort bekommt. Vielmehr vertraut der Gläubige sein Geschick ins große ganze der göttlichen Weisheit. Damit verschwimmen die Linien allerdings auch wieder.

Ich bin gebeten worden, über die Frage zu sprechen, was das angesprochene Licht, das die Intelligenz zum gut sein braucht, denn sei und mache. Nun, Licht zeigt Wahrheit, lautet eine klassische Antwort. Wenn wir im Keller stolpern und das Licht anmachen, dann sehen wir nicht nur, dass uns da etwas im Wege stand, sondern auch was es ist. Unter Umständen sehen wir gleich mit, wer es dahin gestellt hat und was es da soll oder ob es da nichts zu suchen hatte.
Nun wird jeder sagen, ein solches Licht haben denen alle, denen es nicht gänzlich am Verstande fehlt. Das stimmt, und im weitesten Sinn wird gelten, was wir gesehen haben: Gott schenkt den Dingen nicht nur ihr Dasein, sondern auch seine Sonne. Er schafft nicht nur die Vernunft, sondern erleuchtet sie auch. Wer nun an Gott glaubt, der bittet ihn freilich um sein Licht. Damit bittet er allerdings nicht nur, dass er die Dinge sieht und erkennt, sondern auch, dass er sie irgendwie im Licht der großen Weisheit zu deuten versteht. Aber wie gesagt, hier verschwimmen die Grenzen, und vielleicht sollten wir doch ein Wort über Tugend und Gnade verlieren, ein Thema, das ich eigentlich erst viel später anschneiden wollte. Jetzt, auf die Frage hin, scheint es allerdings ganz gut zu passen.

Quellen und Anmerkungen:
Sent De anima, lib. 2. 14, 7: Deinde cum dicit lumen autem ostendit quid sit lumen. Et primo manifestat veritatem.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Gemischtes veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s