Die Liebe und ihr Gegenteil

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Jede Freundschaft ist frei und es gibt keine, die nicht frei ist. Das bedeutet allerdings auch, dass jede Freundschaft immer ein bisschen gefährdet ist, eben wegen der Freiheit. Das ist alles ein bisschen komisch. Auf der einen Seite haben wir eine Sehnsucht nach Sicherheit, danach, dass uns das Schöne nicht genommen wird. Auf der anderen Seite verlangen wir, dass gerade das, was uns wichtig ist, diese Gefährdung hat. Jeder Mensch will einen Freund haben. Wenn Du ihm aber anbietest, einen zu bekommen, der zu dieser Freundschaft nicht mehr ja und nein sagen kann, dann wird er dankend ablehnen. Es wäre nämlich keine Freundschaft.

Es gibt Psychopaten, die sperren einen geliebten Menschen in den Keller. Wenn der einmal darin hockt, kann er nicht mehr raus. Der Entführer hat sein Opfer zwar immer in seiner Nähe, aber wer möchte ein solches Verhältnis Freundschaft nennen? Die beginnt doch erst da, wo beide freien Willens und gern beieinander sind. Wir verlangen nach Freunden. Wir verlangen aber auch nach Freiheit und Wahrhaftigkeit, vielleicht sogar als erstes. Eigentlich beginnt eine Freundschaft erst wirklich, eine zu sein, wo man nicht mehr dauernd Angst haben muss, dass sie einem genommen wird. Freundschaft beginnt erst wirklich dort, wo man einen Freund hat, auf den Verlass ist. Auf der anderen Seite möchten wir nicht, dass die Freiheit verloren geht. Der Zauber liegt darin, dass einer gehen kann, aber nicht will.

Das alles bedeutet, dass die Liebe in der Freiheit gefährdet ist, und in jeder Liebe gibt es ein paar Dinge, die ihr schaden und ein paar Dinge, die sie sofort beenden. Wenn sich zwei Eheleute lieben, dann ist es blöd, aber nicht so schlimm, wenn einer von beiden eine Laune hat. Launen nerven, sie zerstören aber nicht.
Dann gibt es ein paar Dinge, die würden alles mit einem Schlag beenden und nachher könnte es nie wieder so werden, wie es vorher war. Die wohl gravierndste Sache hat die Zerstörung sogar im Namen, sie heißt in der klassischen Sprache Ehebruch, weil sie mit einem schlag die Ehe zerbricht, und was einmal zerbrochen ist, das wird seine Risse behalten, auch wenn man es flickt. Manchmal ist, was man macht ganz leicht und die Folgen sind ganz schwer. Wir wollen das nicht immer wahr haben, es ist aber so und wir müssen da gar nicht peinlich drum herum reden. Es ist nicht viel dabei, mit einem anderen Menschen in die Kiste zu steigen. Aber manchmal ist es glatt unmöglich wieder gut zu machen, was damit einmal zersprungen ist.

Ich würde an dieser Stelle gern kurz einen Gedanken einschieben, der selten wirklich durchdacht wird, nämlich: Leben ist nicht gleich leben. Man sagt von einem Leben, das keine Freude mehr macht, das sei doch gar keins. Genau genommen ist es natürlich leben, weil es ja lebt. Aber Leben im Vollsinn, dazu gehört eine gewisse Qualität, Lebensqualität eben. Das bedeutet in etwas krassen Worten, es gibt auch ein Leben, das irgendwie tot ist. Ein totes Leben lebt weiter, und wir wünschen ihm, dass es wieder zu leben beginnt.

Wenn ein Leben wirklich endet, dann ist es zu Ende. Wenn es wieder zu leben begänne, dann wäre das nicht das alte Leben, sondern irgendwie ein ganz neues. Ähnlich, wie ein Traum zu Ende geht, den man nicht weiter träumen kann. Fangen wir wieder das Träumen an, dann beginnen ganz neue Träume, selbst wenn sie in den gleichen Geschichten landen. Weil das alles so ist, deshalb ist unsere Liebe und unser Leben so kostbar. Die Sprache meiner Religion hat für diese Umstände ein eigenes Wort, nämlich das der Heiligkeit. Das Leben ist heilig und die Liebe ist heilig. Beides kommt aus der Quelle der Heiligkeit und beides möchte wieder zu seiner Quelle zurück und irgendwie immer mit ihr vereint sein, weil die Quelle irgendwie alles ist.

Die Gegenbewegung zum Leben und zur Liebe nennt sich landläufig Hass. Hass heißt eigentlich nur, dass man von etwas will, dass es vergeht. Deshalb kann auch die Liebe hassen, nämlich den Hass. Die Liebe möchte nicht, dass der Hass sie kaputt macht, und deshalb heißt es schon mal, dass die Liebe den Hass hasst. Das alles hört sich wie Wortspiele an, aber hinter ihnen stehen Umstände, die es wirklich gibt. Wenn man also eine Liebe hat, dann verlangt diese immer auch danach, beschützt und behütet zu werden. Die Liebe will gepflegt sein und in dieser Pflege zu ihrem eigenen Leben und Wachstum kommen. Um es in den Worten der Schule zu sagen, aus der wir das alles haben: Die Liebe versucht die Sünde zu meiden, denn die schadet ihr. Damit wären wir auch schon beim Thema.

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