Esel und Engel

Bildschirmfoto 2015-03-29 um 12.44.14 Wenn ich länger nicht schreibe, dann heißt das nicht, dass ich nicht länger nachdenke. Im Gegenteil. Einzelne Sätze können wie Stolpersteine sein, an denen man hängen bleibt und die einen länger ins Grübeln bringen. Der Satz: „Esel möchten keine Pferde sein“ zum Beispiel war für mich so einer. Man sollte ihn allerdings nicht ganz wörtlich nehmen. Esel wollen nämlich überhaupt nichts, solange wir „wollen“ so verstehen, wie wir es immer verstehen, als bewusstes Wollen nämlich.
Esel „wollen“ satt werden, sie „wollen“ sich vermehren und ihre Art erhalten. Sie wollen sich nicht von der Sonne verbrennen lassen und sie „wollen“ leben und nicht sterben. Das Wollen der Tiere steht in Anführungsstrichen, weil ihrem Wollen etwas „fehlt“, was wir haben. Vielleicht kann man es eine doppelte Ebene nennen. Wir Menschen wollen auch satt werden, überleben und unsere Art erhalten. Wir wissen aber, dass wir es wollen. Das bedeutet, wir können uns zu unseren eigenen Wünschen ein Verhältnis haben. Wir können unser Wollen zum Beispiel gut finden oder nicht.
Wir wollen unsere Wünsche nicht immer haben. Wer dünner werden möchte, der hätte vermutlich am liebsten, wenn ihn sein Wunsch nach Süßigkeiten nicht so oft überfällt. Trinker hätten es gern, wenn sie einfach nichts mehr zu trinken wünschen würden. Menschen können süchtig sein, Süchtig sein bedeutet ja, mit seinen eigenen Wünschen in Konflikt geraten.
Tiere sind nicht traurig, weil sie Appetit haben, sie haben ihn einfach.
Alles, was die Tiere wollen, das wollen sie innerhalb ihres jeweiligen Tierseins. Kühe wollen glückliche Kühe sein, Hunde frohe Hunde und Regenwürmer möchten als Regenwürmer überleben.

Wenn der heilige Thomas das über die Esel in einem Kapitel über Engel schreibt, dann dürfte er damit meinen, dass auch die Engel alles, was sie wollen, nur innerhalb ihres Engelseins wollen. Genau das ist die Behauptung, über die nachzudenken sich lohnt: Auch Eingel und Menschen wollen alles, was sie wollen, innerhalb ihres Mensch- und Engelseins.
Wenn man Kinder fragt, was sie sich im Himmel wünschen, dann wollen sie ihre kleine Welt behalten und dass sie niemand verletzt. Kinder, die ihre Eltern vermissen, wollen genau die wieder haben. Wenn sie sich streiten, dann wollen sie, dass sie sich vertragen.

Kinder wollen vielleicht eine Welt ohne Schule,
aber sie wollen kein Leben ohne ihre Welt.

Weißt du, was ich im Evangelium besonders bezaubernd finde? Dass Jesus nach Ostern seinen Körper wieder hatte. Er erschien als der gleiche Jesus, den seine Jünger immer gekannt hatten, nicht als Film, nicht als Hologramm und nicht als Flaschengeist. Man konnte ihn wieder in den Arm nehmen und man konnte ihm auch wieder ein Bein stellen.
Die Jünger wunderten sich hatten eher eine Art Geist erwartet. Dass er überhaupt wieder kam, war offenbar nicht die große Überraschung. Das Umwerfende war, dass er vor ihren Augen und mit ihnen essen und trinken konnte.

Wie alle großen Geschichten hinterlässt auch diese mehr Fragen als Antworten. Die eine Antwort aber, die sie gibt, ist herrlich: Der Schöpfer hat vor, unseren Kindern ihre Wünsche zu erfüllen. Wir bekommen einander wieder! Es wird also über den Tod hinaus eine wirkliche Welt zum Leben geben. Es wird eine Welt sein, nach der die Kinderherzen sich schon immer gesehnt haben, und mit ihnen alle Leute, die ihre Kinderwünsche nicht verloren haben.
Ich weiß nun nicht, ob wir im Himmel Eseln begegnen. Ich bin gespannt und würde mich freuen. Aber wenn ja, dann werden auch die ihre Weide zum Grasen finden, denn es gehört zu den Wünschen ihrer Eselwelt, köstliches Gras zu finden.
Wenn ja, dann wird der Himmel auch ein Land für Esel sein.
Was aber die Engel angeht, so wirst Du nach allem, was wir bisher gesehen haben, annehmen, sie hätten ihre Welt schon längst oder bräuchten keine Erde zu ihrem Glück. Beides stimmt in gewisser Weise. Es gibt aber einen Haken. Die Engel sind innerlich schon immer irgendwie fertig und sie haben keine Bindung an eine Welt. Doch auch ihr Himmel liegt immer noch außerhalb ihrer selbst. Denn auch ihnen steht noch ein großes Ziel vor Augen, wie bei uns. Auch ihr Glück liegt letztlich im Erreichen einer liebevollen Vereinigung mit ihrem Schöpfer, und so wie die Kinder sich nach ihren Eltern sehnen, so sehnen sich alle Engel nach dem, der sie schuf.

Lk 24, 36 – 42: Während sie noch darüber redeten, trat er selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen. Da sagte er zu ihnen: Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen solche Zweifel aufkommen? Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst. 
Fasst mich doch an und begreift: 
Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht. Bei diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Füße. Sie staunten, konnten es aber vor Freude immer noch nicht glauben. Da sagte er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen hier? Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch; er nahm es und aß es vor ihren Augen.

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