Der gute Kern jeder Liebe

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Die Frage: „Kann denn Liebe Sünde sein“, war dem Klang der Worte nach einmal ziemlich populär. Sie ist der Titel eines Schlagers, der zur Zeit deiner Großeltern das Publikum von der Straße geholt hat. Jeder kannte das Lied, und jeder kannte die Frage. Ich muss aber ein Geständnis machen: Ich spreche nicht gern von Sünde. Sicher, man muss es irgendwann tun, allein schon, weil alle Welt das Wort im Munde führt. Alle sprechen es so selbstverständlich aus, wie wenn sie Kaffee, Milch und Zucker sagen. Man versündigt sich gegen die Umwelt, man sündigt, wenn man zu viel Kuchen ist. Man spricht von süßen, sündigen Verführungen, wenn es um das Spiel der Liebe geht. Wenn ich nun sage, dass ich nicht gern darüber rede, dann liege ich wohl eher neben dem Trend.

Ich muss genauer werden. Kennst Du den Unterschied zwischen reden und plaudern? Beides sind Formen des Sprechens. Plaudern ist schön, aber was man plaudert, ist nicht wichtig. Wenn man es lässt, fehlt der Welt nichts und wenn man vergisst, was geplaudert wurde, hat es keine Folgen. Es ist wie mit einem Hobby. Man hat es und man sollte vielleicht eins haben, aber wenn deine Mannschaft am Wochenende verliert oder wenn dir die Puzzleteile ausgehen, beides räumt dir nicht das Geld vom Konto. Plaudern gehört zu den schönen, aber unwichtigen Dingen des Lebens.
Wenn man dagegen richtig redet, dann bleibt etwas über. Wirkliche Gespräche sind nicht oberflächlich, sondern bewirken Nachhaltigkeiten. Gute Gespräche vergisst man so schnell nicht und tiefe Gespräche können ein ganzes Leben verändern.

Plaudern ist schön und wertvoll, ebenso wie das Spiel. Beides hat nach außen keinen Sinn, aber nach innen großen Wert. Die einzigen, die nicht plaudern, sind die Mönche und Nonnen in den Schweigeorden. Mönche reden wenig und plaudern nie, und Menschen mit Verstand wollen weder die Klöster abschaffen, noch wollen sie die Welt in ein Kloster verwandeln. Es hat schon seinen Sinn, wenn eine Speise sehr wohl Salz, aber nicht zu viel hat.
Nun lässt sich leicht beobachten, dass über die Sünde in unserer Lebenswelt viel gesprochen, aber immer nur geplaudert wird. Die gewohnte Rede von der Sünde macht nichts, sie richtet nichts aus und es soll auch nichts zurück bleiben. Wenn ich sagte, ich spreche nicht gern von der Sünde, dann meinte ich wirkliches Reden. Das tu ich nicht sonderlich gern und man mag es in der Welt auch nicht. Wer will schon an seine wirklichen Schwächen erinnert oder mit der Nase auf seine Fehler gestoßen werden? Wir reden nicht gern über Steuererklärungen, solange wir sie unfertig auf dem Schreibtisch liegen haben und noch erledigen müssen. Sind sie endlich fertig und abgeschickt, plaudert es sich ganz gut über sie.

Der heilige Thomas war ein Professor und Ordensmann. Tief gehende Reden zu führen gehörte zu seinem Beruf und vom Typ her lag ihm das Plaudern nicht sonderlich. Wenn in der Schule des Thomas also vom Menschen die Rede ist, dann geht es immer gleich zur Sache. Die Frage: „Kann den Liebe Sünde sein?“, kommt aus der Plauderei der Schlagerwelt. Die Antwort des Thomas: Liebe selbst könne nie Sünde sein, wohl aber ihre Weise und die Weise, sie zu bekommen, meint den wirklichen Menschen und beleuchtet sein Fundament.
In der Liebe selbst kann nichts verkehrt sein, in der Freude an und für sich genommen auch nicht. Was soll falsch an der Freude sein, einen Ferrari zu fahren? Einen zu stehlen aber nimmt dem Paket die Unschuld. Die Freude selbst hat immer irgendwie einen unschuldigen Kern. Beim Drumherum aber gibt es immer irgendwelche Vorgaben.

Um noch kurz auf die Engel zu kommen: Sie alle lieben, was sie lieben und sie lieben die Liebe. Darin kann nichts Falsches sein. Mag der eine oder andere Engel auch böse genannt werden. Innen hat er immer diesen Kern, einfach lieben zu wollen und geliebt zu werden.
Ich weiß wohl, manchmal heißt es von Menschen oder Engeln, sie seien durch und durch böse. Thomas kann da nicht mit und wird das nicht sagen. In seiner Schule kommt auch alles Böse immer noch aus dem Guten. Auch das Sinnlose verdankt sich dem Sinnvollen, nicht anders und schon gar nicht umgekehrt.

Sth I, 63, 2, co.: In spiritualibus autem bonis non potest esse peccatum dum aliquis ad ea afficitur, nisi per hoc quod in tali affectu superioris regula non servatur.

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Ein Kommentar zu “Der gute Kern jeder Liebe

  1. Der Mensch braucht und lebt durch wirkliche und tiefe Gespräche.. Vieles ist mir persönlich, manchmal viel zu oberflächlich..
    Dein Artikel hat mir wieder mal gezeigt, wie sehr mir sie mir fehlen. Die guten und tiefen Gespräche. Es bedarf guter Freunde und Menschen dafür.. Leider nicht leicht zu finden..
    Das viel mir jetzt spontan dazu ein..
    Es gefällt mir, was Du gerade in deinen Artikeln schreibst😀..

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