Kann denn Liebe Sünde sein?

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Wenn die Leute etwas älter werden, und ein junger Kerl sagt ihnen, sie sehen aber schon alt aus, dann gibt es zwei Sorten der Reaktion. Die einen sind ein bisschen beleidigt, die anderen nehmen es gelassen oder schmunzeln sogar. Für die einen ist das Älterwerden ein Problem, für die anderen weniger bis gar nicht.
Wenn Du einen älter werdenden Menschen treffen willst, dann sagst du ihm am besten also nicht, dass er älter aussieht. Die Chance steht nur fünfzig zu fünfzig, dass ihn das berührt. Wenn der Schuss sitzen soll, dann sage ihm nicht, er sei alt, sondern er sei altmodisch. Das trifft so ziemlich jeden. Altmodisch sein bedeutet, hinter der Zeit stehen und nicht mehr auf der Höhe sein. Älter werdende Menschen haben da meistens die größten Probleme mit, wogegen es Menschen, die schon alt sind, egal geworden ist, sofern sie nicht nur ihr Alter, sondern auch die Weisheit des Alters erreicht haben.
Ein alter Freund, der eigentlich gar nicht alt war, hat mir einmal gesagt, früher hätten die Menschen eine höhere Lebenserwartung gehabt als heute. Ich wollte gerade widersprechen und das übliche sagen, als er mir dem eigentlichen Witz das Wort abschnitt: Früher erwarteten die Menschen ein ewiges Leben nach ihrem Tod, heute eher nicht mehr.

„Früher wurden die Leute fünfzig plus ewig,
heute werden sie nur noch achtzig.“

Daran schien eine Menge zu sein. Es hat mich einigermaßen nachdenklich gestimmt, und damit hatte mein alter Freund sein Ziel schon erreicht. Du weißt ja, ich bin ein gläubiger Mensch und zähle damit in der Sache meines alten Freundes zu den Leuten von früher. Das hat jetzt allerdings nichts mit dem biologischen Alter zu tun, sondern mit der Einstellung, die ich zum Leben habe, mit meiner Erziehung und viel mehr noch mit den Freunden, die mir im Leben begegnet sind und mich geformt haben.
Ich weiß jetzt gar nicht, wie Du das für Dich siehst, aber in dieser Frage zu den Alten gehören, hält einen jung und macht zugleich alt. Jung hält es einen, weil man vom Geistigen her lebt. Wir sehen das nicht gleich oder eigentlich nie, aber unsere geistige Seite kann nicht alt werden. Alt werden kann nur, was körperlich ist.

Schon mal drüber nachgedacht? Gedanken können nicht moderig werden oder altern. Als meine Oma einmal ohne ihr Gebiss mit offenem Mund eingeschlafen war, sah sie für mich, als Kind wirklich alt aus, was sie ja auch war. Aber als sie erwachte, erzählte sie mir ihren wunderschönen Traum. Der war so jung wie ein Kommunionkind. Sie war über die Wiesen ihres elterlichen Bauernhofes gerannt und hatte mit den Kindern ihrer Jugend und den Tieren dort in der Sonne gespielt. Gedanken und Träume werden nicht alt, und als mir ein alter, gläubiger Mann einmal sagte, er freue sich darauf, bald seine liebe Frau wieder zu treffen, die schon lange gestorben war, da freute er sich auf seine junge Braut.
Das Geistige wird nicht alt, deshalb können die Engel schließlich auch nicht alt werden. Der Engländer Chesterton hat einmal irgendwo geschrieben, Gott sei zugleich viel älter und zugleich viel jünger als wir. Damit hat er den Nagel auf den Kopf getroffen. Wenn es den Gott gibt, den wir verkünden, dann ist das so.
Aber wenn ihn gibt, dann gibt es auch ein zweites. Dann gibt es nämlich auch jede Menge Dinge, die mit ihm jung bleiben. Dazu gehört alles Geistige, das nicht vergeht und alles Körperliche, von dem Gott sozusagen Lust hat, es im Sein zu erhalten.
Zu den Dingen, die nicht altern, gehören zum Beispiel auch seine Gaben. Gott ist uralt, aber wenn er einen Menschen segnet, dann ist der Segen immer frisch, wie der Morgentau auf der Wiese. Ein Priester kann alt sein wie ein Stein, die Gabe, die er vom Altar herunter auf unsere Zunge legt, ist jung wie ein Neugeborenes.

Zu den ewig jungen Dingen zählen auch die ganz alten Grundpfeiler des Daseins. Dass die gesamte Welt zum Beispiel auf Liebe und Geborgenheit aus ist, das kommt nach Meinung der Gläubigen direkt und immer frisch aus Gott. Jedes Kind sucht die Mama, jeder Soldat ruft irgendwann nach ihr. Alle wollen Freundschaft und geachtet werden. Dass das so ist, weiß jeder, aber dazu braucht es keinen Glauben und keine religiöse Aufklärung. Überraschend ist auch nicht die Information, dass Gott die Welt so gemacht hat. Überraschend ist, dass er selbst so ist. Deshalb kann, um die Frage von oben zu beantworten, weder die Liebe, noch das Verlangen nach ihr Sünde sein. Wohl aber die Weise, auf die man versucht, an sie heran zu kommen. Und damit sind wir bei einem Satz, der in der Lehre des heiligen Thomas von größter Bedeutung ist und über den ich als nächstes gern sprechen möchte.

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