Nur Gott allein ist zu wenig

Bildschirmfoto 2015-01-25 um 12.58.50

Ein Gott kann kein Held sein. Zum Heldentum gehört nämlich, dass einer etwas aufs Spiel setzen kann, und zwar etwas von sich selbst, sich selbst ganz persönlich. Ein Held ist einer, der um jeden Preis siegen will. Vor allem aber ist er einer, der wirklich verliert, wenn er verliert. Deshalb wird ein Gott es niemals zum Helden bringen können. Er hat zu viel, um alles geben zu können und steht zu sehr drüber, um in der Welt der Helden mit zu mischen.

Maximilian Kolbe war ein Held. Er war nämlich ganz einer von denen, bei denen er lebte, auch im KZ. Er gab sein Leben ‚all in‘ und warf alles ins Spiel. Er verlor und konnte genau deswegen nicht verlieren. Das nackte Leben seines Kameraden war ihm so wichtig, dass er sein eigenes, nacktes gering achtete. Aber er hatte wenigstens eins.
Gott hat kein Leben, weil er das Leben ist. Gott hat keinen Reichtum, er ist der Reichtum selbst. Deshalb kann er immer nur mehr sein als ein Held, ein Held aber wird er nie, nicht als Gottheit.

Wenn ein Reicher sich in arme Klamotten steckt und auf der Straße mitspielt, dann bleibt das ein Spiel von oben herab. Er setzt nichts ein. Wenn er alles verliert, dann winkt er sich ein Taxi herbei und kehrt ohne Probleme in seinen Palast zurück. Auf der Straße wird man sagen, er war nie einer von ihnen und deshalb kann er wohl ihr Gönner, nie aber ihr Hero sein.

Wenn ich nun sage, Gott habe den Trick der Menschwerdung angewandt, um unser Held sein zu können, dann muss ich vorsichtig sein. Es stimmt nämlich, aber es stimmt nur einseitig. Gott wollte unser Held werden, nicht, weil er es nötig gehabt hätte. Er wurde ein Held, weil die Welt einen Helden braucht. Nur deshalb ‚musste‘ er einer von uns werden. Er ward ein Mensch, und zwar echt und wirklich, nicht gespielt. Er ist derart Mensch geworden, dass kein Taximann einen Pfifferling auf ihn gegeben hätte. Wenn Jesus einem Kandidaten für seine Gefolgschaft sagte, er müsse sich auf etwas gefasst machen: Der Menschensohn habe keinen Flecken auf Erden, wo er sein Haupt ausruhen könne, dann war das mit dem ganzen Ernst ausgesprochen, den es auf Erden haben kann. Er war wohl der Prinz, der auf die Erde kam. Er behielt im Gegensatz zu den Schnöseln dieser Welt aber sein Erbe nicht in der Hinterhand. Für die bibeltreuen Leser schildert das der Philipperbrief:

„Er war Gott gleich,
er hielt aber nicht daran fest,
Gott gleich zu sein.
Er entäußerte sich und wurde wie ein Sklave,
den Menschen gleich.
Sein Leben war das eines Menschen.
Er erniedrigte sich
und war gehorsam bis zum Tod,
bis zum Tod am Kreuz.
Darum hat ihn Gott über alle erhöht
und ihm den Namen verliehen,
der größer ist als alle Namen,
damit alle im Himmel, auf der Erde und unter der Erde
ihre Knie beugen vor dem Namen Jesu
und jeder Mund bekennt:
‚Jesus Christus ist der Herr‘
zur Ehre Gottes, des Vaters.“

Das ist der Lobgesang auf einen wahren Helden, der nichts für sich behielt. Die Theologen streiten seit je über die Frage, wer Jesus, der Christus wirklich war. Die einen betonen seine Gottheit um seiner Majestät willen. Damit haben sie Recht, aber nur so lange, wie sie zugeben: Er war auch ganz Mensch, und ganz Mensch heißt, der Held der Welt werden können.
Andere betonen so sehr seine Menschheit, dass sie seine bleibende Gottheit nicht mehr halten können. Nur die große Theologie hält den Spagat und bewahrt beides: Jesus Christus war ganz Mensch, ganz wirklich und ganz Gott, ganz wirklich. Damit konnte er der größte aller Helden werden, und der heilige Thomas beschreibt, wozu vor allem: Nur so konnte Gott uns zeigen, wie lieb er uns hat, und nur das kann der letzte Anstoß für uns sein, ihn wieder zu lieben.

Anm.:
Sth III, 46, 3, co: Per hoc homo cognoscit quantum Deus hominem diligat, et per hoc provocatur ad eum diligendum, in quo perfectio humanae salutis consistit. Unde apostolus dicit, Rom. V, commendat suam caritatem Deus in nobis, quoniam, cum inimici essemus, Christus pro nobis mortuus est.

Durch das (Leiden Christi) erkennt der Mensch, wie sehr Gott ihn liebt. Das führt ihn dazu, ihn wieder zu lieben. In dieser Liebe besteht nämlich die Vollkommenheit des menschlichen Heils. Daher sagt der Apostel in Rom 5: „Gott aber hat seine Liebe zu uns darin erwiesen, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s