Menschliches Vertrauen und das Erkennen der Engel

Bildschirmfoto 2015-03-29 um 12.44.14

Der Text wurde gerade nochmal leicht verändert.

Auf der Arbeit habe ich leider immer nur wenig Zeit. Deshalb konnten wir auch gestern nur kurz über das Vertrauen sprechen. Vertrauen hat etwas mit Ehre zu tun. Wenn wir jemandem vertrauen, dann ehren wir ihn damit. Wir zeigen ihm, dass er es wert ist, nicht kontrolliert werden zu müssen.
Muss ein Mann oder eine Frau einen Detektiv ansetzen, der seiner Partnerin oder ihrem Partner hinterher schnüffeln und Fotos machen muss, dann ist das ein Zeichen dafür, dass man ihm nicht trauen kann. Schon gemerkt? Ein Partner, dem man nicht trauen kann, ist gar kein Partner. Wirkliche Partner können sich in die Augen sehen, und zur Partnerschaft gehört das Vertrauen genau so wichtig, wie Möhren in die Möhrensuppe. Deshalb kann in einer Religion, die dem Mann erlaubt, mehrere Frauen zu heiraten und sie wieder zu entlassen, eine Ehe nicht als Partnerschaft beginnen. Partner haben gleiche Rechte, jedenfalls nach unserer Grundauffassung, und wenn der eine den anderen rauswerfen kann und der umgekehrt ohne Widerstand gehorchen muss, dann kann das als alles mögliche anfangen, nicht aber als Partnerschaft. Es kann wohl eine entstehen, wenn da Liebe und gegenseitige Anerkennung wächst. Beim Beginn aber fehlte die nötige, beiderseitige Freiheit, die es nach unserer Auffassung braucht.

Aber zurück zur Ehre. Einem Menschen, dem du zeigst, dass man ihm glauben kann, ohne seine Aussagen hinterfragen oder prüfen zu müssen, dem zeigst du, dass du das größte von ihm hältst, was Menschen voneinander halten können: Dass man sich sozusagen blind auf sie verlassen kann. Wenn dir dein Partner sagt, er geht zu seinem Freund und du musst denken, dass er vielleicht nicht die Wahrheit gesprochen hat, dann ist der dir weniger wert. und hat deine Partnerschaft nicht verdient.

Schlimm wird es immer, wenn jemand Vertrauen verdient und wenn man ihm dennoch misstraut. Dann geht der Vorwurf zurück auf einen selber. Wenn du verdienst, dass ich dir fest vertraue und nicht glauben kann, dann liegt das Problem bei mir, nicht bei dir. Schickt meine Partnerin mich zum Markt, um Essen zu besorgen und ich verspreche, auf dem schnellen Weg wieder zu kommen, dann kostet es eben Überwindung nicht stehen zu bleiben bei den Freunden, die mich auf zehn Bier einladen. Es kostet Überwindung zu zeigen, dass du mir mehr wert bist als die schönen Stunden mit den Freunden beim Bier. Es kostet dich aber sicher irgendwann das selbe Maß an Überwindung, mir zu trauen und nicht der Versuchung des Misstrauens nachzugeben. Vertrauen ist nicht leichter als Vertrauen zu verdienen.

Wenn du mir gestattest, weiter über die Engel nachzudenken, dann ist zu sagen, dass sie auch hier wieder etwas nicht haben, was bei uns selbstverständlich ist. Zunächst einmal: Engel sind untereinander nicht auf Glauben und Zweifel angewiesen. Engel müssen nicht glauben, weil sie keine Anlässe zum zweifeln haben. Engel sehen immer alles entweder ganz klar oder gar nicht. Bei uns ist das anders. Wenn du eine grüne Wand siehst, dann musst du mit einrechnen, dass dein Auge dich täuschen kann, dass das Licht nicht ganz stimmt oder dass die Kontraste in deinem Bild Täuschungen hervorrufen können. Bei uns kann es tausend Gründe geben, die unseren Blick täuschen. Du zweifelst, weil du nicht alles klar sehen und wissen kannst. Bei den Engeln fallen alle diese Gründe weg.

Ein anfangs vielleicht etwas fremder Gedanke: Engel können sich innerlich nicht irren. So etwas Ähnliches haben wir auch. Zum Verständnis ein Gedanke, der dem heiligen Thomas wichtig und geläufig ist: Er spricht von „ersten Grundsätzen“, die es gibt und in denen auch wir uns nicht täuschen können. Ein Baby, das noch so klein ist, dass es noch so gut wie nichts lernen konnte, kann schon Zeichen von ja oder nein geben. Es dreht den Kopf schon weg, wenn etwas nicht schmeckt und wendet sich umgekehrt schon zum Guten hin. Es irrt sich da nicht. Es dreht sich nicht weg, wenn es schmeckt. Wenn Möhren munden und Senf nicht, dann hat der „erste Grundsatz“ nichts mit Möhren oder Senf zu tun. Er meint viel mehr, dass das ja ein ja meint und das nein ein nein.

Ein anderes Beispiel: Wenn jemand erwähnt, dass ein Ding in Teile aufgeteilt ist, dann hat er vorher verstanden, dass Teile immer kleiner sind als das ganze. Auch hier ist ganz gleich, ob Käsekuchen oder Ländereien gemeint sind. Teile sind Teile und das Ganze ist immer größer. Wenn man so möchte: Da gibt es kein Vertun. Es gibt in uns etwas, was wir immer und automatisch richtig sehen. Du kannst mir überhaupt nichts mitteilen, wenn du nicht irgendwie immer schon weißt oder vielleicht eher spürst, dass größer immer größer meint und kleiner immer kleiner. Hier behauptet der heilige Thomas, dass es ein paar kleine Grundsätze gibt, in denen sich der Mensch nicht irren kann, genau so wenig, wie er wollen kann, dass es ihm grundsätzlich schlecht geht. Das sind nur kleine Beispiele dafür, dass auch wir so etwas wie automatisch richtig haben. So erkennen auch die Engel automatisch richtig, und zwar alles, was sie überhaupt erkennen.

Ich muss sagen, am Anfang, als ich davon las, klang es immer etwas fremd, dass der Mensch in den „ersten Grundsätzen“ nicht irren kann. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto verständlicher wird es mir.

Die Quellenangaben sind in Arbeit.

ScG II, 47, 3: Quod est per aliud, reducitur in id quod est per se tanquam in prius: unde et, secundum philosophum, in VIII Phys., mota ab alio reducuntur in prima moventia seipsa; in syllogismis etiam conclusiones, quae sunt notae ex aliis, reducuntur in prima principia, quae sunt nota per seipsa. 
– Was durch ein anderes Bestand hat, das kann auf das Frühere zurückgeführt werden. Aristoteles sagt im achten Buch der Physik, das von anderen Bewegte wird auf das erste Bewegende zurück geführt. In vernünftigen Schlussfolgerungen, die durch andere bekannt sind, werden zurück geführt auf erste Grundsätze, die für sich und durch sich bekannt sind.

Sth I, 63, 1, ad 1: Ad primum ergo dicendum quod in Angelis non est potentia ad esse naturale. – In den Engeln gibt es in ihrem natürlichen Sein keine Möglichkeit irgendwie etwas anderes zu werden.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s