Warum dürfen die Bösen weiterleben?

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Achtung, heute zwei Texte.

Es gibt, wie gesagt, diesen alten Streit um die Frage des Willens in der Natur. Wir haben entdeckt, dass es den elektrischen Strom in der Welt gibt, und als wir heraus gefunden haben, wie er funktioniert, haben wir gleich begonnen, ihn zu nutzen.
Wir haben entdeckt, dass es elektrische Felder und Strömungen in der Welt gibt, und gleich haben wir den Kompass eingesetzt und mehr draus gemacht. Elektrischer Strom und irgendwelche Stromfelder aber sind etwas ganz anderes als Ziele. Der Strom gehört zur Welt wie Wasser, Wind und Wolken. Elektrische Felder auch, sie sind Bestandteile des Universums und Sache der Physik. Es lohnt nicht zu fragen, wie der Strom in die Welt kommt. Er war schon immer da. Bei den Zielen ist es aber ganz anders. Wenn ein Ding ein Ziel hat, dann kommt dieses Ziel nämlich nicht aus ihm selbst und nicht in ihm vor.

Wenn mein Opa ins Dorf marschierte, konnte man ihm nicht ansehen, ob es in die Kirche, in die Kneipe oder in beides ging. Wir können einem Kamm auch nur ansehen, was man mit ihm macht, weil wir Haare haben. Ein Auto ist zum Fahren da, aber das Auto selbst ist da nicht drauf gekommen. Jemand anderes hat es gebaut, weil er fahren und Geld verdienen wollte. Zwecke kommen von außen. Es hat nicht der erste Computer zum Menschen gesagt:

„Ich habe mich kurz selbst erfunden,
damit du besser schreiben kannst.“

Wie hätte er sich selbst ausdenken können, als es ihn noch gar nicht gab? Der Zweck einer Sache kommt aus einem Stockwerk über ihm. „Gott ist der Schöpfer“ sagen alle, die an Gott glauben. Aber dass Gott Liebe ist, das sagen nur die Christen und damit sagen sie, dass Gott sozusagen aus Liebe gemacht ist, dass er nur Liebe ist und dass er alles, was er tut, letztlich nur aus Liebe tun kann.
Dazu muss ein zweiter Gedanke treten. Wer christlich an Gott glaubt, der glaubt nicht nur, dass er lieb ist. Er glaubt auch, dass er alles kann. Allmacht und Liebe sind in der christlichen Verkündigung eins. Im Gegensatz zu dem, was wir in der Welt tagtäglich treffen, ist die Liebe bei Gott mächtig und die Güte voller Macht. Bei uns treffen wir dauernd diese unfähige, müde machende Einseitigkeit. Die Gütigen sind machtlos und die Mächtigen nicht gütig. Erst die kräftige Einheit von beidem macht den christlichen Glauben so kraftvoll, lebendig und trostreich, und aller Zweifel wird eine Frage der Zeit. Es steht nicht mehr zur Debatte, ob Gott alles gut macht, sondern nur noch wann.

Das alles hat Auswirkungen auf unser Thema. Wenn Engel oder Menschen sich entscheiden, die Wege ihres Schöpfers abzulehnen, dann nennen wir sie insofern böse, als der Schöpfer gut ist. Wenn das aber zutrifft, dann müssten die Bösen dem Guten doch nicht mehr in den Kram passen. Sie müssten doch eigentlich getötet werden, bevor sie Eier legen! Genau das geschieht aber nicht, wie wir täglich sehen. Die negativen Truppen der Welt rücken gegen das Leben vor, ohne müde zu werden.

Dauernd nervt uns was,
so gut wir es auch meinen.

Genau darin liegt das Problem des traurigen Zweifels: Wie kann der Gütige gütig sein, wenn er das ungute gewähren lässt? Die Antwort ist gut, aber unbefriedigend, denn sie ist, was wir schon sagten, eine Frage der Zeit. Christus sagt, der Bauer lässt das Unkraut bis zur Ernte wachsen, allein schon, um die guten Wurzeln nicht zu beschädigen. Der heilige Thomas sieht für die Feinschmecker allerdings noch eine weitere Antwort, denn die eine reicht im nicht. Er sagt, das Schlechte kann durch und durch schlecht gar nicht sein. Denn wenn die Liebe wirklich nur liebt, dann liebt sie alles, was ist und alles, was ist, ist liebenswert. Der Schöpfer wird uns am Ende noch jede Menge Fragen beantworten müssen, aber eigentlich kann es gar nicht anders sein. Am Ende muss es sich sogar zeigen, dass es gut war, dass es das Schlechte gab. Ansonsten kippt das ganze Gebäude in sich zusammen und nichts ist mehr da.
Um das ganze nicht falsch zu verstehen: Das Schlechte ist schlecht und bleibt schlecht. Ich mag Leute nicht, die Krankheiten verherrlichen, die vom tollen Leiden sprechen und das Sterben preisen. Leid ist Leid und Leid ist leidvoll. Dass man in Christus die Unschuld der Welt getötet hat, hatte nichts Gutes in sich. Es war böse, schmutzig, frevelhaft und ein schrecklicher Spiegel, den sich die Menschen da aufgestellt haben. Am Ende aber wird es sich doch als gut herausstellen, dass Christus für uns gestorben ist. „Gehabte Schmerzen hat man gern“, heißt es. Das meint aber, dass sie vorbei sind. Ich gehe nicht gern beichten, aber ich habe gern gebeichtet. Wir brauchen die Bösen nicht lieb zu finden. Aber der Grund der Welt, der die Liebe ist, findet genügend an ihnen um sagen zu können, dass auch sie existieren dürfen.

Quellen und Anmerkungen:

Mt 13,24 – 30: Und Jesus erzählte ihnen noch ein anderes Gleichnis: Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte.  Während nun die Leute schliefen, kam sein Feind, säte Unkraut unter den Weizen und ging wieder weg.  Als die Saat aufging und sich die Ähren bildeten, kam auch das Unkraut zum Vorschein.  Da gingen die Knechte zu dem Gutsherrn und sagten: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen Acker gesät? Woher kommt dann das Unkraut? Er antwortete: Das hat ein Feind von mir getan. Da sagten die Knechte zu ihm: Sollen wir gehen und es ausreißen?  Er entgegnete: Nein, sonst reißt ihr zusammen mit dem Unkraut auch den Weizen aus.  Lasst beides wachsen bis zur Ernte. Wenn dann die Zeit der Ernte da ist, werde ich den Arbeitern sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es in Bündel, um es zu verbrennen; den Weizen aber bringt in meine Scheune.

Sth I, 20, 2 co. Respondeo dicendum quod Deus omnia existentia amat. Nam omnia existentia, inquantum sunt, bona sunt, ipsum enim esse cuiuslibet rei quoddam bonum est, et similiter quaelibet perfectio ipsius.
– Gott liebt alles, was existiert. Denn alles, was existiert, ist gut. Das Sein eines jeden Existierenden ist gut, und jegliche Vollendung seiner selbst auch.

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2 Kommentare zu “Warum dürfen die Bösen weiterleben?

  1. Sehr richtig.

    Übrigens zur Illustration von „gehabte Schmerzen hat man gern“: Man höre sich einmal (nur als Beispiel) bei jungen Gefreiten um. Wie sehr die darauf stolz sind, daß man mit ihnen (tatsächlich oder angeblich) in ihrer Grundausbildung noch etwas härter umgegangen ist als mit dem nachfolgenden Quartal!

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