Dem Elton John sein Jesus

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Es war eins von tausend Gesprächen mit jungen Leuten, wie man es jeden Tag irgendwo führen kann. Wann es war, kann ich nicht sagen, ich weiß wohl aber, dass ich damals zu den jungen Leuten gehörte. Ein Geistlicher war. auch dabei. In den Bildern meiner Erinnerung habe ich noch die handelsübliche Bemerkung eines Mädchens, und ich weiß noch, dass mich schon damals von irgendwo ein Anflug von Skepsis anwehte. Das Mädchen sagte etwas wie: „Für mich ist Jesus aber nur ein Mensch.“ Das „nur ein Mensch“ hatte keine besondere Wirkung auf mich. Dieses „für mich“ war das Problem.
Sir Elton John sagte viele Jahre später, „für ihn“ sei Jesus ein sympathischer, homosexueller Mann, wofür er gleich mal in Ägypten ein generelles Spielverbot erntete. Auch hier war mir wurscht, was Jesus nun sein sollte, meine Skepsis lag auf dem „für mich“. Es hat für niemanden eine Bedeutung, außer für den, der es sagt. Wenn uns der Nachbar sagt, für ihn sei die Erde flach, dann ist das nicht mehr wert, wie wenn sein Söhnchen behauptet, sie sei ein großer Wackelpudding.
Wenn der Mond im Unterricht für Sternenkunde aus dem Zusammenstoß von Vorformen der Planeten entstand, dann hat es keine Bedeutung, wenn er für einen der Schüler eine Riesenkugel aus Käse ist.
Wenn Sir John Jesus für schwul hält, dann ist das von gleicher Bedeutung, wie wenn mein Freund Murat sagt, er sei ein Muslim, der am Ende der Tage wieder komme, um dem Christentum endlich den Garaus zu machen.

Wir können nicht beschließen, dass unser Nachbar ein Eskimo ist, wir können ihn nur fragen, wer seine Vorfahren sind. In der Schule des heiligen Thomas, in der wir uns hier erkundigen, geht es nicht um die Frage, wer Jesus „für Thomas“ oder sonst jemanden ist. Die Sachen werden von einer anderern Seite bearbeitet. Gott hat aus seiner ewigen Sicht auf die Dinge beschlossen, aller Welt zu zeigen, wer er ist, und er hat die Weisen des Menschen gewählt, das weiter zu sagen. Zum Pfarrer von Ars sollen einmal Leute gekommen sein, die sagten, sie dienten Gott auf ihre Weise. Es heißt, er habe gelächelt und gesagt, sie sollten mal versuchen, das auf seine zu tun.
Die Lehre geht so: Christus kam auf die Erde. Er predigte, tat Wunder und verkündigte eine Botschaft, die jeder kapieren konnte, der wollte. Ab einem gewissen Punkt aber tat er ganz unverständliche Dinge. Er wusch seinem Jünger die Füße, was  völlig neben allem lag, was man erwarten konnte. Er sagte dem verdutzten Petrus: „Was ich tue, verstehst du noch nicht“, und der Jünger musste es geschehen lassen. Dann liefen die Dinge ganz und gar aus dem Ruder: Der Meister, von allen bewundert und von vielen als künftiger König vermutet, stieg ans Kreuz und ließ sich in der denkbar grausamsten Folter töten. Nur Sklaven und Halunken konnte das geschehen. Hier stimmte kein „für mich ist Jesus“ mehr. Alle hatten ihre Vorstellungen vom erwarteten Messias. Der aber stieg hinauf ans Kreuz und damit einsam hinab ins Unverstehbare.

Vielleicht kennt der Leser ein altes Spiel, das man Kindern vorführte. Ein Mensch, so etwas wie ein Magier, zeichnet wüst und völlig unerklärbar Kleckse, Striche und Punkte in allen Farben auf ein großes Blatt. Er tut das lange und bis auch der letzte sagt, er müsse von Sinnen sein. Ein Quatsch, das ganze. Dann aber, ganz am Ende zückt er eine große Schablone, legt sie auf sein Werk und in der Kombination von beidem entsteht plötzlich ein hinreißendes Bild. Alle Flecken, zuvor verrückt und ohne erkennbare Zusammenhänge dahin geworfene Striche und Punkte ergeben mit einem Mal ein sinnvolles Ganzes. Auf einmal bewundern alle den, der von Beginn an alles gewusst und genau geplant hatte.
So etwa hat man uns vor Zeiten erklärt, dass nicht alles von Anfang an klar sein muss, was später im hellen Licht des Wissens steht. Jesus ging einsam los und vollbrachte etwas, von dem zuvor niemand wissen konnte, was der Sinn des Ganzen sein würde. In Sachen Jesus geht es gar nicht darum, was er für uns ist. Es geht erst einmal darum, was die Welt für ihn war, bevor er die geheimnisvollen Sachen an sich geschehen ließ. Es geht darum, was wir für ihn sind, nicht umgekehrt. Denn er ist der, durch den der Allmächtige uns zeigen wollte, wer wir sind, um daran zu zeigen, wer er ist, nicht „für uns“, sondern überhaupt und für alles und jeden. Was nun den Teufel angeht, um den wir hier ja zu schreiben haben, konnte er sagen, er gehe gegen jemanden einen einsamen Kampf durchstehen, von dem die halbe Welt im Brustton ihrer Überzeugung sagt, es gebe ihn gar nicht.

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