Die Engel in der Esoterik

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Ich beginne mit einem Regelverstoß. Es ist kein guter Stil, immer gleich zu betonen, wer und was man auf keinen Fall ist, wenn man gebeten wird, von sich zu erzählen. Peppone schießt auf die Frage, für was er steht, sofort aus der Pistole: Auf keinen Fall für die rückständige des Don Camillo! Die Fans von Schalke leben vor allem davon, keine Dortmunder zu sein und umgekehrt. Es ist immer etwas peinlich, wenn Prominente als Gläubige erwischt werden und sofort ängstlich in die Halle rufen, dass sie aber mit Rom nichts zu tun haben. So ist es wohl eine Regel des guten Stils, seine eigene, positive Sache beschreiben zu können, ohne die negative Folie irgendwelcher anderen zu benötigen. Gegen diese Regel werde ich jetzt verstoßen.

Wer über den Teufel schreiben soll, der muss über die Engel schreiben, weil der Teufel zu den Engeln gehört. Wenn ich hier also ein Wort über die Engel zu verlieren habe, dann möchte ich gleich betonen, dass sie mit den herkunftslosen Gesellen der Esoterik wenig gemein haben.
In den Foren im Netz und in unzähligen Büchern schildern alle möglichen Leute irgendwelche Erlebnisse mit geheimnisvollen Lichtwesen, die sie Engel nennen. Ich möchte hier gar nicht sagen, das sei alles Unsinn, Einbildung oder ausgedacht, um Aufmerksamkeit oder sonst etwas zu bekommen. Ich würde viel mehr raten, dem Licht nicht über den Weg zu trauen. Irgendwelche Leute, die an der Haustür sammeln, sind irgendwelche Leute. So lange sie nicht den Zweck ihrer Sammlung darlegen, und sei es ihr eigener, leerer Magen, bleiben sie irgendwelche Leute. Und irgendwelchen Leuten irgend etwas geben ist nicht klug.
Ich bin noch nie einem Engel begegnet, aber wenn einer käme, dann hätte er sich gefälligst auszuweisen, und zwar sofort, bevor er sein Licht anzündet und seine Trickkiste öffnet.
Schaufeln sind zum Schaufeln da, mit Löffeln wird gelöffelt und mit Fahrrädern gefahren. Die Namen der Dinge verraten ihr Amt. So auch bei den Engeln. Wenn sie für uns überhaupt etwas sind, dann Boten, wie ihr Name sagt, und ein Bote, der seinen Auftraggeber nicht nennt, ist vor allem ein schlechter Bote. Da interessiert auch nicht, wie schön das Licht um in glänzen mag, wie schön er Autos auf die Seite räumt oder fallende Steine auffängt. Wenn ich nach meiner kurzen Recherche richtig sehe, dann sind die Engel der Esoterik, so hübsch oder mächtig sie daher kommen, allesamt heimatlose Gesellen oder wenigstens solche, die von ihrer Herkunft nicht erzählen. Wer solche in sein Leben lassen möchte, wird am Ende selber Schuld sein, wenn er an der Nase herum geführt wurde. Die Frage, die an die Engel allen Ernstes zu richten sei lautet: „Worum geht es hier und was ist Dein Auftrag?“ Wenn sie dann nicht stante pede in liebevollem Entzücken ihr höchstes Vergnügen, den Allerhöchsten im Munde führen, dann sollte man ihnen sofort die Tür und einen Vogel zeigen.

Aber genug der Abgrenzung und genug vom Licht, das nicht mehr von sich zu erzählen weiß, als das es Licht ist. Lieber zu einem, der immer gewohnt war, so redlich und vollständig von den Dingen zu sprechen wie er konnte. Thomas nimmt sich Zeit und sagt alles, was zu sagen ist. Wo er über die Engel spricht, da stehen sie immer an genau dem Ort, an den sie gehören. Besonders zu nennen ist hier das letzte umfangreiche Werk, an das Thomas sich begeben hat und das er nicht zu Ende brachte. Hier tut der Meister seinen letzten, großen Wurf und versucht, wenn man so möchte, alles zu beschreiben. Es handelt  zu erst von Gott als Gott und von Gott, dem Dreieinen. Schritt für Schritt untersucht er, wie man das mit der Dreifaltigkeit Gottes verstehen kann und wie die Personen in Gott hervorgehen können. Danach untersucht er, wie die anderen Dinge, die nicht Gott sind, aus ihm stammen und im Dasein stehen können. Damit nähert er sich dem Ort der Engel. Sie sind körperlose, geistvolle Geschöpfe. Die werden in Ruhe abgehandelt, bevor die Frage der eigentlichen, biblischen Schöpfungsgeschichte ansteht. Die ist vor allem eine Frage die mit Scheidung, Unterscheidung und Vielfalt zu tun hat. Es wird Licht von der Finsternis geschieden. Das Materielle kommt zur Sprache und die Frage, wie Geist und Materie zusammen gedacht werden können. Hier taucht der Mensch auf, insofern er in besonderer Weise aus Geist und Materie gebaut ist. Es geht in aller Ausführlichkeit weiter und der Mensch wird von allen Facetten her beleuchtet, durchdacht und gesehen, bis sich langsam die Frage nach der allgemeinen Lenkung der Welt stellt, die ja nun einigermaßen fertig betrachtet werden kann.
Das zweite, große Buch dieser Summe handelt dann vom Menschen als solchen, von seinem Ziel, seinen Anlagen, seinem Vermögen und seinen möglichen Schwächen und Problemen. Hier tut sich auf, dass der Mensch seine Heimat nicht mit der Selbstverständlichkeit ansteuert, wie Pfeile ins Ziel fliegen. Gott schuf ihm eine Hilfe in der Menschwerdung und in den Sakramenten. Davon handelt das dritte Buch, das leider nicht ganz fertig wurde und dass beim Sakrament der Versöhnung plötzlich abbricht. Der Engel aber steht am Anfang der Erzählung von der Schöpfung, und der Teufel, der hat darin nur zwei wenige, kurze Kapitel. Allein das ist sehr bezeichnend.

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