Jesus tat, was niemand ahnen konnte

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Die Erlösung ist eine christliche Behauptung. In keiner anderen Religion ist von ihr die Rede. Wenn man so möchte, haben die Christen die Erlösung überhaupt erst eingeführt, und manche sagen, sie hätten sie erfunden, um sie dann einführen zu können.
Der Vorwurf ist ungefähr der selbe, wie man ihn der billigen Werbung bei uns macht: Die Apothekenumschau sagt den Leuten, sie hätten Rückenprobleme und sorgt erst einmal dafür, dass sie auch wirklich welche haben. Wenn dann das Problem entstanden ist, dann hat die Apotheke neben dran auch gleich das passende Mittel.
Die Werbung sagt den pubertären Kindern nicht nur, wo sie ein Mittel gegen ihre Pickel finden. Sie informiert erst einmal, dass sie Pickel haben, und welche genau. So etwa behaupten die Spötter, gehe das Christentum zu Werke. Es rühre den Leuten unter, dass sie ein Problem haben, von dem sie gar nichts wussten, um im gleichen Atemzug das Mittel dagegen anzubieten.
Die Sache ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Das Christentum behauptet in der Tat nicht nur, den Erlöser zu kennen. Es verkündet zunächst, dass der Mensch überhaupt einen braucht.
Jesus sagt dem Petrus zur Fußwaschung: „Wenn ich dich nicht wasche, hast Du keinen Anteil an mir“, und die Skeptiker sagen, das Christentum hätte für den Sand an den Füßen gesorgt. Wenn nun den Christen ein solcher Vorwurf gemacht wird, dann können sie ihr Problem mit guten Gründen weiter geben. Der Christus der Schrift wäre ohne schmutzige Füße nicht auf die Waschung gekommen.

Wenn Kinder den Winter erleben, dann tun sie das nicht mit dem Wissen im Hinterkopf, dass es bald Frühling wird. Sie erleben ihn einfach und sozusagen zeitlos. Sie bedenken im Schneegestöber nicht, dass die Leute ein paar Monate später in Badehosen auf der selben Wiese liegen werden.
Bei Minusgraden im Auto, wenn die Heizung ächzend gegen die Kälte kämpft, kann sich auch der Erwachsene nicht vorstellen, wie das sein wird, wenn er ein halbes Jahr später im selben Auto nicht weiß, wie er vor der Hitze davonlaufen soll. Die Erwachsenen wissen das in ihren Köpfen, auch wenn die Vorstellung im Winter nicht für den Sommer reicht. Die Erwachsenen erfinden das nicht, sie wissen es aber.

Als in Christus der Messias kam, trat er mit dem Anspruch auf, über den Sommer hinaus zu wissen, dass die Menschen in der kommenden Jahreszeit ein Problem haben werden. Das Empfinden der Jahreszeit gibt aber nicht her, wessen sie, aufs Ganze gesehen, bedürfen. Das gilt auch für die Christen. Christus, und nur er allein, ging los um vorzusorgen. Die Christen teilen dasselbe Schicksal, das alles nehmen zu müssen.

Bei Johannes heißt es:
„Euer Herz lasse sich nicht verwirren.
Glaubt an Gott und glaubt an mich!
Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen.
Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt:
Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten?“

Es ist der Christus der Schrift, der sagt, das Beziehen der Wohnung setze voraus, dass er, nicht wir, sie zuvor bereite. Die Vorbereitung auf die kommende Jahreszeit bedeute mehr, als was wir ohne ihn leisten können. Ein äußeres Geradebiegen von Verfehlungen, Verzeihung oder Entschuldigung allein reichten nicht. Der Mensch bedarf offenbar einer tieferen Vorsorge, was den kommenden Sommer angeht.
Die Leute aller möglichen Religionen haben wohl geahnt, dass mit den Göttern nicht alles in Ordnung war. Irgendwas musste repariert werden. Das Volk Christi erwartete in ähnlichem Empfinden seinen Messias und lieferte manche Vorstellung, was er wohl würde tun müssen. Niemand aber konnte ermessen, was Christus da sagte. Der heilige Thomas schreibt, die ganze Erlösung hätte nicht sein brauchen, wenn man irgendwelche Bedingungen oder Notwendigkeiten bedenke, die man hätte annehmen können. Nur hinsichtlich dessen, was der Schöpfer erreichen wollte musste sie sein. Was das alles aber sein würde, dass konnte niemand ahnen, wissen oder voraussagen.

Anm.:
Sth III, 46, 2, co.:
„Respondeo dicendum quod aliquid potest dici possibile vel impossibile dupliciter, uno modo, simpliciter et absolute; alio modo, ex suppositione. Simpliciter igitur et absolute loquendo, possibile fuit Deo alio modo hominem liberare quam per passionem Christi, quia non est impossibile apud Deum omne verbum, ut dicitur Luc. I. Sed ex aliqua suppositione facta, fuit impossibile. Quia enim impossibile est Dei praescientiam falli et eius voluntatem sive dispositionem cassari, supposita praescientia et praeordinatione Dei de passione Christi, non erat simul possibile Christum non pati, et hominem alio modo quam per eius passionem liberari. Et est eadem ratio de omnibus his quae sunt praescita et praeordinata a Deo, ut in prima parte habitum est.“

„Ich sage, etwas kann auf zwei Sachen mögich oder unmöglich sein. Einmal einfach und absolut, andererseits hinsichtlich einer Voraussetzung. Einfach und absolut gesagt war es für Gott natürlich möglich den Menschen auf andere Weise zu befreien als durch das Leiden Christi. Weil ’nichts ist bei Gott unmöglich‘, wie Lukas im ersten (I,37) Kapitel schreibt.
Hinsichtlich einer gewissen Voraussetzung aber war es doch unmöglich. Weil es nicht sein kann, dass Gottes Vorherwissen trügt, dass sein Wille oder seine Fügung aufgehoben werden, und weil das Leiden Christi im Vorherwissen und in der Vorherbestimmung Gottes vorgesehen war, deshalb konnte konnte der Mensch nicht gleichzeitig anders als durch Christi Leiden befreit werden. Das trifft übrigens auf alles zu, was Gott vorhersieht und bestimmt.“

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