Wenn der Wille festmacht

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Wenn man mit Leuten zu tun hat, die etwas genauer nachdenken können, dann sollte man versuchen, auch möglichst etwas genauer schreiben, und etwas genauer bedacht ist Freiheit nicht gleich Freiheit.
Wer im Knast sitzt, kann sich wohl frei für eine Reise auf die Malediven entscheiden. Er ist aber nicht frei genug, die Reise auch anzutreten. Knast heißt eben Freiheitsentzug. Es gibt also eine Freiheit, die man entziehen kann und eine, die man behält. Die Freiheit der Entscheidung, nämlich reisen zu wollen, die bleibt. Unsere Demonstrationen für die Freiheit auf den Straßen fordern immer die, die man erstatten und verweigern kann. Entscheidungsfreiheit kann man nicht fordern, die hat jeder.
Es gibt auch Möglichkeiten in der Freiheit, die man wohl hat, aber nicht nutzt. Mein Onkel Herman ist frei, sich Drogen zu besorgen, er ist aber nicht so dumm, es zu tun. Die reichen Leute in ihren Palästen sind frei, in die Elendsviertel ihrer Städte zu ziehen. Sie verzichten in der Regel aber auf diese Möglichkeit ihrer Freiheit.
Damit sind wir schon beim Thema, das die alte Lehre die „Festigkeit des Willens“ im Guten oder auch im Bösen nennt. Im Reichtum ist kaum jemand so dumm, ihn zu verlassen, wenn er nicht gezwungen wird. So lange er kann bleibt der Reiche bei seinem Reichtum und sein Wille festigt sich ganz in dieser Richtung. Die Festigkeit des Willens ist von dieser Art: Man kann, was man nie tun wird.

Zugestanden, auf Erden gibt es Verrückte und es gibt Kluge, die verrückt aussehen. Deshalb scheinen uns die Dinge nicht immer so eindeutig. Unsere Heiligen findet man schon mal in ziemlich elendigen Vierteln, für die sich die Meisten der Welt nie entscheiden würden. Die Heiligen hausen bei den Armen, um bei ihnen zu sein und ihnen zu helfen. Wer ihnen Millionen in die Hand drückt, muss mit ansehen, wie sie die mit einem Lächeln weiter verschenken. In den Augen der Welt ist das total verrückt und sieht nach einer Befestigung des Willens in der Dummheit aus.
Aber wenn man mit den Heiligen spricht, dann sind sie alles andere als dumm und finden bei ihren Armen eine Freiheit und einen Reichtum, den man sehr ernst nehmen sollte. Man kann über die Heiligen viel schreiben und sagen, und in einer Welt, die verschweigt, was sie nicht kapiert, kann man das wohl nicht genug tun. Um die Heiligen aber zu verstehen, geht man sie am besten besuchen.

Wir sind bei den Engeln. Thomas schreibt, sie hätten eine Art endgültige Festigkeit im Guten, und das bei bleibender, voller Freiheit. Man kann das ähnlich verstehen wie das mit den Wohlhabenden in der Welt. Sie sind in aller Regel nicht so dumm, um ihr angenehmes Leben aufzugeben. Die Umstände können sich allerdings ändern. Ein Sohn der Familie erkennt einen neuen, spirituellen Weg und ist bereit, dafür alles zu verlassen. Ein anderer gibt einen Teil den Armen und findet darin sein Glück. Wieder anderen wird genommen, was sie gern behalten würden. Im Leben auf Erden gibt es nichts, was es nicht gibt, und es gibt viel Freiheit und wenig Sicherheit. Das liegt daran, dass die Umstände der Welt sich ständig ändern können.
Mit den Engeln und Heiligen im Himmel sieht das anders aus. Die Heiligen haben die unbeständige Welt hinter sich gelassen und die Engel waren ihr nie unterworfen. Beide sind nun da, wo die Umstände gleich bleiben, wo die Dinge nicht in Gefahr sind und wo es keine Armen gibt, die gern reicher wären. Gott ist der selbe, ihre Welt bleibt die selbe und sie sind die selben. Sie haben alles, was sie sich wünschen und wünschen sich nichts was sie nicht bekommen könnten. Ihre grundsätzliche Freiheit aber ging nie verloren.
In ihrer Freiheit haben sie immer irgendwie ihr Glück gesucht. Jetzt haben sie es und können gar nicht anders, als in ihm bleiben wollen. Der Wille steht fest in dem, was sie haben. Das Himmelstor kann sperrangelweit aufstehen, niemand wird gehen.
Das legendäre Tor zur Hölle steht übrigens auch weit auf, und auch da kommt niemand heraus. Es gibt auch da keinen anderen Zwang außer den des eigenen Wollens. Wer will, kann gehen, es will aber niemand. Weder hier noch dort. Es gibt eine Festigkeit des Willens im Guten. Es wird allerdings auch eine im Bösen geben, und über die wird zu reden sein.

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