Intelligenz reicht nicht

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„Egal, ob Koran oder Bibel, Junge, sowas kannst du doch nicht wollen“, lautete der Satz, der mich gestern stutzig machte. Vier junge Leute stritten. Einer war Katholik mit einer großen, tätowierten, nicht besonders schönen Marienfigur auf der Brust. Einer war Muslim, der sich die muslimischen Gesetze wünschte. Einer war Muslim, der mit der Scharia nichts am Hut haben wollte und einer war Atheist aus moslemischem Haus. Ich wusste das alles später, weil mich der oben genannte Satz stutzig machte und ich zu ihnen ging. Ich stand kaum bei ihnen, da fragte mich der Muslim mit der Scharia: „Warum gehen auch gebildete Leute zum IS?“ Du musst wissen, die vier waren sehr verschiedener Meinung, aber die Ablehnung der Gewalt des IS verband sie wieder.
„Intelligenz reicht nicht“, lautete meine Antwort. „Hitler und Stalin waren auch intelligent und haben trotzdem alles falsch gemacht“. Ich wollte es kurz und einfach machen, wohl wissend allerdings, dass man diesen Vergleich normalerweise nicht so einfach bringen dar. Ich glaubte, etwas Provozierendes sagen zu müssen, um weiter reden zu können und um über etwas sprechen zu können, was mir wichtig schien und was alle verband.
Es ist nämlich so: Wenn du zu Leuten sprechen willst, die verschiedene Meinungen haben, dann brauchst du eine Grundlage, auf der alle zusammen stehen, wo alle zu einer Sache zustimmen können. Wenn du nur zu Christen sprichst, dann kannst du deine Sachen mit Hilfe der Bibel erläutern, denn an die Bibel glauben alle Christen. Wenn aber Atheisten dabei sind, nützt dir die Bibel nichts. Atheisten glauben der Bibel nicht, und du kannst nichts mit Argumenten beweisen, die dein Gegenüber nicht anerkennt. Wenn Atheisten dabei sind, musst du sozusagen einen Gang herunter schalten und auf die bloße Vernunf zurück gehen. Denn an die glauben sowohl Atheisten, als auch gläubige Leute. Man braucht zum gemeinsamen Sprechen immer eine gemeinsame Grundlage.
Es wurde plötzlich stiller, als ich das mit der Intelligenz gesagt hatte, und es stand die Frage im Raum, was es denn meiner Meinung nach dann noch geben müsse, wenn schlau sein allein nicht reicht. „Die Intelligenz muss von der richtigen Seite her beleuchtet werden, damit man das Richtige auch erkennen kann.“
Das Gespräch verlief dann in der Richtung weiter, die ich mir wünschte, was nicht immer der Fall ist. Aber es lief gut und ich wollte über etwas reden, was auch der heilige Thomas öfter erwähnt, unter anderem in seiner Lehre von den Engeln: Dieses geheimnisvolle Licht, das die Intelligenz braucht, um nicht daneben zu liegen und verkehrte Wege zu gehen.

Als Alfred Nobel das Dynamit erfand, wollte er damit einer guten Sache dienen. Er wünschte sich, die Arbeit der Menschen zu erleichtern und ihnen zu helfen. Ein Stoff, der mit gewaltiger Kraft explodiert, wäre nützlich. Nobel war klug genug, um sehen zu können, dass man seine Erfindung auch zu Zwecken missbrauchen konnte, die er gar nicht wünschte. Nobel erfand das Dynamit, und siehe da, wen wundert’s?, es wurde zu beidem benutzt, für den Krieg und für den Frieden.
Eins sollten wir aber sehen: Die Leute, die es für den Krieg einsetzten, die waren nicht weniger intelligent als jene, die es friedlich einsetzten. Die Intelligenz allein ist neutral. Ob man jemanden verfolgt oder ob man davon läuft, beides braucht die gleiche Kraft. Das Laufen ist neutral. So auch die Intelligenz. Deshalb spricht man schon mal von einer Intelligenz, die erleuchtet ist und von einer, der das Licht fehlt.

Im Kapitel über die Engel heißt es, auch sie bräuchten eine Erleuchtung, um ihr eigentliches Ziel erreichen zu können. Über dieses Licht selbst und was es bedeutet, werden wir bald sprechen. Jetzt aber fürchte ich, muss ich etwas sagen, was vielen meiner Glaubensbrüdern nicht gefällt. Das gemeinte Licht kommt wohl von Gott, es ist aber nicht nur für die reserviert, die an ihn glauben. Jesus sagt einmal, die Sonne scheine über Gute und Böse. Das ist die Kröte, die nicht allen die Kehle herunter will: Gott ist auch den Bankräubern nahe, und In diesem Sinne gibt es ein Licht des Schöpfers, das sogar denen leuchtet, die nichts mit ihm zu tun haben wollen. Es leuchtet auch denen, die nicht einmal glauben, dass es ein solches Licht gibt, weil sie gar nicht an Gott glauben. Aber:
Das wahre Licht,
das jeden Menschen erleuchtet,
kam in die Welt,
schreibt Johannes und „jeden“ meint jeden. Das müssen wir erklären.

Quellen und Anmerkungen sind in Arbeit.

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6 Kommentare zu “Intelligenz reicht nicht

  1. Hat dies auf Himmel 1.0 – Sneak Preview rebloggt und kommentierte:
    Ein sehr guter Beitrag von Thomasleser zum Thema Glaube, richtiges Handeln, erleuchtete und nicht erleuchtete Intelligenz, Kommunikation auf Augenhöhe und Gottes Souveränität die Sonne über Gut und Böse scheinen zu lassen.

  2. Wenn du schreibst, das Licht komme von deinem Gott, meinst du dann, ohne ihn wäre es nicht möglich, die Folgen unserer Handlungen zu bewerten?

  3. @Twinkle: Sorry, hab Deinen Kommentar erst spät gesehen und freigeschaltet…
    @Muriel: Antwort kommt, bitte um etwas Geduld, bin derzeit noch in meinen Büchern unterwegs.

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